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Leseprobe: Alois Brandstetter - "Die Zärtlichkeit des Eisenkeils."

Vielleicht bin ich für schwere Sünden nicht disponiert, dazu fehlt wohl das Format. Das alles ist nichts Besonderes. Dieser Satz könnte über meinem ganzen Leben stehen. Hundertmal habe ich in Vorlesungen und Seminaren über das ritterliche Tugendsystem der höfischen Zeit des Rittertums gesprochen und von der rechten "maze", dem Mittelmaß also, dem in der römischen Ethik die "temperatia" und in der griechischen die "mesotes" entspricht. Darauf soll sich aber keiner etwas einbilden. Das Besondere an meinem unabenteuerlichen Leben steht wohl darin, daß ich mit dem nicht Besonderen besonders achtsam umgegangen bin, mit dem Unspektakulären bei meiner Schriftstellerei mein Auslangen gefunden habe und aus dem nicht Prächtigen oder Glänzenden merkwürdigerweise Funken geschlagen habe. Das soll kein Eigenlob sein. Sicher ist, daß ich in allen meinen Romanen, selbst im Kriminalroman "Die Abtei", ohne Tote, Mörder und Selbstmörder ausgekommen bin. Mein Leben hat zwar in schrecklicher Zeit begonnen, und ich habe das Ende des Schreckens, die Jahre 1944 und 1945 bewußt und voll Angst miterlebt, doch dann kam eigentlich eine lange Friedenszeit, wenn man von den zweihundertsiebzig kleineren und größeren Kriegen in der Welt absieht ... Aber die spielten sich, von hier aus gesehen, alle "hinten in der Türkei" und in Hinterindien und weiß Gott wo ab. Nachgefahren jedenfalls bin ich ihnen nicht. Ich habe keinen Streit gesucht. Ich habe mich zurückgehalten. Ich habe mich schadlos gehalten.

© 2000, Residenz, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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