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Peter Campa: Der ganz normale Franz.

Wien: Triton, 2003.
106 S.; geb., Eur 14.-.
ISBN 3-85486-104-4

Link zur Leseprobe

Franz ist der denkbar normalste Vorname. Und Franz möchte auch nichts anderes sein als eben ein ganz normaler Franz. In seiner ganz normalen kleinbürgerlichen Kindheit und später in seinem ganz normalen Erwachsenenleben. Aber vielleicht ist es gerade dieser Wunsch nach Normalität, der ihn zum Außenseiter macht. Ganz normal, oder?

Eingangs begegnen wir Peter Campas "Ganz normalem Franz" bei sich zu Hause, an einem ganz normalem Morgen. Wohnungsputz zu zweit und die kleinen Sticheleien, die konsequent dafür sorgen, dass es in der Beziehung nicht zu romantisch wird. Jeder fühlt sich ungerecht behandelt, und keiner hört dem anderen zu. Und dann lieben sie sich aber doch. Ganz normaler Alltag also.

Aber das war nicht immer so. Als Kind hat er es nicht so leicht gehabt, der Franz. Die eigenen Eltern hielten ihn für einen Sonderling, und im Sport, da war er auch ganz schlecht. Und als er sich endlich einmal etwas trauen will am Spielplatz, da passiert es, dass die Kinder erst recht wieder etwas zu tuscheln haben über ihn. Er ist beim Rutschen abgerutscht und hat ein Loch im Kopf. Das ist doch auch nicht ganz normal.

Der Franz wäre gern ein guter, braver Junge gewesen. Aber es war gar nicht so leicht, sich nicht zu versündigen. Am besten, man tat nichts, stellte sich dümmer als man war, fragte Dinge, die man schon wusste und träumte so ein bisschen vor sich hin, da konnte nicht viel passieren, das war Geborgenheit. Im Schoß einer ganz normalen Familie.

Später streunte er dann gern um den Theseustempel, rauchte Haschisch und hatte dabei Angst vor der Polizei. Dabei wäre er gerne stark gewesen. Und kritisch. Und ultraprogressiv. Das war damals gerade modern. Wenn doch nur diese Hemmungen nicht wären. Auch wenn es um Sex ging. Aber eines Tages würde er so viele Drogen nehmen, dass er keine Hemmungen mehr hätte. Und dann hätte er endlich ganz normalen Sex, und es bliebe nicht bei dem einen Mal mit einer Betrunkenen.

Damit hat Franz kein Problem mehr. Jetzt hat er Roswitha. Und Roswitha ist schwanger. Jetzt wird er Verantwortung übernehmen müssen, etwas, das er gar nicht mag. Außerdem macht Roswitha in letzter Zeit besonders oft Äußerungen, die er nicht versteht. Vielleicht ist das "das Weibliche" in ihr. Das "Typische". Roswitha ist ja eine ganz normale Frau.

Franz beschließt, ein guter Liebhaber und ein guter Vater zu sein, auch wenn er gar nicht unbedingt ein Kind haben wollte und Roswitha nicht immer auszuhalten ist. Sie ist eine schöne Frau, eine kräftige Frau, erotisch und intelligent. Und sie schimpft viel, lässt sich keineswegs alles gefallen. Er aber auch nicht, das ist ja schließlich ganz normal.

Franz schreibt einen Roman, macht den Führerschein und will sich von seinen Neurosen heilen lassen. Zu diesem Zwecke begibt er sich freiwillig in die Psychiatrische Universitätsklinik im AKH. Auf Schlafkur und Tablettenkur. Bis er sich doch wieder der für ihn schwierigsten Lebensform widmet, seiner Rolle als ganz normaler Familienvater.

Peter Campa umkreist die ganz normalen Lebensstationen seines jungen Protagonisten, erzählt im Plauderton und hält stets Distanz zu seiner Figur. Ironisch und trotzdem einfühlsam begleitet er den gesellschaftlichen Anpassungsprozess seines Helden, bis jener schließlich sich selbst als das erkennt, was er immer schon zu sein wünschte: ein ganz normaler Franz.

 

Sabine E. Selzer
31. März 2003

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

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