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Nadja Spiegel: manchmal lüge ich und manchmal nicht.

manchmal lüge ich und manchmal nicht.
Innsbruck: Skarabaeus Verlag, 2011.
136 S.; geb.; Euro 16,90.
ISBN 978-3-7082-3295-9.

Link zur Leseprobe

Können Sie den Unterschied, zwischen Kardamon und Ingwer riechen? Und was wissen Sie über den Geschmack von Chili – außer, dass die Schote scharf auf der Zunge brennt?

Natürlich lassen sich diese Fragen kaum mit der Lektüre eines Buchs – schon gar nicht mit einer Sammlung an Erzählungen – beantworten. Das muss man schon selbst schmecken und riechen.

Was der jungen Autorin Nadja Spiegel allerdings gelingt, ist den Leser auf die vielen Nuancen und Schattierungen im Leben aufmerksam zu machen. Die Texte, die nun in ihrem ersten Buch „manchmal lüge ich und manchmal nicht“ erschienen sind, sind sinnlich - fast kann man die abgelaufene Milch im Kühlschrank oder den Tintenkiller im Klassenzimmer schmecken, riechen, sehen. Oder die Töne des Klaviers, auf das gekotzt wurde, hören.

Nadja Spiegel, eine sehr junge Vorarlbergerin (Jahrgang 1992), überzeugt mit einem erfrischenden Stil. Ihre Kurzgeschichten sind nicht groß in der Handlung, meist sind sie nur wenige Seiten lang. Es geht um Freundschaft, Kindheit, Erwachsenwerden, Familie, Verunsicherung. Spiegel wählt Geschichten aus ihrer eigenen Lebenswelt. Da gibt es Studenten-WGs, Schulstunden, erste Küsse, Beziehungen und sterbende Großeltern.

Das mag alles schon dagewesen sein, außergewöhnlich ist aber Spiegels Fähigkeit, ganz genau hinzusehen und hinzuhören. So klingt für sie die Stimme einer Sekretärin nicht etwa „schrill“ oder „hoch“ sondern eben nach „halbfettmargarine“. Spiegels Pausenbrote schmecken nach Erdbeerkaugummi und alter Frau.

Es sind Beschreibungen wie diese, die den Stil der jungen Autorin ausmachen – für den sie schon mehrfach ausgezeichnet wurde. 2010 gewann sie den Literaturwettbewerb sprichcode, 2009 wurde sie mit dem Meta-Merz-Preis ausgezeichnet. Sie war Teilnehmerin an der Jugendliteraturwerkstatt Graz und am Literaturlabor Wolfenbüttel 2010.

Metaphernlastig ist ihre Schreibe, ja. Aber es ist lohnend, sich darauf einzulassen. (Auch muss sich das lesende Auge erst an die Tatsache gewöhnen, dass alle Texte auf Versalien verzichten.)

Werden mehrere Geschichten auf einmal gelesen, können sich Passagen wiederholen. Dann ziehen Mütter und Schwestern ihre Lippen immer wieder „zu einem strich“ zusammen. Aber das macht nichts, denn so sind nun mal viele der Figuren: verbittert und einsam. Und auf der Suche.

Spiegels Charaktere suchen das Glück. Da gibt es etwa das Schwesternpaar: Die Eine zieht es in die weite Welt hinaus, die Andere nicht. Oder Nils, dessen Mutter ihn vernachlässigt und der in der Schule ein Außenseiter ist, bis er auf Mathilde trifft. Oder die Studentin, die das Aktmodell aus dem Kunstkurs küsst. Auffallend in Spiegels Geschichten ist ihre Wahl außergewöhnlicher Namen: Ihre Figuren heißen Noah, Milo, Ophelia, Meta oder Lina.
Auch das ist erfrischend anders.

Rezension von: Emily Walton
8. März 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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