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Gabriele Kögl: Vorstadthimmel

Roman.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2011.
276 Seiten, geb.; Euro 18,40.
ISBN 978-3-8353-0844-2

Link zur Leseprobe

Romane über die Familie und die eigene Herkunft hat es wohl schon immer gegeben. In den letzten Jahren jedoch scheinen Autoren immer häufiger die Familie als literarisches Thema für ihre Arbeit zu entdecken. Über das warum und weshalb lässt sich dabei nur spekulieren – vielleicht ist der Drang nach Gewissheit über die eigene Herkunft und Abstammung größer und unausweichlicher geworden; vielleicht ist es einzig und allein die Eingliederung in familiäre Strukturen, die unserm Dasein in Zeiten wie diesen ein wenig Sicherheit verschafft; oder vielleicht hilft uns die Konfrontation mit unseren Vorfahren wirklich dabei, herauszufinden, wer wir sind.
Egal, was die Gründe für diese literarische Hinwendung zur Familie ist, wie die Familie in den Werken dann dargestellt wird, ob der Protagonist eine oder keine hat, ob sie funktioniert oder scheitert – eines lässt sich mit Sicherheit sagen: man kann Familie weder ablegen noch aus ihr austreten, man bleibt Teil von ihr, ob man will oder nicht.

Heinrich, der Protagonist in Gabriele Kögls neuem Roman „Vorstadthimmel“ hat allerdings sehr genaue Vorstellungen davon, wie Familie im Hinblick auf ein erfolgreiches und friedliches Zusammenleben zu sein hat. Als Resultat einer einmaligen und ziemlich kurzen Begegnung zwischen seinen Eltern lernt er den eigenen Vater erst in seiner Pubertät kennen. Wie seine Mutter und ihr neuer Mann bringt auch der Vater dem jugendlichen Heinrich keine Zuneigung, sondern vielmehr Ablehnung und Unverständnis entgegen. Seiner eigenen Tochter Agnes will Heinrich nun dieses Schicksal ersparen und ihr eine glückliche Kindheit im Schutz des Elternhauses ermöglichen. Als ihr Hamster stirbt, scheut er im Gegensatz zu seiner Frau keine Mühe und baut dem toten Tier ein Mausoleum im eigenen Garten. Agnes soll schließlich sehen, dass ihr Wohlergehen dem Vater mehr als alles andere am Herzen liegt und dass er für jedes ihrer Probleme ein offenes Ohr und vor allem eine Lösung parat hat. Mit einem Wort: er will der perfekte Vater für seine Tochter sein.

Was er hingegen nicht will, ist das noch ungeborene Kind im Bauch von Margot, einer Rundfunkjournalistin, mit der er über längere Zeit hinweg eine bis dahin unkomplizierte Liebschaft hatte. Heinrich, der das in seinen Augen so perfekte Familienglück bedroht sieht und um dessen Fortbestand bangt, sieht die einzig mögliche Lösung in der Abtreibung des ungewollten Kindes. Während er sich jedoch selbst schon wieder auf der Suche nach einer neuen Bettgeschichte befindet, entscheidet sich Margot für das Kind und durchkreuzt damit Heinrichs Pläne.

In ihrem Roman „Vorstadthimmel“ stellt die Autorin Gabriele Kögl nicht nur die Frage nach der Definition von Familie, sondern auch nach den Bedingungen für ihr Funktionieren und Gelingen. Kann man von einer alleinstehenden Frau mit ihrem Kind bereits als Familie sprechen? Liefert die Zufriedenheit des Kindes die Garantie für ein glückliches Familienleben? Und müssen die eigenen Bedürfnisse im Hinblick auf das Wohlergehen der anderen Familienmitglieder wirklich zurückgestellt werden?

Das sind Fragen, die in Zeiten steigender Scheidungsraten und angesichts der vielen Patchworkfamilien zweifellos gestellt werden müssen. Auch wenn die Lektüre des Romans natürlich keine verbindlichen Antworten gibt, so hinterlässt sie beim Leser doch eine vage Ahnung: die perfekte Familie, die Heinrich zu haben glaubt, gibt es nicht. Denn die fixen Ideen einzelner führen nicht notwendigerweise zur Zufriedenheit aller Familienmitglieder.

Garbiele Kögls Roman ist in seiner Thematisierung solcher Problemstellungen lebensnah und nicht zuletzt auch sehr lesenswert.

Charlotte Trippolt
7. März 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder


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