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Christoph Braendle: Liebe, Freud und schöner Tod.

Wiener Sonaten.
(Picus Lesereisen).
Wien: Picus, 1998.
132 S., geb.; öS 190.-.
ISBN 3-85452-708-X.

Link zur Leseprobe

Zu einem ganz speziellen Wien-Erlebnis führt ein Band des Picus-Verlages. Im Frühjahr 1998 hat Picus eine neue Reihe präsentiert: Unter dem Titel "Lesereisen" werden - pro Saison fünf - Reisefeuilletons renommierter Autoren und Journalisten in reisetauglich schlankem Format vorgelegt. Den Anfang machten Südsee, Salzkammergut, Paris, Rom und London - im Herbst wird fortgesetzt mit Lissabon, München, Istanbul, Florenz und - jetzt eben - mit Wien.

Daß die Stadt um einiges mehr zu bieten hat als Lipizzaner, Stefansdom, Riesenrad, Fiaker und Sisi-Gedenktouren, das erfahren Sie von Christoph Braendle. Als Autor, als ortskundiger Nicht-Wiener, führt er durch die abgründige Stadt von gestern und heute. Braendle, 1953 in der Schweiz geboren, lebt seit 1987 als freier Schriftsteller und Dramatiker in Wien.

Detailreich, unterhaltsam und kenntnisreich fügt er Berichte und Eindrücke an Anekdoten. Skurrile Details werden da zu Tage gefördert - man erfährt, daß es in Wien an die 1.000 Kindergärten und nur drei Spezialgeschäfte für motorisierte Kettensägen gibt, was Humanic und Rapid für die Stadt bedeuten, und was es heißt, wenn "die Palatschinke am Plafond pickt".

Braendle erzählt von den üblen Machenschaften des Mädchenmörders Hugo Schenk, der bei seiner Hinrichtung im Jahr 1884 vierzig Dienstmädchen auf dem Gewissen hatte. Oder vom Schicksal des österreichischen Komponisten Matthias Hauer, dem "wahren Entdecker und leider noch immer einzigen Kenner und Könner der Zwölftonmusik".
Und dann, natürlich - der Wein ... der schlechte Wein des Jahres 1444, mit dem der Mörtel für den Bau der Stephanskirche angerührt wurde und schließlich der gute Wein bei den Wiener Heurigen mitsamt seinen Folgen.

Braendles Tour durch die Stadtlandschaften und die Stadtgeschichte ist für Wien-Kenner eine vergnügliche Lektüre, ein unterhaltsames Kaleidoskop mit vielen bunten Splittern. Wien-Anfängern sei vor der Lektüre ein Grundkurs empfohlen.

Kristina Pfoser
7. September 1998

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