logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

John J. Baer: Geglückte Flucht.

Eine jüdische Lebensgeschichte
Übers.: Hermi Amberger.
Wien: Ueberreuter, 2002.
144 S., geb., EUR 14,90.
ISBN 3-8000-3835-8.

Link zur Leseprobe

Gute Bücher über die Shoa gibt es viele. Mittelmäßige und schlechte noch mehr. Dieses ist keines von den Guten und keines von den ganz Schlechten, wobei erstere Aussage ihm nicht die Existenzberechtigung abspricht, zweitere nicht zwingend zum Kauf rät. Soviel vorweg.

Geschildert wird die Lebensgeschichte des 1917 in Breslau geborenen John J. Baer, dem als Kind assimiliert-jüdischer Eltern 1938 gerade noch rechtzeitig die Flucht aus Deutschland gelang. Das Buch handelt vor allem von den Stationen, an denen sich Baer nach dieser Flucht in Provisorien einzuleben hatte - Peru, Bolivien, die vereinigten Staaten, von den Auswanderer-Cliquen, vom Ausgeliefertsein des Migranten an beamtliche Willkür und dergleichen. Es erzählt von diesen Dingen in einem ungekünstelten Tonfall, der dennoch vielen der geschilderten Ereignisse eine Patina von Normalität verleiht, die ihnen ganz sicher nicht innewohnte. Über diesen Umstand als Folge des einigermaßen holprigen "Großvater-erzählt-von-damals"-Stils, (für den vielleicht eher die Übersetzerin Verantwortung trägt - liest es sich doch streckenweise wie "Amerikanisch mit deutschen Vokabeln") könnte man hier ausgiebig lästern, wäre es nicht nahezu geschmacklos, ein Buch, das deklarierterweise Zeitzeugenbericht ohne tieferen Hintersinn sein will, nach literarischen, künstlerischen Kriterien zu beurteilen.

Als solches nämlich, als ein Zeugnis, ein Schicksal von niemals zu vielen, die wir Spätgeborenen nachlesen können, als kleines Stück Leben, das sich dem Vergessen entreißt, hat "Geglückte Flucht" seine Berechtigung. Daß es nach keiner anderen fragt, rettet es: Bahnbrechend neue Perspektiven, bisher unbekannte Ursachen oder Details des Holocaust werden nicht eröffnet, der Leser bleibt auch verschont vom deplaziert polternden Tiefsinn , mit dem schon so mancher Shoa-Autor seinem entsetzlichen Gegenstand vergeblich zu Leibe zu rücken versucht hat.

Aber wie gesagt: Wir haben es nicht mit einem genuin literarischen Werk zu tun: Wenn in weiteren sechzig Jahren jemand Baers Erinnerungsbuch am Dachboden oder in einem Bücheregal findet und darin zu blättern beginnt, und das "Nie vergessen!" sich so perpetuiert, dann hat "Geglückte Flucht" alles erreicht, was es erreichen soll. Und kann.

 

Stefan Schmitzer
26. Februar 2002

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Junge LiteraturhausWerkstatt on stage

Do, 28.06.2018, 19.00 Uhr Lesungen Vor der Sommerpause geben die Autor/inn/en der Jungen...

Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung 2017

Preisverleihung am Sonntag, den 01.07.2018 um 11.00 Uhr in der Literaturhaus-Bibliothek Die beiden...

Ausstellung
Jung-Wien: Positionen der Rezeption nach 1945

08.05. bis 29.08.2018 Ausstellung | Foyer Jung-Wien war ein Literaturkreis im frühen 20....

ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Tipp
OUT NOW – flugschrift Nr. 23 von Kinga Tóth

Kinga Tóths flugschrift, die den Titel SPRACHBAU trägt, ist vorübergehende Begrenzung einer...

Literaturfestivals in Österreich

Während die Literaturszene noch auf der Leipziger Buchmesse weilt, ist Wien schon startklar für die...