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Bernhard Aichner: Die Schöne und der Tod

Krimi.
Innsbruck: Haymon Verlag, 2010.
256 S.; brosch.; Euro 9,95.
ISBN 978-3-85218-827-0.

Link zur Leseprobe

Müsste man dieses Buch in drei Worten beschreiben, wäre das schwer – um nicht zu sagen unmöglich. "Abgründig, schräg und spannend," verspricht der Klappentext. Der Roman hält mehr als das: Er ist nonchalant, mitreißend, melancholisch. Heiter, lakonisch, tragisch. Rabenschwarz, nekrophil und lebensprall.

Bernhard Aichner, der bisher als Autor von Romanen, Hörspielen und Dramen in Erscheinung getreten ist, hat seinen ersten Krimi geschrieben. Und hoffentlich nicht seinen letzten. Denn "Die Schöne und der Tod" überzeugt durch pointierte Dialoge, neurotisch-liebenswerte Figuren und eine ausgefeilte Dramaturgie. Der Autor spielt schon länger mit diesem Genre. Bereits in "Schnee kommt" und "Nur Blau" war sein kriminalistisches Interesse spürbar. Mit "Die Schöne und der Tod" hat er nun einen Krimi geschrieben, "der nicht nur spannend ist, sondern auch sprachlich punktet" – so der selbstformulierte Anspruch des Autors. Obwohl, oder vielleicht gerade weil er jeden zweiten Satz mit 'Wie' beginnt – einem Vergleichswort, ohne jedoch einen Vergleich anzuführen. Diese Aichnersche Idiosynkrasie schlägt den Takt und entwickelt einen Sog. Das Buch ist gut komponiert und arrangiert, herrlich morbide und spannend bis zum Schluss.

Aichner versprach bereits eine Fortsetzung mit dem sympathischen Bestatter Max Broll in der Rolle des unheldischen Helden. Wenn alles gut geht, soll sogar eine Serie daraus werden. An den Figuren wird es jedenfalls nicht scheitern. Denn diese haben Potential genug für eine ganze Staffel, allen voran der eigenbrötlerische, schräge und dabei so liebenswerte Max und sein Freund und Bruder im Geiste Johann Baroni. Der ehemalige Weltfußballer hat den elterlichen Hof zu einer postmodernen Villa umgebaut und sich nach dem Ende seiner Profikarriere in die Provinz zurückgezogen. Fernab der Klatschblätter und Seitenblicke sitzt er Tag für Tag mit Max auf der Terrasse, trinkt Wein und redet Tiefsinn und Blödsinn. Wenn es nach Max ginge, dann könnte das ewig so weitergehen, jahrein, jahraus. Wein trinkend und redend; nur den Gräbern, über die sie blicken, stetig ein Stück näher.

Bei jeder Beisetzung steht Max oben auf seiner Terrasse und hebt sein Glas auf den Verstorbenen. Er ist der Herr über den Friedhof, er sucht die Grabstelle aus, er hackt und schaufelt und schalt, und ehe die Toten ihre letzte Ruhe finden, legt er sich selbst ins fertige Grab. Probehalber. Bis er eines Tages tatsächlich lebendig begraben wird. Die Wände brechen ein, Erdmassen stürzen herab, es wird dunkel um ihn. Zufall war das nicht! Jemand will ihn aus dem Verkehr ziehen, und aller Wahrscheinlichkeit nach ist es derselbe, der das Verschwinden des jungen Dennis zu verantworten und Margas Grab gefleddert hat.

Das international gefeierte Model hatte in Wien Selbstmord begangen und war ins Dorf überführt worden, um neben ihrer Mutter beerdigt zu werden. Mit der toten Schwester kam auch Max' Jugendliebe Emma zurück. Sie war in Wien geblieben, als Max beschloss, seinen schwerkranken Vater zu pflegen, und als er auch nach dessen Tod nicht wiederkam, ging sie nach London und eröffnete ein eigenes Modelabel. Ihr überraschender Anruf nach all den Jahren reißt alte Wunden auf, wirft Fragen auf, nach dem Leben und der Liebe und welche Entscheidungen die richtigen sind. Max will das nicht, er will sie nicht in seinem Leben, will sie nicht in seiner Wohnung und nicht in seinem Bett. Er will, dass sie geht, und will, dass sie bleibt.

Doch damit nicht genug. Unbemerkt verschwindet auch noch Margas Leiche. Ihr Sarg ist leer. Max ist außer sich – jemand hat es gewagt, sich an seinem Grab, an seiner Toten zu vergreifen. Da helfen auch Tildas strenge Ermahnungen, sich bloß nicht einzumischen, nichts. Die erfahrene Kommissarin will sich von ihrem geliebten Stiefsohn nicht ins Handwerk pfuschen lassen. Doch als auch sein Gehilfe Dennis spurlos verschwindet, beschließt Max, nicht länger zu warten. Tatkräftig unterstützt von Baroni beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln, zwar ohne Sinn oder Verstand, dafür beherzt, mit Mut und Phantasie. Atemlos folgt der Leser ihm in den Wiener Untergrund, wo alle Fäden zusammenlaufen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Lesen Sie selbst!

Martina Wunderer
11. Oktober 2010

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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