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Manfred Wieninger: Prinzessin Rauschkind.

Ein Marek-Miert-Krimi.
Innsbruck-Wien: Haymon Verlag, 2010.
204 Seiten; geb.; Euro 19,90.
ISBN 978-3-85218-626-9.

Link zur Leseprobe

"Mein Kopf fühlte sich an wie der Krakatau wenige Minuten vor dem Ausbruch. Etwas Blut war über meine Stirn und mein Jochbein in meinen linken Mundwinkel gelaufen, es schmeckte lauwarm und salzig. Noch selten, dachte ich, hat ein Fall von mir gleich mit einem derartigen Fiasko begonnen."

Marek Miert, Ex-Polizist, seit seinem Rausschmiss als Diskont-Detektiv in Harland, einer (fiktiven) niederösterreichischen Stadt tätig, leidet unter Auftragsflaute. Da er alles andere als solvent ist, nimmt er jeden Auftrag an, der ihm angeboten wird, so auch den von Silvia Sladki, die ihren Lover Lászlo Zsigmund seit geraumer Zeit vermisst. Miert soll ihn aufspüren, doch Sladki, Zahnarzthelferin und nebenbei auch noch als Fischverkäuferin tätig, hat noch weniger Geld als er. Lászlo, so Sladki, sei bei der Tür raus, um Zigaretten zu holen und nicht wieder aufgetaucht. "Nichts ist gut auf dieser Welt! Nur Lászlo war es!", klagt sie.

Noch ehe Miert mit seinen Recherchen richtig begonnen hat, wird jemand, der Lászlo ähnlich sieht, vor seinen Augen niedergeschossen, Miert von zwei Polizisten niedergeschlagen und als Mordverdächtiger verhaftet. "Ich war vor vierzig oder fünfzig Zeugen über einen frisch Angeschossenen gestolpert, hatte wie ein Auftragskiller aus einem Hollywood-Film dessen Foto in der Tasche gehabt und war dann auch noch so abgrundtief blöd gewesen, die Aufnahme coram publico herzuzeigen. Das brachte mich mit dem Opfer in eine ganz schön enge Verbindung."

Oberleutnant Gabloner, Mierts Ex-Vorgesetzter, ein richtiges Ekel, lässt ihn in eine Zelle sperren, "ein fetter Brodem aus Fäkalien, ungewaschenen, maroden Körpern, schlechtem Essen und Hoffnungslosigkeit." Es ist nicht das liebliche, bilderbuchschöne Provinzösterreich, das Wieninger seinen Lesern offeriert, sondern eine schmutzige, schäbige Hinterhofwelt, in der die Kriminalbeamten ebenso schmierig sind wie die Gauner und Ganoven.
Gabloner verhört Miert und gibt ihm drei Tage Zeit, den Magyaren zu finden. Miert sehnt sich danach, einen Fall einmal so sauber aufklären zu können wie Inspektor Derrick das im Fernsehen so schön vorgeführt hat – seine Ermittlungen laufen nämlich meistens ins Nichts. Doch mit Hilfe von Kommerzialrat Sabitzer, eines pensionierten Taxiunternehmers, und zweier ehemaliger Schulkollegen kommt Miert der Lösung des Rätsels einige Schritte näher. Der eine Schulkollege, Mausl genannt, ein verkanntes mathematisch-philosophisches Genie, das nun eine "absolut nietzscheanische Existenz" führt, liefert ihm wichtige Informationen über Lászlo, der andere, Walter Kobe, ein äußerst erfolgloser Pensionsbetreiber, der nebenher ayurvedische Rasierwässer vertreibt, gewährt ihm Unterschlupf.
Mit einer List, die dem schlauen Odysseus alle Ehre gemacht hätte und die man ihm nicht zugetraut hätte, wird Miert schließlich Lászlo Zsigmunds, der eigentlich Helmut Schön heißt, habhaft. Als er den falschen Ungarn bei Silvia Sladik abliefert und dieser ihre abgöttische Liebe auf äußerst unhöfliche Weise nicht erwidert, schreitet Sladik zur Tat: "Begleitet von einem spitzen, unendlich traurigen Schrei wie von einem weidwunden Tier war da eine ganz schnelle Bewegung des rechten Arms der verschmähten Prinzessin und plötzlich hatte Helmut Schön ein kleines Käsemesser in seinem linken Bizeps stecken."

"Prinzessin Rauschkind" ist ein flott zu lesender, temporeicher Krimi amerikanischer Prägung, der gute Unterhaltung garantiert. Ein Krimi, der nicht mehr sein will als ein Krimi und eben deshalb gelungen ist. Marek Miert ist ein durchaus liebenswerter Ermittler, der zwar eigentlich ein Gutmensch wäre, aber von der bösen, ungerechten Welt, die ihn umgibt, dazu gezwungen wird, brachial zu Werke zu gehen. Dazu verfügt der Ich-Erzähler Miert über jede Menge Sprachwitz. Zwar nicht immer stimmig, jedoch ausnahmslos originell sind die zahllosen Wie-Vergleiche: Da ist es in einer Straße "so dunkel wie in einem koreanischen Operationssaal", wird das Scheinwerferlicht eines Autos "von der schweren, feuchten Dunkelheit eingesogen wie ein versehentlich verschlucktes Hustenzuckerl", gibt ein Fahrer "Gas wie ein algerischer Nelson Piquet". Man kann ob solcher Sprache den Kopf schütteln – oder sich köstlich amüsieren.

 

Peter Landerl
30. April 2010

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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