logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Sven Daubenmerkl: Träume süß.

Geschichten zum Verlieben.
Linz: Resistenz, 1999.
122 S., brosch.; ca. öS 198.-.
ISBN 3-85285-021-5.

Link zur Leseprobe

Erotische Begebenheiten sind immer spannend, denn sie legen meist mitten im Alltag los und hören oft erst nach dem Tode auf, Kenner vergleichen sie daher manchmal zynisch mit Kriegsgeschichten.
Sven Daubenmerkl, der in seinen Erzählungen immer großes Augenmerk auf die Gerade-noch-Erträglichkeit von Situationen legt ["An unseren Grenzen", 1995], nähert sich dem großen Thema der binären Zuwendung von Menschen in zehn Geschichten.

Obwohl in den Geschichten teilweise ordentlich "zur Sache" gegangen wird, tragen alle Beteiligten jenen heiligen Ernst der Literatur-Erotik in sich, mit dem sich einst in Kafkas Roman "Das Schloß" der Landvermesser und Frieda in die Bierlache hinter der Ausschank gelegt haben.
In "Miss" erleben die Knaben an der Schwelle zur Pubertät den Lehrstoff für Englisch und die einsetzende halbernste Sexualität als Doppelpack. Das heißt für die Kids, daß die englische Semantik Wollust auslöst, während die ersten sexuellen Schübe unter Schaudern in gewisse Körperteile fahren. Ein Leben lang sind die Schüler dieser Klasse von Englisch und der Lehrerin fasziniert. Aber als ein ehemaliger Schüler, der extra für die Miss das Englisch-Lehramt gemacht hat, im Konferenzzimmer die erste Aufwartung als Erwachsener macht, ist die Miss zur Misses verwelkt.
"Der Gastfreund" vom Land steigt kurz bei einer Studentenvertreterin in der Stadt ab, aber "für sie wurde es keine gute Nacht" (S. 23). Genitalien können generell lästig sein, wenn sie aber bewußt ignoriert werden, können sie in große Erregung geraten. Der Gastfreund reagiert sich tagsüber mit U-Bahn-Fahrten ab, damit er es im Nebenzimmer nächtens besser aushält. Bei seinem Verschwinden hinterläßt er Grillparzers "Medea" ohne Widmung, dennoch liest die Studentenvertreterin in der Folge das Buch "äußerst persönlich".

In weiteren Episoden geht es um Planung und Zufall bei der Installation eines erotischen Ambientes.
"Nüchtern bist du unerträglich" zeugt von der großen Angst, die manchmal mit großer Körpernähe einhergeht.
Die ironische Aufforderung "Träume süß" bringt einen aufdringlichen Saftsack schließlich noch kurz zum Schäumen, ehe er verschwindet.

Sven Daubenmerkls Geschichten sind feingeschliffene Provetten, in denen scheinbar fassungslos das jeweils Unaussprechbare eingeschlossen ist. Immer wieder versagt die Sprache der Helden und das Trivialste scheint den größten Glanz zu besitzen.
Die Ironie der Geschichten ist faszinierend, denn die einzelnen Sätze für sich genommen klingen wie aus "Täglich Alles". Aber der Autor sägt diesen einfachen Sätzen immer das semantische Standbein an, so daß alle Sachverhalte wackelig werden und schließlich wegrutschen.
Selten leidet der Leser bei Erzählungen so mit den Helden mit wie bei diesen Geschichten vom Verlieben. Denn stündlich kann er, der Leser, zu einem Helden à la Daubenmerkl werden, und dann gnade Gott, wenn er in Ironie und Selbstbewußtsein nicht sattelfest ist.

Wenn man davon ausgeht, daß sich das Einfachste am schwierigsten darstellen läßt, dann sind Daubenmerkls Geschichten bemerkenswert luftig ausgefallen.

Helmuth Schönauer
5. Oktober 1999

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Sehr geehrte Veranstaltungsbesucher/innen!

Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Sommer und freuen uns, wenn wir Sie im September...

Ausstellung
Gerhard Roth: Spuren. Aus den Fotografien von 2007 bis 2017

12.06. bis 29.08.2018 Ausstellung Gerhard Roth, einer der bedeutendsten Autoren der Gegenwart,...

Jung-Wien: Positionen der Rezeption nach 1945

08.05. bis 29.08.2018 Ausstellung | Foyer Jung-Wien war ein Literaturkreis im frühen 20....

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...