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Bücher und Aufsätze über Roth

  • Ingeborg von Lips: Joseph Roth. Ein Frankfurt-Lesebuch. Frankfurt a. M.: Frankfurter Societäts-Medien, 2017. 184 Seiten, zahlreiche Abbildungen. ISBN 9783955421557
    Nicht nur ein Lesebuch, sondern auch mit vielen Informationen zu Roths Bekannten in dieser Stadt.

  • Madeleine Rietra: Joseph Roth und Józef Wittlin. In: Neophilologus. Vol. CI, (2017), No. 1, January 2017, S. 109-118.
    Ein genauer Bericht zur Beziehung der beiden Autoren und Freunde in den 1930er Jahren, als der Verlag Allert de Lange Wittlins „Sól ziemi“ [„Das Salz der Erde“] in Übersetzung ins Deutsche publizierte.

  • Ein Band zu Joseph Roth in l‘Herne
    Im September 2015 wurde ein Band über Joseph Roth in der Reihe Les Cahiers de l’Herne, Paris, publiziert, herausgegeben von Carole Ksiazenicer-Matheron und Stéphane Pesnel. Er enthält auf 400 Seiten Texte von Roth, ins Französische übertragen, Bilder und zahlreiche Aufsätze von überwiegend französischen WissenschaftlerInnen.
    ISBN: 978-285-197-180-7, € 39.
    Zum Inhaltsverzeichnis: link

    Das Buch wurde am 8. Oktober 2015 um 19 Uhr im Memorial de la Shoah, Paris, vorgestellt.

  • Die Nummer 77 (2013) der Zeitschrift « Austriaca » enthält von Stéphane Pesnel herausgegebene Beiträge zu Joseph Roths Roman «Radetzkymarsch ».Verlag : Presses universitaires de Rouen et du Havre. 246 S., brosch., E 16.-. ISBN 979-10-240-0368-9.
    Zu bestellen bei: martine.amourette(at)univ-rouen.fr
    Vertrieb: cid(at)msh-paris.fr
    Inhalt: link

  • Nora Hoffmann, Natalia Shchyhlevska (Hg.): Joseph Roth als Stilist. Annäherung durch Theorie und Übersetzung. Heidelberg: Winter 2013. 270 S., geb., E 42.- (D). ISBN 978-3-8253-6180-8.

    Inhalt
    Vorwort (August Obermayer)
    Einleitung (Nora Hoffmann / Natalia Shchylevska)
    Stilbezogene Analysen der deutschen Originaltexte
    1.1. Joseph Roth zum Stil und zum Stil Joseph Roths. Ein doppelter Überblick (Nora Hoffmann)
    1.2. Stil und Stilisierung bei Joseph Roth (Achim Küpper)
    1.3. Biblische Spuren im Stil Joseph Roths (Natalia Shchylevska)
    1.4. Phraseologische Modifikationen als Darstellungsmittel in Romanen von Joseph Roth (Nadija Tymostschuk)
    1.5. Momentaufnahmen: Joseph Roths ‚dokumentarische Komik‘ (Erica Weitzman)
    1.6. Ironie in Joseph Roths Radetzkymarsch (Katharina Krcal)
    2. Stilbezogene Analysen der Übersetzungen
    2.1.. Kann man den Erzähler übersetzen? Überlegungen zu Joseph Roths Roman Das falsche Gewicht (Vera Viehöver)
    2.2. Joseph Roth in englischer Übersetzung: Überlegungen zu Romanschlüssen und Reportage (Helen Chambers)
    2.3. Vergleichende Analyse von Romananfängen Joseph Roths und ihren englischen Übersetzungen (Ulrike Stange)
    2.4. Joseph Roth: Stilmittel im Hiob - Ein Vergleich zwischen dem deutschen Original und seiner japanischen Übersetzung (Marion Grein)Stilbezogene Erfahrungsberichte der Übersetzer/innen
    3.1. Nachruf Wilfred Oranje (Elly Schippers)
    3.2. "Dead was Deborah“: Die Vertrautheit des Fremden (Ross Benjamin)
    3.3 Aufzeichnungen an den Rändern einiger ukrainischer Roth-Übersetzungen (Jurko Prochasko)
    3.4. Joseph Roth als Geschenk (Berta Vias)
    Epilog (Fritz Hackert)

    Das Buch wird bei der nächsten Veranstaltung der IJRG in Wien im Literaturhaus am 2. Dezember 2013 präsentiert werden, im Rahmen von zwei Vorträgen zum Thema „Roth übersetzen“, die Natalia Shchyhlevska und Leopold Decloedt halten werden.

