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Leseprobe: Paul Blaha - "Das Eingemachte"

Abrahamovicz sagte erst nach einer Weile etwas. Das ganze Haus müßte man lüften. Die ganze Welt müßte man lüften. Die ganze Welt nach ihren miesen Geheimnissen absuchen und alle Keller dieser Welt nach Leichen. Und in diesem Haus beginnen. (S. 37)

"[...] Demnächst wird es billiger sein, die Kriminalität hinzunehmen, als sie zu bekämpfen, und wenn dann die Städte unbewohnbar sein werden, weil ihre Entgiftung und Verwaltung und Versorgung und Entsorgung unrentabel geworden sind, wird der Weltbürgerkrieg ausbrechen, und die wenigen, die es sich werden leisten können, werden die Städte verlassen und sich zurückziehen in idyllische, bewachte Schutzzonen, in geschützte Reservate. Von diesen abgeschirmten Luxusbiotopen aus, mit privaten Schulen und privaten Sanatorien und privater Polizei und privater Staats- und Justizverwaltung, werden sie den zerlumpten, kranken, angesteckten Rest der Welt beherrschen. Keine Chance. Der Planet ist verdorben. Ich, Olga Frieber aus Eger, ein verdorbenes Kind der Aufklärung, das Frauen liebt und ihren Mann langsam vergiftet und ein debiles Mädchen Erotomanen und Sadisten überläßt, frage mich, warum das alles hat so kommen müssen. Nebenbei frage ich mich, warum die Bewohner dieses Hauses verrückt genug sind, hinauszuwollen aus ihrer kleinen, geschützten Hölle, um sie gegen den ekelerregenden Dschungel draußen einzutauschen." (S. 59)

Es war Abend. Einer der vielen in dem Haus, wenn auch ein besonderer, mag sein, einer der letzten, wenn nicht gar der letzte, wer wußte das schon so genau. Annie und Edgar hatten die Halle festlich geschmückt und Getränke und kostbares Geschirr herbeigeschleppt. Frische Blumen befanden sich in den Vasen, und Girlanden hingen von der Decke. Der Refektoriumstisch war geschmackvoll gedeckt, und auf der altdeutschen Anrichte standen Batterien von Weinflaschen.
Die abendlich gekleideten Pensionäre boten einen bunten Anblick. Steiner hatte den Gesellschaftsanzug eines SS-Standartenführers an, Abrahamovicz trug einen aus gestreiftem KZ-Drillich geschneiderten Cutaway. Karl hatte sich, wie nicht anders zu erwarten, in einen engsitzenden Frack geklemmt, mit Orden an der Brust und der obligaten weißen Nelke. Während Olga in einem schlichten Smoking-Anzug erschienen war, steckte Madame Petrescu in einer phantastischen Robe aus brüchiger beiger Seide. Ihre Taille war in ein Samtmieder gepfercht, ihre feisten Arme quollen wie Weißwürste aus den bestickten Ärmeln, und das Dekolleté war gewaltig. Nur Luisa trug ein einfaches Sommerkleid. (S. 87)

(c) 1996, Edition Splitter, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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