logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Stephan Eibel Erzberg: Tschechow.

77 mal 7 Zeilen und ein Gedicht.
Wien: Edition Splitter, 1998.
44 S., brosch.; öS 153.-.
ISBN 3-901190-52-X.

Link zur Leseprobe

Was passiert: Einer wartet, schaukelt und monologisiert dabei. Soviel ist sicher. Sonst aber handelt es sich bei Stephan Eibel Erzbergs "Tschechow" um ein Werk, dem man sich auf vielen verschiedenen Wegen nähern kann. Man kann zum Beispiel fragen, was hat es mit dem Titel auf sich. Und findet womöglich gleich zwei Antworten. Einerseits spielt Erzberg mit einem typischen Tschechowschen Warteplot, seine Hauptfigur bewegt sich physisch auf der Stelle, doch seine Gedanken schweifen unentwegt in die Ferne. Und dann ist da noch Erzbergs mitunter sehr bissiger Witz, eine Komik, die Tschechow, der bis heute ein wenig verkannte große Unterhalter, an Drastik gerne überbietet. Mitten drin finden wir ein böses Dialektgedicht über Tiere als bessere Menschen - ("fia an hund brauchst ka kleidung / mit eam host ka scheidung / [...] mit an hund brauchst nua schrein / schon fangt ea sich an zu gfrein" (S. 28).

Trotz allen Witzes dominiert doch die ernsthaft suchende Haltung, das Sich-klar-werden-wollen der männlichen Hauptfigur - "um die 40 mit Sonnenbrille". Nach und nach erschließt sich sogar so etwas wie eine Geschichte. Eine gedankliche Annäherung an das vergangene Leben der Großeltern. Am Ende des Buches könnte eventuell ein Anfang stehen - ein Gespräch mit der Großmutter, die am Bahnhof ankommt, und die wohl Geburtstag hat. Dazwischen aber geht es vor allem um eine Denkbewegung, ein vor und zurück in der Zeit, ein kurzes Abtauchen in Erinnerungen - an den toten Großvater, ein Hin- und Herpendeln zwischen dem allzeit bedrohlichen und grausamen "Außenda" und dem zu schützenden, zu erforschenden "Innendrin". Aggression wird ebenso spürbar wie Angst und Unsicherheit der Welt gegenüber. Die Angst, daß das Außenda das Innendrin verschlingt - "die Angst des Innendrin" und "den Applaus fürs Außenda" (S. 37). Der Tod lauert im Hintergrund, mal eher bedrohlich, dann wieder fast als Freund.

"Tschechow" ist "streng" gebaut, 77 mal 7 Zeilen und ein Gedicht in der Mitte als Angelpunkt und Drehachse. "Tschechow" ist außerdem sehr reduziert, das immer wiederkehrende Geräusch der Schaukel, Satzfetzen, Wortgruppen, die wie frisch aus dem Kopf fallen. Trotz dieses oder vielleicht auch aufgrund dieses Minimalismus bekommt der Text etwas sehr Anschauliches und Plastisches. Man kann ihn sich gut als Hörspiel, fast als Bühnenstück denken, "die Langeweile die nie / fad wird" (S. 44).

Karin Cerny
16. August 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Doing Gender in Exile. Flüchtlings- und Exilforschung im Dialog

Mi, 18.10.2017, 19.00 Uhr Diskussion Die Eröffnungsveranstaltung der Jahrestagung der...

Ringvorlesung "Der Zeitungsausschnitt"

Mi, 18.10.2017, 11.00-13.00 Ringvorlesung In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Vergleichende...

Ausstellung
Sabine Groschup – AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN* 101 Taschentücher der Tränen und ausgewählte Installationen *F. M. gewidmet

Mit AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN präsentiert das Literaturhaus Wien textspezifische Arbeiten sowie...

Tipp
flugschrift Nr. 19 von KIKKI KOLNIKOFF aka MIROSLAVA SVOLIKOVA

Beim Auffalten der flugschrift Nr. 19 wird man umgehend konfrontiert mit einem ständigen...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Neue Beiträge zu Clemens Berger, Sabine Gruber, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Barbi...