  • Ilse Josepha Lazaroms: The Grace of Misery. Joseph Roth and the Politics of Exile, 1919-1939. Leiden: Brill Academic Publishers, November 2012. (Brill's Series in Jewish Studies). 194 Seiten, geb. ISBN: 978-9004234628.

  • Martin Lowsky: Joseph Roth. Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Textanalyse und Interpretation. Hollfeld: Bange Verlag, 2013 (Königs Erläuterungen. 435). ISBN 978-3-8044-2000-7

  • Wolfgang Müller-Funk: Joseph Roth. Besichtigungen eines Werkes. Wien: Sonderzahl, 2012; 203 S., E 18.-. ISBN 978-3-85449-372-3.
    Neudruck des zuerst 1989 erschienenen Werks mit drei zusätzlichen Kapiteln: Mutterlosigkeit und Misogynie bei Joseph Roth (S. 143-154); Bilder des neuen sozialistischen Imperiums: 1926 (S. 155-177); Mit einem „e“. Zwischen Diaspora und Assimilation. Ein Streit unter Freunden: Joseph Roth und Soma Morgenstern (S. 178-196).
  • Dennis Marks, Wandering Jew: The Search for Joseph Roth, Notting Hill Editions, London 2011
    Mein Londoner Jugendfreund, pensionierter Beamter Ihrer Königlichen Majestät, schrieb mir neulich, er sei fasziniert von einem Buch, das er auf einem Flohmarkt gefunden habe. “The World of Yesterday” von einem gewissen Stefan Zweig. Ob mir der Autor bekannt sei? Als Verwaltungsexperte hatte der Brite eine Kolonie in die Unabhängigkeit begleitet. Mit Decline and Fall eines Weltreichs hatte sich seine Nation schon auseinandergesetzt, ehe sie selbst zur Weltmacht emporstieg. Einer Macht, die bei ihren Kämpfen auch Schutz für Verfolgte und Vertriebene gewährte, wie Dennis Marks in seinem Büchlein über Joseph Roth zur Flucht seines Großvaters aus Osteuropa vermerkte. (S.78) In „London´s Stepney and Whitechapel“ (ebd.) gelandet, ging aus der jüdischen Asylantenfamilie der Enkel hervor, der als Radio-Publizist (S.12) sich mit dem Herkunftsland seiner Vorfahren beschäftigte und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine Rundreise durch die Nachfolgestaaten der einstigen Donaumonarchie unternahm (Reiseskizze als Vorsatzblatt gegenüber S.1).

    In die philologischen Kontroversen um Joseph Roth einzugreifen, ist nicht Absicht der liebevoll präsentierten Schrift, in der am Schluß eine Liste der ins Englische übersetzten Werke Roths vorgelegt wird (S.133). Vielmehr geht aus der mehrfachen Befassung mit den germanistischen Beiträgen des Roth-Spezialisten Sidney Rosenfeld hervor, was den Enkel der Einwandererfamilie bei der Lektüre Rothscher Texte umtreibt: seine Identität und die Frage, welche Existenzmöglichkeiten der Vielvölkerstaat seinen ethnisch und religiös unterschiedlichen Bewohnern gewährt hatte.

    Marks erkennt die Neigung Rosenfelds, dessen Vorfahren ebenfalls jüdische Emigranten aus Osteuropa waren, das Werk des Schriftstellers in die Schublade „marked HABSBURG JEWISH NOSTALGIA“ zu stecken (S.24). Und er weist dessen These vom jüdischen Selbshass (self denial), der in Roths Werken manifest sei, mit der Frage zurück: „If Roth is in denial, what or who is the self that he is denying?“(S.98)


