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Leseprobe: Manfred Rumpl - "Jäger auf Hasenjagd."

1.
Österreich, Wien

Fast keinem der im Foyer des Museums Anwesenden entgeht, wie unsicher die Stimme des gepflegten Herrn ist, der da hinter einem Pult steht. Die Gestalt des Direktors wirkt hinter all den vor ihm aufragenden Mikrofonen noch schmächtiger als sonst. Wer ihn hier besser kennt – jene Angestellten, die um diese frühe Zeit zu erreichen waren –, weiß aber, dass in der schmalen Figur des Doktor Nemec im Grunde eine Menge Durchsetzungsvermögen steckt. Heute, gegen Ende des Jahres 2003, ist mit Sicherheit nicht sein Tag. Die Blitzlichter der Kameras machen ihn nervös. Da knien sie in den ersten Reihen und drücken in einem fort auf Auslöser. In den letzten Reihen halten sie die Kameras hoch über ihre Köpfe, um den einen oder anderen Schnappschuss zu ergattern. In diesem stroboskopartigen Licht wirken seine Bewegungen irgendwie abstrakt. Es sieht aus, als wären diese Bewegungen einstudiert. Auch Journalisten aus dem benachbarten Ausland haben es geschafft, rechtzeitig zur eilig einberufenen Pressekonferenz zu kommen. Draußen glänzt das erste, dünne Licht auf dem in der Nacht gefallenen Schnee. Dieses Licht schwächt die Leuchtkraft der Luster hoch oben, sodass es drinnen allmählich in dem Maße dunkler wird, wie es draußen hell wird. Im Zwielicht fühlt der Direktor sich offensichtlich gar nicht wohl. Er beginnt das Tempo seiner Erklärung zu forcieren. Obwohl nach einem Lagebericht der Kripo bereits Gerüchte kursieren, die Führung der weltberühmten Sammlung Albertina habe grobe Fahrlässigkeit zu verantworten, nimmt der Direktor sein Haus in Schutz. Nach und nach findet er auch seine Fassung wieder. Er geht schließlich sogar in die Offensive, indem er mögliche Sicherheitsmängel, nicht völlig auszuschließende Aufsichtsmängel und Schwachstellen am Gebäude einräumt. Das aber aufgrund von Renovierungsarbeiten schon seit Monaten nicht so perfekt überwacht werden könne wie erforderlich! Es hat fast den Anschein, der Direktor gibt nun, unter dem Druck der Journalisten, einige Versäumnisse geringfügiger Art zu, um nicht mit fundamentalen Anschuldigungen konfrontiert zu werden.

© 2009 Echomedia Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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