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Valentin Braitenberg: Ill oder Der Engel und die Philosophie.

Roman.
Zürich: Haffmans, 1999.
160 S., geb.; SFr 32.-.
ISBN 3-251-00424-7.

Link zur Leseprobe

Valentin Braitenberg erzählt sehr einfach: keine verschnörkelten Sätze, keine Kompliziertheit. Schlicht und eingängig und wohl gerade deshalb fesselnd schildert er uns eine sehr ungewöhnliche Begegnung, aus der eine nicht weniger ungewöhnliche Beziehung entsteht, die dann am Ende doch keine ist.

Der Ich-Erzähler ist ein Reisender - auf der Suche nach Antworten auf eher gewöhnliche Fragen. Er bezeichnet sich selbst als Schriftsteller im Ruhestand. Sehr zufällig begegnet er auf der Reise einer Frau, die ihn vor allem durch ihre Unkompliziertheit und einfache Schönheit fasziniert; er nennt sie Ill, da dies die einzigen Buchstaben sind, die er aus ihrer Hotelanmeldung herauslesen kann. Mehr wird er während der Reise nicht über sie erfahren - doch es ist auch nicht wichtig.

Ungewöhnlich ist, daß die junge Frau und der alte Mann sich sofort ohne Scheu, aber auch ohne jedes sexuelle Interesse ein Hotelzimmer teilen; ungewöhnlich ist, daß sie ihn ohne große Fragen sofort auf seiner Reise begleitet, für die es scheinbar auch keine festgelegte Reiseroute gibt. Sie ist einfach da, begleitet ihn, stellt Fragen, die er vielleicht vergessen würde, und gibt Antworten, auf die er nicht gekommen wäre - sie ist eine Art schlichter Gegenpol zu dem reisenden Philosophen, der sich jedoch nicht mit wirklich weltbewegenden Dingen beschäftigt.

Es geht nicht um existenzielle Probleme; eher gewöhnlich sind die Fragen, die unsere beiden Reisenden den Personen, die sie aufsuchen, stellen: ob die Seele in der Unvollkommenheit gefunden werden kann; wo das Bewußtsein seinen Sitz hat oder wie das Erkennen eigentlich funktioniert. Befragt werden auch nicht etwa Spezialisten, sondern zum Beispiel ein Geigenbauer, ein Pater oder eine Art hyperintelligentes Naturkind.

Beiläufig, wie die Begegnung zwischen Ill und dem Erzähler, wirken die Begegnungen zwischen den Reisenden und den besuchten "Philosophen", obwohl diese von England bis Jerusalem verstreut sind. Die tieferen "philosophischen" Erkenntnisse entstehen eher im Gespräch zwischen Ill und dem Erzähler.
Am Ende, als sie plötzlich verschwunden ist, stellt sich heraus, daß Ill eine der Polizei längst bekannte Schwindlerin und Betrügerin ist. Doch das macht nichts, denn niemand hat wirklich Schaden erlitten; dem Ich-Erzähler schenkte sie wertvolle Momente in seinem Leben, alles andere interessiert nicht.

Trotz der ungewöhnlichen Konstruktion der Geschichte wirkt Braitenbergs Roman nie gewollt oder gekünstelt; trotz der Beiläufigkeit der Begegnungen und Gespräche wird das Geschehen nie langweilig. Das Buch strahlt eine seltsame Ruhe aus und lädt den Leser ein, beiläufig über die gleichen Fragen zu sinnieren wie der Ich-Erzähler - und dennoch das Leben zu genießen und alles nicht so wichtig zu nehmen.

Eva Reichmann
11. März 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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