    Seine eigene Antwort, die als Untertitel des Bändchens schon dem Leinenumschlag eingeprägt ist, das Roth-Zitat „I am A VAGABOND I have NO FRIENDS no relations MY SOLITUDE is immense UNBEARABLE“, besteht, positiv gewendet, aus der Feststellung, wie überlebensnotwendig sich im Mahlwerk der großen Geschichte „multiple identities“(S.29) erweisen. Durch sie geprägt sind nicht nur die autobiographischen Legenden Roths und die Erzählfiguren seiner Werke, von denen in „Rechts und Links“ Brandeis zu sagen pflegte, „daß die Menschen sich nicht entwickeln, sondern ihr Wesen wechseln. Er dachte an einen der Wahnsinnigen seines heimatlichen Dorfes, der nicht müde geworden war, allen Leuten die stereotype Frage zu stellen: „Wieviel bist du? Bist du EINER?“ Nein, man war nicht EINER. Man war zehn, zwanzig, hundert.“ (Werke 1956, Bd.II, S.557) Öfter die Länder als die Schuhe wechselnd, wäre ein passendes Zitat von Brecht zu dem Thema, das Marks schließlich als Zeitgenossen des 20. und 21.Jahrhunderts bei seinen Recherchen und der Lektüre von Roths Werken bewegt: die jüdische Selbsterhaltung als Metapher für die gigantischen Migrantenströme unter dem Druck ökonomischer Zwänge und gewalttätiger politischer Systemwechsel.

    Fritz Hackert, Tübingen (im Juli 2012)


    Der Autor hat auch eine Website mit Fotos eingerichtet:

    dennismarks.net/2011/06/wandering-jew-the-search-for-joseph-roth-2/
  • Image, Reproduction, Texte / Bild, Abbild, Text. Hrsg.: Françoise Lartillot, Alfred Pfabigan. (Textgenesen. 5). Bern, etc: Peter Lang, 2012, IV, 309 S., brosch., EUR 68,30 (D), ISBN 978-3-0343-0694-2

    Inhalt
    Françoise Laartillot & Alfred Pfabigan
    : Introduction
    Anne Feuchter-Feler:
    Grass‘ Zeichnungen (Beim Häuten der Zwiebel, Dummer August, Die Box) als poetologische Etappen der literarischen Ich-Realisierung
    Mandana Covindassamy:
    Présence brute de l‘instantané: W. G. Sebald lecteur d‘Alexander Kluge et Klaus Theweleit
    Eliane Beaufils:
    Bild- und Schriftspiele im Gegenwartstheater
    Fiction et faits chez Joseph Roth: Réception critique de la Nouvelle Objectivité / Fakten und Fiktion bei Joseph Roth: Kritische Rezeption der Neuen Sachlichkeit
    Alfred Pfabigan:
    Der „Antichrist“ als Herr der „Kalten Ordnung“? Joseph Roths Ambivalenz gegenüber der „Neuen Sachlichkeit“
    Stéphane Pesnel:
    La sédimentation symbolique du texte narratif: le motif du cabinet des figures de cire dans l‘œuvre de Joseph Roth
    Günter Oesterle:
    Wechselseitige Infiltration von Grenzregion und Interieur in Joseph Roths „Das falsche Gewicht“
    Herta-Luise Ott:
    Joseph Roth, approches de l’objet métropole
    Véronique Uberall:
    La représentation de la réalité dans la nouvelle de Joseph Roth “Le Marchand de corail” (“Der Leviathan”)
    Heinz Lunzer:
    „Es ist mir eine höchst unerwünschte Pflicht, [...]“
    Heinz Lunzer:
    Die Recherchen von Senta Zeidler zu Joseph Roth in den 1950er Jahren
    Helmut Peschina:
    Kommentar zu meinen Hörspiel- und Theateradaptionen nach Texten von Joseph Roth

    Textprozesse bei Erich Arendt
    Martin Peschken:
    Die „Permanenz des Unerträglichen“. Revision des eigenen Engagements in Erich Arendts Arbeit an dem Gedicht „Nach den Prozessen“
    Carnet autrichien / Österreichisches Beiheft
    Christine Aquatias:
    „En souvenir de Grand-Père“, Ilse Tielsch
    Christine Aquatias:
    „histoire(s) de s’endormir“, friedrich achleitner
    und im folgenden Hinweis auf
    Joseph Roth. Europäisch-jüdischer Schriftsteller und österreichischer Universalist.

    N
    eue Absätze für die Texte von:
    Fernando Magallanes
    Irena Samide
  • Joseph Roth. Europäisch-jüdischer Schriftsteller und österreichischer Universalist. Hrsg: Johann Georg Lughofer, Mira Miladinovic Zalaznik. (Conditio Judaica / Studien und Quellen zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte 82). Berlin, de Gruyter, 2011. IX, 357 S., geb., EUR 89,95 (D). ISBN978-3-11-026504-0

Bestellen unter:
http://www.degruyter.de/cont/fb/li/detail.cfm?id=IS-9783110265040-1

