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Sophie Reyer: binnen (miniaturen)

Graz: Leykam Verlag, 2010.
208 S.; brosch.; Euro 14,90.
ISBN 9783701177264.

Leseprobe

:
schreiben und reisen
reisen und schreiben

(S. 79)

So kurz, so knapp, so präzise kann die Lyrik von Sophie Reyer sein. Die Bezeichnung „miniaturen“, die dem Titel „binnen“ beigefügt ist, ist mehr als treffend. Doch um das Wort (miniaturen) ist eine Klammer gesetzt. Ganz festnageln lässt sich die junge Lyrikerin, Jahrgang 1984, nicht.
In „binnen“ reichen manche Texte gerade mal über zwei Zeilen, sind poetische Gedankenfragmente. Andere Gedichte sind wiederum länger, erstrecken sich über sieben, acht, gar neun Zeilen oder werden im Querformat über die ganze Seitenbreite gezogen. Gemein ist den Miniaturen allerdings, dass Reyer auf die Reduktion und extreme Verknappung setzt. Damit schafft sie Bilder. Klare, scharfe Eindrücke, die sich einbrennen – besser noch als jede Fotografie.
Schöne, idyllische Bilder sind die Ausnahme. Zwar gibt es berührende, eher harmlose Stücke vom Fahrtwind auf Reisen und der Kindheit mit einer Großmutter. Bewegender sind aber jene Passagen, die unerwartet grob daherkommen.
Liest man auf der Seite zuvor noch von sunshine und dem Rauschen am Meer, wird man nach dem Umblättern gebeutelt. Wenn es heißt:

:
der kahlrasierte schädel auf/
geknackt wie
wassermelone on the road
(S.46)

Sophie Reyers Texte sind nicht vorhersehbar. Sie sind weder sprachlich noch thematisch einheitlich, sondern vielfältig. Wie die junge Künstlerin selbst, die sich nebst der Literatur (bisher erschienene Romane: vertrocknete vögel und baby blue eyes) auch der Musik verschrieben hat.
Die Themen reichen von einfachen Reiseeindrücken und Alltäglichem über sexuelle Erlebnisse und Körperbezogenes bis hin zu sozialer Kritik. Von der Milchhaut auf dem Filterkaffee bis zum Schwarzafrikaner und Integrationsproblemen.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Reiseminiaturen (außen), tripminiaturen (innen) und netzminiaturen (binnen). Jeder Abschnitt ist einer zeitgenössischen österreichischen Autorin gewidmet: für margret kreidl, für olga flor, für petra ganglbauer.

Teil eins in Reyers Band beschäftigt sich mit dem Draußen der Welt. Es liest sich wie eine poetische Notizensammlung aus einem Reisetagebuch. Mal lässt Reyer Buchstaben aus, oft webt sie das Englische in ihre Gedichte ein. Die Texte wirken modern. Jung. Überlegt. Klug. Frech oder spritzig wären falsche Attribute.
Dem Germanisten mag das Englische ein wenig zu häufig vorkommen. Doch es sind gerade diese englischen Einschübe – nebst der durchgängigen Kleinschreibung, der Kursivsetzung einiger Schlüsselwörter und der unheimlichen Bildkraft –, die Reyers Texte unverkennbar machen. Wie ein Grundmotiv zieht sich das Schauen, das Blicken auf die Welt im Innen und Außen durch das Werk.
Im zweiten und dritten Teil wird Reyer intensiver: Sie schreibt Fragmente zu Essstörung und Schlankheitswahn, zu Liebe und Nichtliebe, vielleicht auch zu Missbrauch. Manche Texte bleiben offen, spielen mit dem vielen Weiß auf der Seite als Gedankenspielraum.
Die junge Künstlerin übt Kritik an der Gesellschaft: Sie schreibt von Kapitalismus, Weltarmut und Migration sowie vom Fehlen sozialer Netze.
In Teil drei „netz“ (binnen) sind die Miniaturen sogar spinnennetzartig gesetzt.
Es gelingt ihr auf gekonnt hohem Niveau. Nur stellenweise bricht der Duktus. Dann kehrt Reyer das Derbe hervor. Es irritiert und gefällt nicht jedem. Aber auch das ist bestimmt ein bewusst gesetztes Stilmittel.

:
die muschis der
pinken blüten
aufspringen du
fingerst als wär nix in
meinem gedächtnis.
(S.57)


Rezension von Emily Walton
22. Februar 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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