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Günter Brödl, Ronald Putzker: Rehpublik Österreich.

1. autorisierter Reiseführer.
Frankfurt / M.: Eichborn, 2000.
111 S., brosch.; DM 13,80.
ISBN 3-8218-0870.

Link zur Leseprobe

Denken Sie schon langsam wieder über ihren nächsten Urlaub nach? Wo soll's denn hingehen? Lieben Sie das Abenteuer? Asien? Australien? Oder sind Sie vielleicht eher der Typ, der einfach ausspannen will und sich erholen, in einem guten Hotel - auf einer einsamen Insel vielleicht... Das einzige, was Sie alle jetzt schon mit Sorgen erfüllt, ist wahrscheinlich der lange Flug. Aber: warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah? Abenteuer, Exotik, Ruhe und Erholung, luxuriöse Unterkünfte und und und - die Rehpublik Österreich bietet einfach alles, und das innerhalb der Grenzen unseres eigenen Heimatlandes! Zumindest wenn man Günter Brödl und Roland Putzker Glauben schenken kann, den Autoren des ersten autorisierten Reiseführers der Rehpublik.

Bis vor kurzem hätte es auch wohl kaum Bedarf für ein derartiges Unterfangen gegeben. Wer braucht schon einen Reiseführer über ein Land, für das ohnehin kein Mensch ein Einreisevisum erhält? Aber jetzt ist es soweit. Am 7. Jänner 2000 hat die Rehpublik die Grenzübergänge Hirschbach und Bocking für den Reiseverkehr geöffnet und damit genau 100 Jahre nach der Ausrufung der Rehpublik durch Rehsi Rehaks Rehgionale Rehform Partei die selbstgewählte Isolation aufgegeben. Ein historisches Datum. Reh fürchtet nun Mensch nicht mehr in seinem Land. Wir dürfen kommen. Aber ohne Hirschhornknöpfe.

Auf nach Rehkawinkel! Und nach Besichtigung der Hauptstadt könnte man sich einen Abstecher ins Glücksspielparadies Rehno gönnen. Wer dort gewinnt, kann sich als Souvenir vielleicht eines der neuesten Reh-Tech-Geräte leisten. Unsere Computer können angeblich den PDS (Portable Deer-Data System) und DMS (Digi Deer Monitoring System) bei weitem nicht das Wasser reichen, und wer schon einmal im Rehnetz surfte ... ach was, das können Sie sich sowieso nicht vorstellen. Sollten Sie aber in Rehno alles verloren haben, müssen Sie sich eventuell zu Fuß auf den Weg durch den Rehgenwald machen und sind nachher reif fürs Reh-Ha-Zentrum. Aber vielleicht muntert Sie ja auch schon ein Schluckerl Saft von der köstlichen Weinrehbe wieder auf. Im Rehtsina zum Beispiel, einem Vier-Eichel-Hotel in Rehdondo Beach an der Kitzwitzer Seenplatte oder im berühmten Rehbnitz in der Rehbenau.

Die Rehpublik Österreich ist sozusagen eine Miniaturausgabe ihres Nachbarstaates. Selbst ähnliche politische Probleme haben sie in den letzten Jahren heimgesucht, die Damhirsche polemisieren gegen die in den letzten 15 Jahren aus dem Norden zugewanderten Elche, der Fremdenhass greift um sich. Dabei gelten die Elche als besonders wertvolle Arbeitskräfte, ihre Schaufelkraft ist nahezu unverzichtbar für den Ausbau des Rehwegnetzes oder die Schneeräumung. Und die Vorbehalte kommen auch vorwiegend aus Unwissenheit und Unzufriedenheit. 87% der Damhirsche sind Analphabeten, zwei Drittel der Junghirsche arbeitslos. Aber die Rehgierung versucht seit Jahren auf sanfte Art Aufklärungsarbeit zu leisten.

Günter Brödl und Ronald Putzker ist ein witziger und umfassender Reiseführer gelungen, mit liebevoll ausgestalteten Details und einfühlsamen Betrachtungen, die uns von "Nebenan" dieses unbekannte und kaum erforschte Land im Land ein wenig näherbringen sollen. Und das Buch ist - leider auch - ein Vermächtnis, denn Autor und Zeichner haben bereits mehrere Forschungsreisen in die Rehpublik unternommen, haben sich ihr mit immer größerer Zuneigung zugewandt - und wurden seitdem nicht mehr gesehen.

Sabine E. Selzer
30. April 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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