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Christoph Wilhelm Aigner: Eigenleben oder wie schreibt man eine Novelle.

Innsbruck: Edition Laurin, 2011.
151 S., geb., 41 Polaroids; Euro 18,90.
ISBN 978-3-902719-90-4.

Projektpartner: readme.cc - Neue Literatur aus Österreich

Link zur Leseprobe

Marina di Cecina im Winter. Ein Badeort ohne Gäste, die Häuser am Strand versperrt und verbarrikadiert, eingemottet bis zur nächsten Saison. Alles klamm und feucht, schlecht geheizt oder überhaupt geschlossen. Leer der Strand, an der Kaimauer eine üble antisemitische Parole von fünf Metern Länge – „Wie hässlich Schrift erscheinen kann“ – der grauenhafte Sinn vor ahnungslosen Touristen gut verborgen, den meisten wohl nur Schrift gewordene wohlklingende italienische Laute.
Demontiertes Idyll im Novemberwetter, aber doch ein kontemplativer Ort. Ein Ort zum Gehen, Denken, Sehen und Schreiben.

Christoph Wilhelm Aigners Prosatext „Eigenleben oder wie schreibt man eine Novelle“ kreist um die Sinne, das Wahrnehmen, das Drehen und Wenden des Aufgenommenen im Kopf, um das Grübeln, das Sprache oder Bild werden Lassen dessen, was der Kopf so freigibt – oder auch dessen, was die Polaroid-Kamera festgehalten hat. Und das ist nicht immer das, was der Ich-Erzähler gesehen zu haben glaubt. Die Bilder entfalten ihr Eigenleben: „Merkwürdige Ereignisse in Italien“.

Immer wieder das Spiel mit der Sprachbewusstheit: Aigner dreht und wendet Formulierungen, bis er eine Perspektive gefunden hat, aus der sie seltsam erscheinen, einige von ihnen sogar ein wenig neu. Auch wenn ihm stets bewusst ist, dass alles schon einmal da war. Auch die Avantgarde hat Tradition, Vorreiter in längst bekanntem Gelände. Aber vielleicht entdeckt ja die Nachhut noch etwas Neues in einer althergebrachten Gattung: Geht es in einer Novelle nicht traditionell und per se ganz im Wortsinn darum: um etwas Neues?

„Kurzweil entsteht aus der Vermittlung von Neuigkeiten und Sonderbarem. Sie stillt das Bedürfnis des neugierigen oder curieusen Lesers. Der Begriff der Novelle (Neuigkeit) hängt damit eng zusammen“, so Klaus Manger im Fischer Literaturlexikon. Zentrale Kennzeichen der Novelle seien weiterhin die Thematisierung von Sonderbarem und ein Wendepunkt in der Handlung, ein gewisses Überraschungsmoment, das auch das bisher Erzählte in neuem Licht erscheinen lässt.

Wird dieser Anspruch bei Aigner problematisiert, so erscheint es nur konsequent, dass in seiner Annäherung an die Novelle auch der Wendepunkt traditionsgemäß eintritt – und zwar hübsch sonderbar.
Die Wende liegt in den Bildern und ihrem Eigenleben. Dieses entfalten sie keineswegs erst auf den letzten 40 Seiten in Farbe auf Hochglanzpapier (der edle Druck ein schöner Kontrast zu den trashigen Polaroids – oder auch umgekehrt), sondern bereits in den letzten Nur-Text-Passagen, in denen die Rede von der Faszination Sprache und der Faszination Schrift mit dem Auftauchen der Polaroid-Kamera und ihren Eigenheiten zur Faszination Bild übergeht.
Die Bilder wiederum sind aber nichts anderes als Sprache in einem anderen Darstellungsmedium. Und zuweilen eigenwillig und eigenmächtig – die Muse küsst oder lässt es bleiben: eine Hommage an den romantischen Glauben an Inspiration? An die Romantik als Blütezeit der Novelle?
Wie kommt der Dichter zum Text, wie kommt der Denker zur Sprache? Warum fällt uns ein, was uns einfällt? Ist eine Idee nicht ebenso unglaublich wie ein nie fotografiertes, überraschendes Motiv auf einem Polaroid-Film?
Sonderbares, neu – und doch nicht originär: eine Novelle also im klassischen Sinn.

Sabine Dengscherz
24. März 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

 


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