Inhalt
Vorwort
Drago Jancar: Die Flucht ohne Ende

Zum Judentum
Sigurd Paul Scheichl: Juden auf Wanderschaft - 2009 neu gelesen
Victoria Lunzer-Talos: Der Segen des ewigen Juden. Assimilation und Exil
Klaus Zelewitz: Zur Dialektik des insistierenden Dementis: Joseph Roth und der Zionismus

Zwischen Kulturen und Orten
Mira Miladinovic Zalaznik: „Der Patriotismus beginnt erst bei den Aktionären des Hotels“. Die Hotelwelt Joseph Roths
Ulrike Zitzlsperger: Caféhäuser, Bahnhöfe und Hotels: Zur Bedeutung der halböffentlichen Räume im Werk Joseph Roths
David Horrocks: Kosmopolitismus im Vergleich: Joseph Roth und Stefan Zweig
Johann Georg Lughofer: Joseph Roth - ein Schriftsteller der Hybridität oder der Reinheit von Kulturen?
Alexander Ritter: Über das »Gleichgewicht zwischen der Tischplatte und ihrer künstlichen Verlängerung«. Zur kulturkritischen Antithese >Amerika< und der Lebensbalance in Joseph Roths Hiob (1930)
Matjaž Birk: »Der Heroismus der Intellektuellen - Der liquidierte Heroismus«. Fremd- und Selbstbilder in Joseph Roths und Stefan Zweigs Reisefeuilletons              
Fernando Magallanes
: Reiseliteratur am Beispiel Joseph Roths

Zwischen den Geschlechtern
Isabel dos Santos: Zur »Übersetzung des männlichen ernsten Militärexerzierens ins Weibliche« und zu anderen weiblichen Erscheinungen bei Joseph Roth             
Irena Samide: Joseph Roth und seine Muse(n)
Neva Slibar: Entgegengesetzte Fluchtbewegungen. Joseph Roth und Irmgard Keun schreiben im Exil
Helen Chambers: Sex und Behörde in Joseph Roths Reportagen der zwanziger Jahre

Soziales und Geschichtliches
Hartmut Scheible: »Mythos Napoleon« in der Literatur der zwanziger und dreißiger Jahre. Am Beispiel von Joseph Roths Roman Die Hundert Tage mit einem Blick auf Chantal Thomas Les adieuxs ä la reine
Klaus-Detlef Müller: Ein Roman aus der Perspektive des Journalisten. Joseph Roths Das Spinnennetz
Veronique Uberall: Kritik des Journalismus in der Novelle »Das Kartell« von Joseph Roth (1923)
Primus-Heinz Kucher: »Warenhäuser, Rummelplätze, Walkürenjungfrauen«. Zu Joseph Roths Berliner Bilderbuch-Feuilletons (1924)
Karl Wagner: Joseph Roths Kritik des homo academicus. Ein Beitrag zur Intellektuellendebatte der Zwischenkriegszeit
Susanne Kalina-McMahon: Ein »Staat, der gar nicht da war« - Joseph Roth und Deutschösterreich. In memoriam Günter Kalina
Jon Hughes: »Wir sind die Söhne«. Generationsdiskurse und Geschichte(n) im Werk Joseph Roths
Sonja Osterwalder: Kaiser, Komponist und Regengott. Der Erzähler im Radetzkymarsch
Zoltan Szendi: Der unaufhaltsame Weg zur Katastrophe. Joseph Roth: Das falsche Gewicht
Maria Kla?ska: »Nationale und sprachliche Einheitlichkeit kann eine Stärke sein, nationale und sprachliche Vielfältigkeit ist es immer«. Joseph Roth zum Nationalismus und zum nationalen Gedanken anhand der Beispiele Polen und Palästina

Zur Rezeption und Forschung
Christoph Parry: Joseph Roth in den Augen der Nachwelt. Migration, Mythos, Melancholie
Tanja Zigon: Zur Rezeption Joseph Roths in Slowenien. »Ein bei uns bisher unbekannter Autor, ein österreichischer Schriftsteller aus halbvergangener Zeit [...]«
Vespa Kondric Horvat: Übersetzung als transkulturelle Begegnung - Radetzkymarsch und Die Kapuzinergruft in slowenischer Sprache
Heinz Lunzer: Quellen zu Leben und Werk von Joseph Roth. Interviews und andere Aussagen von Zeitzeugen

Die Autorinnen und Autoren
Personenregister

Auf eines der wichtigsten Bücher zu Joseph Roth der letzten Jahre soll hier hingewiesen werden:

  • Kati TONKIN: Joseph Roth's March into History: From the Early Novels to Radetzkymarsch and Die Kapuzinergruft". New York: Camden House, 2008. (Buchausgabe ihrer 'mit Auszeichnung' approbierten Dissertation aus 2005.)

