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Elfriede Czurda: Die Schläferin.

Roman.
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997.
192 S., geb.; DM 36.-.
ISBN 3-498-00914-1.

Link zur Leseprobe

Eine Magdalena ist mit einem (stotternden) Jakob verheiratet. Das Glück der ersten Tage verabschiedet sich alsbald und weicht einem streitbaren Alltag. Wegen eines arbeitslosen, geschiedenen Pauls räumt Jakob einen Haushalt, der eigentlich sein Haushalt ist. Als die Warenhausbekanntschaft Paul in Gedanken mit einem Abschied von Magdalena spielt, greift diese zu ungewöhnlichen Mitteln der Gegenwehr: sie leistet Sterbehilfe der besonderen Art. Die Tragödie des mißglückten Zusammenseins kommt zu ihrem Höhepunkt, als Magdalena - des Lebens überdrüssig - sich in einem Fluß zu ertränken versucht.

Mit dieser Szene, dem Fall vom Wehr in die Fluten eines Gewässers, das Magdalena nicht aufnehmen will, beginnt der Roman "Die Schläferin". Es ist nach den "Giftmörderinnen" der zweite Teil einer geplanten Trilogie über Frauenschicksale.

So schnell die eigentliche Handlung erzählt ist, so komplex ist die Schilderung der psychischen Störungen der Hauptfigur, aber auch der zwischenmenschlichen Beziehungen, die gemeinhin als "normal" gelten.

Ähnlich wie in "Die Giftmörderinnen" erreicht Elfriede Czurda durch minimale Änderungen im Sprachgebrauch die gewünschte Wirkung: Verunsicherung beim Leser, der hingewiesen wird auf die Entsprechung von "normwidriger" Sprache und ihrem Pendant in der Wirklichkeit. Man fühlt sich nicht selten an die stilistischen Mittel erinnert, die Elfriede Jelinek in ihren Romanen und Stücken anwendet, um mit kleinen Abweichungen die Doppelbödigkeit beispielsweise von Sprichwörtern ins Bewußtsein zu rufen.

Wortneubildungen oder -zusammenziehungen, der gezielte Austausch von bestimmtem und unbestimmtem Artikel (insbesondere in Kombination mit Abstrakta wie etwa Leben, Glück, Tod ...) beweist vor allem eines: daß da etwas nicht stimmt im Leben dieser Magdalena, deren bester Freund ein Messer ist.

Die Nachbarn, über weite Strecken einziger Hinweis auf eine Außenwelt, übernehmen den Part des neugierigen, oft soufflierenden, später hetzerischen Chores, der die Freß- und Magersuchtsanfälle der Hausfrau Magdalena mitverfolgt.

Das Ende ist blutig. Nicht nur daß Magdalena Paul mit ihrem Messer in Einzelteile portioniert, erleidet sie durch einen Blutsturz eine Fehlgeburt. Ihre krankhafte, paranoide Ablehnung eines eigenen Körpers geht einher mit der Sprachlosigkeit einer Frau, die sich nicht nur mit dem Fantomfoto toter Schwiegereltern über dem Ehebett, sondern vor allem mit der Gefahr des Verlassenwerdens konfrontiert sieht. Das frühe, unerklärbare Verschwinden ihrer Mutter und die Vergewaltigung durch einen gewissen Onkel Fritz, bäumen sich zu traumatischen Gebilden auf, aus denen sich Magdalena nicht wirklich freischwimmen kann, auch wenn sie letztlich vom Wasser wieder ausgespeit wird.

Claudia Holly
13. August 1997

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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