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Susanne Bock: Mit dem Koffer in der Hand.

Leben in den Wirren der Zeit 1920-1946.
Wien: Passagen, 1999.
280 S., brosch.; öS 398.-.
ISBN 3-85165-343-2.

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"'Ja, gnä' Frau, warum san'S denn weggangen?' Ich antworte ihm auf diese Frage freundlich, aber mit unterdrückter Wut: "Wäre ich dageblieben, wäre ich jetzt tot und Sie hätten mit mir keine Scherereien!'" (S. 94) Dieser Dialog zwischen der Autorin und einem Beamten offenbart das Ausmaß an Unverständnis und Niedertracht im Nachkriegsösterreich, das gegenüber jüdischen Verfolgten herrschte (und herrscht).

180.000 Juden wurden allein in Wien ermordet und vertrieben. Wenige Juden, die den Holocaust überlebten, sind in ihre Heimatstadt zurückgekommen. Susanne Bock, die Autorin dieser "autobiographischen Notizen", ist eine von ihnen. Sie erzählt von ihrer Flucht und Emigration als junges Mädchen über Italien nach England. 1946 kehrt sie über die Tschechoslowakei wieder nach Wien zurück.
Was bedeutet es für ein 18jähriges jüdisches Mädchen aus mittelloser Familie, ohne Ausbildung (1938 macht sie kurz vor ihrer Flucht die Matura), aus seiner Umgebung herausgerissen und von seinen Verwandten, seinem Freund getrennt zu werden? Wo soll sie hin? "Mit dem Koffer in der Hand" schafft sie es nach Italien, wo sie als Kindermädchen arbeiten will. 1939 muß sie aus dem faschistischen Staat emigrieren, sie erhält in England eine "domestic servant permit" und die Erlaubnis, eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Die Jahre in der Emigration sind gezeichnet von ständigem Ortswechsel, Arbeitssuche, Wohnungssuche, vom täglichen Überlebenskampf. Sie arbeitet als Küchenhilfe, in einer Metallfabrik, als Chemielaborantin und Lektorin in einem wissenschaftlichen Verlag. Die persönlichen Strategien, mit denen sie den Schwierigkeiten begegnet, heißen Mut, Ausdauer und Fleiß. Ihren Wunsch, Chemie zu studieren, konnte sie sich nicht erfüllen.

Nichtsdestotrotz werden die Ereignisse im Wien der 20er und 30er Jahre rückblickend humorvoll und lebhaft erzählt, wo die Autorin in einem politsch engagierten, sozialdemokratisch-jüdischen Umfeld aufwächst. Episoden aus ihrer Zeit bei den "Roten Falken", Kurzbiographien von Freunden und Verwandten und die Liebesgeschichte mit ihrem Jugendfreund, den sie 1946 wie durch ein Wunder wiederfindet, runden den autobiografischen Bericht ab. Im Erzählen der unterschiedlichen Lebenswege - tragischen, aber auch hoffnungsvollen - verliert die Autorin nie die politischen Zusammenhänge aus dem Blick.

Susanne Bocks Erzählungen sind als Beitrag zu einer "Geschichte von unten" zu sehen; als ein Beitrag gegen das Vergessen, denn kaum etwas ist über das Schicksal der jüdischen Einwohner Wiens bekannt, die zu Flucht, Emigration und Schlimmerem gezwungen waren.

Ivette Löcker
17. Juni 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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