    In diesem Buch wird Roth als einheitlich denkende Persönlichkeit in allen seinen Romanen und in seiner journalistischen Arbeit vorgestellt: als ein durchgehend politisch und sozialkritisch hellwacher Zeitgenosse, der seine eigene Zeit in ihrer Problematik darstellt, erklärt, und dazu ihre Entwicklung in den historischen Vorstufen freilegt. Sowohl die frühen wie die späten Romane sind Analysen der Gegenwart: die frühen spielten, so Tonkin, gesellschaftliche Modelle durch, die 'monarchistischen' gehen den noch wirksamen Elementen nach, die das Heute beeinflussten und mitbestimmten. 1938 waren ja erst 30 Jahre seit der österreichischen Annexionen am Balkan vergangen, 20 Jahre seit Ende des Ersten Weltkriegs - kaum ein Menschenalter. In stringenter Analyse sowohl von Roths frühen Romanen (Spinnennetz, Hotel Savoy, Die Rebellion) als auch von Radetzkymarsch und Kapuzinergruft hebt Kati Tonkin somit die gängige Teilung von Roths Person und Werk auf: in die bisherige Zuordnung Roths zu einem etwas diffusen Sozialismus im Frühwerk einerseits, zu nostalgischer Verklärung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie andererseits. Der Beweis, dass diese bisher gültigen Periodisierungen zu kurz greifen, wird voll erbracht.

    Kati Tonkin bezieht Aspekte der Biographie Roths ein, situiert mit selten guter Kenntnis der österreichisch-ungarischen Geschichte die Erfahrungen ein, die ein deutsch assimilierter Ostjude, ein Journalist in der Weimarer Republik und ein Staatsbürger der österreichischen Zwischenkriegszeit gemacht haben kann. (Und sie verzichtet, man dankt ihr dafür, auf psychologisierende Erklärungsversuche von Roths Werk aus seinem Leben heraus).

    Das überzeugende Ergebnis ihrer Arbeit ist das Bild eines Individualisten, der die gesellschaftlich-politischen Systeme auf ihre Eignung als Garanten höchstmöglicher individueller Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten bietet, auf multikultureller Basis. Roth wird gezeichnet als ein politisch (nicht tagespolitisch) denkender Mann, der sich keiner Bewegung oder Partei anzuschliessen bereit war, der seine eigene Zeit in ihrer Problematik darstellt, erklärt, und dazu ihre Entwicklung in den historischen Vorstufen freilegt. Tonkin gibt zahlreiche Hinweise auf tiefgreifende Kritik Roths an der Monarchie - nicht zuletzt, dass sie das Entstehen einer so starken deutschnationalen Kraft nicht verhindert hat.

    Tonkis Beweisführung folgt den grossen Linien von Roths Romaninhalten, untermauert mit Aussagen aus seinen journalistischen Beiträgen, und in zahlreichen Fällen festgemacht an sprachlichen Details in allen Texten, die sehr genau und klug gelesen wurden.

    Das Buch ist eine rundum befriedigende Arbeit: historisch ausgezeichnet abgesichert, textanalytisch ergiebig und interessant, literaturkritisch lehrreich - und in einer klaren, logischen Sprache geschrieben.

    Victoria Lunzer-Talos

    Kati Tonkin
    ist Associate Professorin der Abteilung "European Languages and Studies"  mit Fachgebiet "German and European Studies" an der University of Western Australia, Crawley.


Ausgewählte Aufsätze

Roth in Amsterdam
Interessante neue Erkenntnisse zu Roths Aufenthalten in Amsterdam und seinem Roman „Beichte eines Mörders“ bringt Els Snick in ihrem Aufsatz Joseph Roth revisited. Amsterdamse sporen in de misdaadroman „Biecht van een moordenaar“ in De Parelduiker. Amsterdam, Jg 16, Nr 1 / 2011, S. 21 – 37. Sie untersucht ein Vorbild Roths – den Roman „Waarom ik niet krankzinnig ben“ von Boris Robazki / Maurits Dekker (1929) und berichtet zu Roths Aufenthalt im Eden Hotel.
(Dank freundlichem Hinweis von Madeleine Rietra)

