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Stefan Abermann: Hundestaffel.

Innsbruck: Skarabaeus Verlag, 2011.
175 Seiten; brosch.; Euro 17,90.
ISBN 978-3-7082-3296-6.

Link zur Leseprobe

Mag sein, dass wir manchmal das Gefühl haben, die Welt sei eine Bühne; das eigene Leben ein Theaterstück. Doch: Das Leben ist bei weitem kein Theaterstück, stellt Autor Stefan Abermann in „Hundestaffel“ fest:
Das Schöne an einem Theaterstück: Alles ist nur ein Spiel. Eine Handlung hat eine Wirkung, aber keine Auswirkung. Das Hässliche am Leben: Jede Handlung hat Folgen. (S. 41)

Was der Erzähler, ein junger Mann namens Thomas, uns damit sagen will: Alles, was wir im Leben (und vor allem in der Jugend) machen, hat Konsequenzen, die uns ein Leben lang begleiten werden.

In seinem Debüt lässt Abermann den Leser/die Leserin an den Erlebnissen einer Clique teilhaben: Anna, Leo, Bélisa und Thomas sind jugendliche Partygänger, die verzweifelt auf der Suche nach Sinn, Halt und Orientierung im Leben sind.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Thomas. Ein eher farbloser Kerl, der im Schatten steht. Denn: Wahrer Held der Clique (nicht des Romans) ist Hannes. Als „moderner Don Juan“ wird er auf dem Waschzettel zum Buch bezeichnet. Ein Sohn reicher Eltern. Exzentriker, Frauenheld und Anführer der Gruppe.

Auf 175 Seiten erzählt Abermann, Jahrgang 1983, eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Er zeigt Menschen, deren bester Freund Adrenalin ist. Menschen, die im Rausch leben. Ihr Leben spielt sich hauptsächlich in einer Diskothek Namens Palace ab. Nicht das Elternhaus ist ihr zu Hause, sondern der Nachtschuppen. Lebendig fühlen sie sich, wenn die Meute raunt: Willkommen im Klub. PARTY.

Hier finden auch jene Geschehnisse einer Osterwoche statt, die das Leben der Gruppenmitglieder verändern. Tage und Nächte (und Seiten) ziehen in diesem Buch vorbei, geben Einblick in eine Welt, in der es pumpt, pumpt, pumpt.
Musik ist ein wiederkehrendes Motiv. Sie übertönt, berauscht – und lenkt vom eigenen, gehemmten Ich ab. Auch Alkohol und Drogen tun ihr Nötiges.
Das Nachtleben – die Finsternis – dient diesem Stück als Kulisse: Für eine Schlägerei, für kotzende Mädchen auf dem Klo, für Exzesse, für Fahrlässigkeit. In der Nacht kann man vergessen, was der Morgen bringen wird.

Es sind die Probleme einer Jugend, die der Tiroler Autor, der bisher als Poetry-Slammer auf sich aufmerksam machte, beschreibt. Natürlich gibt es da die Liebe und das sexuelle Verlangen: Hannes will Bélisa. Hannes will jedes Mädchen. Und der Erzähler will Anna. Er träumt von ihr. Aber seine Gedanken sind freilich weitreichender. Er stellt die eigene Identität in Frage. Und die Individualität, die nicht möglich scheint.
Wir waren auch die Suppe, in der alles bereits einmal gekaut worden war, jeder Beat, jeder Stil, jedes Hemd, jede Hose, jeder Arsch bereits berührt, jedes Auge schon gesehen und kein Takt, in dem nicht schon einmal geklopft worden wäre. (S. 22)

Dieses Buch handelt aber nicht nur von der Sinnsuche im Leben, sondern auch vom Umgang mit Jugendsünden und Fehlern. Es thematisiert die Sehnsucht nach einer unbefleckten Zukunft, die nach einer Dummheit nicht mehr möglich ist. Passagenweise schneidet Abermann auch den Generationenkonflikt an: Er schreibt über die Distanz des Protagonisten zu den Eltern.
Wir waren voneinander abgeschottet durch unseren unterschiedlichen Blick auf die Welt. Wir konnten nicht mehr von denselben Dingen reden, weil wir nicht dasselbe hörten. Wenn wir versuchten, das Gebiet, das uns trennte, zu betreten, sanken wir ein in den Morast unserer Stimmen.“ (S. 92)

Es dauert eine Weile, bis man sich als Leser in diese Welt hineinversetzen kann.
Es dröhnt und vibriert. Neonreklamen leuchten, der Bass wummert und zwischenzeitlich fragt man sich, worum es eigentlich geht.
Gute 60 Seiten dauert es, bis man von der Geschichte eingenommen wird. Die Handlung entwickelt sich langsam, dafür wird mit Sprache und Stil gespielt: Mit kurzen Sätzen und knapper Ausdrucksweise schafft es Abermann, Tempo zu erzeugen und Trunkenheit und Rausch sprachlich festzuhalten. Immer wieder lässt Erzähler Thomas die Gedanken frei laufen. Träume und Realität verschwimmen.

Zwischendurch arbeitet Abermann mit Metaphern, Vergleichen und Bildern. Man sieht Arschfalten, schmeckt Rum und Cola, spürt den Beat, die Kopfschmerzen.
Und wieder pumpt, pumpt, pumpt es.
Am Ende ist man froh, erwachsen zu sein. Wenn auch ein wenig langweilig und eben auch leise.

Emily Walton
18. März 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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