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Antonia Rados: Quotenfieber.

Roman.
München, Zürich: Diana, 1997.
319 S., geb.; DM 38.-.
ISBN 3-8284-0012-4.

Link zur Leseprobe

Es gab einmal eine Welt, die gut und böse kannte. Darin gab es einen Berufsstand, der an professionelle Integrität und journalistische Sorgfaltspflicht glaubte. Dieses schöne Märchen wurde jedoch eines Tages zerstört, als die moderne Medienwelt züngelnd ihr Medusenhaupt erhob.

Antonia Rados, selbst Journalistin, beschreibt in ihrem Roman "Quotenfieber", wie korrumpiert die moderne Mediengesellschaft und speziell die Fernsehwelt geworden ist. Es gilt nur mehr ein Kriterium: die Quote, und alle ihre vielen Glieder, Menschen und Maschinen, dienen ihr.
Quantität vor Qualität und jedes Mittel ist erlaubt: Gegen dieses zynische Prinzip stellt sich die politische Journalistin Anny Bonner, Hauptfigur aus "Quotenfieber"; denn Anny Bonner, die Außenseiterin, nimmt die ethische Seite ihres Berufes noch ernst, obwohl sie weiß, daß sie auf verlorenem Posten steht. Ihre Berichte werden regelmäßig verschoben oder nicht gesendet. "Beim nächsten Mal will ich Tränen sehen" (S. 8), verlangt ihr Chef mit dem Spitznamen "Stalin".

Die Handlung des Romans verliert sich schnell in ein kompliziertes Netz aus Korruption und Lügen: am Anfang steht der mysteriöse Tod eines Fernsehmannes im Sudan. Anny Bonner wird beauftragt, die Geschichte zu recherchieren und gerät prompt zwischen die Fronten.
Im Zentrum der Macht steht ein Mann namens Richard Hodrum - ein ebenso öffentlichkeitsscheuer wie einflußreicher Medientycoon wie sein Alter ego im wirklichen Leben, Rupert Murdoch. Die Verstrickungen in "Quotenfieber" werden immer undurchschaubarer. Bald sind Wahrheit und Lüge auch für den Leser nicht mehr auseinanderzuhalten.

Anny Bonner löst schließlich die Rätsel, doch ihr Wissen bringt letztlich nur ihr selbst Gewißheit. Als versöhnliches Ende der Geschichte zeigt Antonia Rados am Beispiel "Stalins", daß auch die Quotenjäger und Mitläufer, wenn es die anonymen Gesetze der Medienwelt so wollen, nicht verschont werden.

Anne M. Zauner
12. Jänner 1998

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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