Friedl Roth
Ein Artikel von Andreas Hutter:  Kein sanfter Tod für eine Schüchterne in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 7. März 2011 faßt die Geschichte der Krankheit von Roths Frau Friederike / Friedl / Frieda zusammen:
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/kein_sanfter_tod_fuer_eine_schuechterne_1.9790498.html
(Dank freundlichem Hinweis von Els Snick)

Roth der Geschichtenerzähler
Das „Hofmannsthal Jahrbuch. Zur europäischen Moderne“ Nr 18 / 2010, erschienen im Rombach Verlag, enthält einen längeren Aufsatz über Joseph Roth: Günther Saße: Eine Leiche begeht Selbstmord. Joseph Roth: „Der Radetzkymarsch“ (S. 287 – 310). Es wird versucht, Roths Ausschmückungen und Erfindungen zur eigenen Biografie zu erklären; sie moralisch verwerflich darzustellen („derangierten Trinker“; „kein guter“ „Lügner“) greift allerdings kurz.
Sollte die Original-Grafik von Mies Blomsma wirklich wie hier angegeben Privatbesitz und nicht verloren sein, so wäre es schön zu wissen, in welcher Sammlung sie sich befindet und ob es mehr als die bekannten Zeichnungen gibt.
(Dank freundlichem Hinweis von Daniel Reuter)


Einzeluntersuchungen

Mirella Carbone: Joseph Roth e il cinema. Roma: Artemide, 2004. 144 S.; brosch.; m. Abb.; EUR 18.-. ISBN 88-7575.001-7.
Das Buch berichtet über den Filmjournalisten Roth in den 1920er Jahren und seine widersprüchliche Haltung in den 1930er Jahren – das Kino verdammend und trotzdem versuchend, fürs Kino zu arbeiten. Die drei Teile der Arbeit lauten:
Joseph Roth giornalista e recensore negli anni Venti

Un caso di affinità elettiva: La prosa di Roth e il cinema
La metanoia degli anni Trenta.

Heinz Lunzer in Zusammenarbeit mit Victoria Lunzer-Talos: Joseph Roth im Exil in Paris 1933 bis 1939. Ausstellungskatalog. Wien 2008, 224 S., brosch., m. Abb., (Zirkular Sondernummer 68). Euro 16,-.

Alexander Spieth: „Politisch sehn, falsch sehn. Anmerkungen zu Joseph Roths Legitimismus”. Die Tübinger Dissertation aus dem Jahr 2009 ist seit kurzem im Internet publiziert: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2010/5158/pdf/Spieth_Legitimismus_Druck_komplett_Sept10.pdf
Er untersucht
, von Roths frühen Essays und Briefen ausgehend, dessen religiös-politisches Denken; seine Vorstellung von „Habsburg“, insbesondere im Roman „Radetzkymarsch“; und schließlich legitimistische Positionen in Roths Publizistik von 1933 bis 1939. Eine Gegenüberstellung mit den tatsächlichen politischen Entwicklungen den Legitimismus in den 1930er Jahren betreffend und Roths persönliche Beziehungen zu und Diskussionen mit einzelnen Personen dieser Gruppe bleiben jedoch ausgespart.

Veronique Uberall: Joseph Roth, témoin et combattant. Etude de dix-sept nouvelles dans le contexte sociohistorique en Autriche et en Allemagne de 1916 à 1939. Strasbourg : Université de Strasbourg, 2009. 606 S.; brosch.; m. Abb.; nicht im Handel.
Ein Exemplar kann in der Bibliothek der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Wien, benützt werden.
In der Dissertation
werden die Novellen Roths untersucht – der Großteil zählt zum Frühwerk, ein kleinerer Teil zum späten Werk im Exil.
Die Autorin zieht nicht nur die bekannten Texte heran (wie „Der Vorzugsschüler“ oder „Die Büste des Kaisers“), sondern auch Fragmente, unveröffentlichte oder unter den journalistischen Arbeiten eingereihte Texte, die Strukturelemente der Novelle erkennen lassen. Die breit angelegte Arbeit diskutiert eine große Zahl von kulturgeschichtlichen, gesellschaftlichen und historischen Aspekten, die mit Roths Texten in Zusammenhang gebracht werden können und steckt voll kluger Überlegungen; die Bibliographie ist eine Fundgrube sondergleichen.


Zu Roths Werk und Leben

Joseph Roth. Leben und Werk. Hrsg: Daniel Keel, Daniel Kampa. Zürich: Diogenes, 2010. brosch., 495 S.; Eur 12.90 [D]. ISBN 978-3-257-23983-6.
Inhalt
Legendenhafte Selbstauskunft:
Joseph Roth: Brief an Gustav Kiepenheuer; Erdbeeren;
Erinnerungen von Freunden:
Gustav Kiepenheuer: Eine Reverenz vor Joseph Roth; Géza von Cziffra: Der heilige Trinker; Hermann Linden: Tage mit Joseph Roth; Soma Morgenstern: Joseph Roths Flucht und Ende; Benno Reifenberg: Erinnerung an Joseph Roth; Irmgard Keun: Begegnung in der Emigration; Stefan Zweig: Joseph Roth; Ludwig Marcuse: Abschied von Joseph Roth; Józef Wittlin: Erinnerungen an Joseph Roth.
Über Joseph Roth: Ulrich Greiner: Joseph Roth; Hermann Kesten: Joseph Roth; Franz Blei: Joseph Roth; Nadine Gordimer: Das Labyrinth des Reiches und des Exils; Claudio Magris: Joseph Roth; J. M. Coetzee: Joseph Roths Erzählungen; Reinhard Baumgart: Drei Ansichten; David Bronsen: Joseph Roth und sein Lebenskampf um ein inneres Österreich; Jörg Fauser: Hommage für Joseph Roth, André Heller: „Wahrscheinlich der größte Dichter unter den anständigen Menschen“; Heinrich Böll: Die Trauer: die recht behielt.
Über einzelne Romane und Werkgruppen: Peter W. Jansen: Das Spinnennetz; Siegfried Kracauer: Sibirien – Paris mit Zwischenstation (Die Flucht ohne Ende); Stefan Zweig: Rechts und Links, Stefan Zweig: Hiob; Harald Hartung: Ein epischer Gottesbeweis (Hiob); Georg Lukács: Radetzkymarsch; Hilde Spiel: Eine Welt voller Enkel (Radetzkymarsch). Eckhard Heftrich: Finis Austriae (Die Kapuzinergruft); Reinhard Baumgart: Totentanz und Tingeltangel (Die Geschichte von der 1002. Nacht); Marcel Reich-Ranicki: Das liebliche Geklingel einer Narrenschelle (Journalistische Arbeiten); Michael Frank: Objektivität ist Schweinerei (Journalistische Arbeiten); Marcel Reich-Ranicki: Filou und Poet dazu (Briefe).
Anstelle eines Nachworts: Joseph Roth: Selbstverriß.
Chronik zu Leben und Werk.
Eine überaus dankenswerte Bündelung von meist informativen Texten, die an verschiedensten Stellen publiziert und zum Teil schwer zugänglich waren.

Wilhelm von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2009, geb., 559 Seiten, mit Abb. EUR (A) 23,60
Erstausgabe

Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos: Joseph Roth. Leben und Werk in Bildern. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2009, geb., 280 Seiten, mit Abb. EUR (A) 41,10
Erste Auflage der in Text und Abbildungen überarbeiteten Neuausgabe 2009; gegenüber der Ausgabe von 1994 sind bei gleicher Seitenzahl 18 Abbildungen hinzugefügt, einige fortgelassen und 21 durch solche nach besseren Vorlagen ersetzt worden.

Im Prisma. Joseph Roths Romane. Hrsg: Johann Georg Lughofer. Wien, St. Wolfgang: Edition Art Science 2009. 493 S., brosch., EUR 23.- (A)
ISBN 978-3-902157-53-9 editionas(at)aon.atwww.editionas.com
Eine Sammlung von Aufsätzen über das Werk des österreichischen Autors, die von WissenschaftlerInnen aus den Gebieten der Soziologie, der Geographie, der Kunstgeschichte, der Kommunikationswissenschaften, der Musikforschung, der Psychologie, der Orientalistik, der Humanökologie, der Rechtsphilosophie, der Wirtschaftswissenschaften, der Architektur, der Theologie und der Geschichtswissenschaften stammen. Neue, spannende Blickwinkel tun sich auf.
Folgende Autoren haben zu den Romanen Roths geschrieben:
DAS SPINNENNETZ [1923]: Wolfgang Duchkowitsch, Helgard Kramer; DIE REBELLION [1924]: Ilse Reiter; Brunhilde Scheuringer; HOTEL SAVOY [1924]: Heinz Faßmann, Jürgen Lagger; DIE FLUCHT OHNE ENDE [1927]: Dietrich Beyrau, Johann Georg Lughofer; ZIPPER UND SEIN VATER [1928]: Josef Christian Aigner, Wolfgang Jacobson; RECHTS UND LINKS [1929]: Johann Georg Lughofer, Wolfgang Mayrhofer; HIOB [1930]: Gerald Poscheschnik, Ludger Schwienhorst-Schönberger; RADETZKYMARSCH [1932]: Markus Neuwirth, Alexander Preisfinger / Stefan Schmidl; TARABAS [1934]: Theresia Heimerl, Desanka Schwara; DIE HUNDERT TAGE [1936]: Thomas Hellmuth, Susann Trabert; BEICHTE EINES MÖRDERS [1936]: Wolfgang Krieger, Eva Maria Maier; DAS FALSCHE GEWICHT [1937]: Heidemarie Mendel / Lucian Röthlisberger, Verena Winiwarter / Helmut Haberl; DIE KAPUZINERGRUFT [1938]: Elke Frietsch, Karl Vocelka; DIE GESCHICHTE VON DER 1002. NACHT [1939]: Thomas A. Bauer, Rüdiger Lohlker.

Joseph Roth und die Reportage. Hrsg.: Thomas Eicher. Heidelberg: Mattes, 2010. brosch., 193 S., EUR 28,00 [D], ISBN 978-3-86809-035-2.
Enthält:
Vorwort  (von Thomas Eicher); Joseph Roth, das Ruhrgebiet und die Reportage (von Thomas Eicher); Joseph Roths Reportagen zwischen Denkbild und ›writing culture‹ (von Thomas Düllo); Joseph Roths Filmrezensionen als literarische Reportagen (von Mirella Carbone); »Der fleißige Chroniker kriminalistischer Ereignisse«. Die Gerichtsreportagen Joseph Roths (von Fritz Hackert); »Die Toten ohne Namen«: Gewaltsamer Tod in der Großstadt in Reportagen von Joseph Roth, Theodor Fontane und Egon Erwin Kisch (von Helen Chambers); Berichte aus der Fremde. Unbehaustheit als Grundmotiv von Joseph Roths Reisereportagen und Reiseschilderungen (von Achim Küpper); Was ich nicht sehe. Zum offensichtlichen Unsichtbaren in Joseph Roths journalistischem Werk (von Eric Jarosinski); Symbolik und Raum in Joseph Roths Industriereportagen (von Jürgen Heinzmann); Konstruierte Distanz – Zu Joseph Roths erster Galizien-Reportage »Leute und Gegend« (von Manfred Müller); Neu-verortet (von Lena Vöcklinghaus).

Die Publikationen der auf de Tagungen zu Joseph Roth im Jahr 2009 in Ljubljana, Gent, Paris und Metz gehaltenen Vorträge sind in Vorbereitung.

Bibliophiles

Joseph Roth: Die Spieldose. Drukwerk in de Marge. http://www.drukwerkindemarge.org/joseph-roth-die-spieldose/ und

Joseph Roth: Das falsche Gewicht. Drukwerk in de Marge.
http://www.drukwerkindemarge.org/joseph-roth-das-falsche-gewicht/.

Joseph Roth: Der Diener Jacques  (Bibliothek SG;34)
Der Diener Jacques. Stationschef Fallmerayer. Die Büste des Kaisers. Novelle. Mit einem Nachwort von André Heller. (München: Buchdruckerei und Verlag SchumacherGebler, 2010. 115,(5)S. <Bibliothek SG;34>
Inhalt: Neben den beiden Erzählungen ein Auszug aus Radetzkymarsch („Eines Tages, es war Ende Mai, kehrte Herr von Trotta fünf Minuten … ein Stückchen Zucker zwischen die Käfigstangen“). Das Nachwort ist der Artikel aus der FAZ vom 3. 9. 1994. Außerdem Eckehart SchuhmacherGebler Pierre Didot. Die Schrift mit dem extravaganten kleinen >g<.



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Mi, 18.10.2017, 11.00-13.00 Ringvorlesung In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Vergleichende...

Ausstellung
Sabine Groschup – AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN* 101 Taschentücher der Tränen und ausgewählte Installationen *F. M. gewidmet

Mit AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN präsentiert das Literaturhaus Wien textspezifische Arbeiten sowie...

Tipp
flugschrift Nr. 19 von KIKKI KOLNIKOFF aka MIROSLAVA SVOLIKOVA

Beim Auffalten der flugschrift Nr. 19 wird man umgehend konfrontiert mit einem ständigen...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Neue Beiträge zu Clemens Berger, Sabine Gruber, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Barbi...