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Herbert Dutzler: Letzter Kirtag.

Ein Altaussee-Krimi.
Innsbruck-Wien: Haymon Verlag, 2011.
264 Seiten; brosch.; Euro 9,95.
ISBN: 978-3-85218-870-6.

Link zur Leseprobe

Eine Leiche im Bierzelt? Das kann das schönste Fest verderben. Vor allem aber wird die Polizei das Bierzelt sperren müssen und damit den Altausseern den letzten und damit schönsten Kirtag verderben.
Das schießt dem Ortspolizisten Gasperlmaier als erstes durch den Kopf, als er beim frühmorgenlichen Routinegang durch das Bierzelt eine Leiche entdeckt. Er überlegt nicht lange: „Der Tote musste aus dem Bierzelt verschwinden, das Gelingen des Kirtags war eindeutig ein ethisch höher stehender Wert als eine korrekte Ermittlung in einem Todesfall.“ Und so verfrachtet Gasperlmaier die Leiche auf das Pissoir.
Beileibe nicht die letzte Dummheit, die der Polizist im Laufe der Ermittlungen macht. Der etwas tolpatschige Gasperlmaier wird abkommandiert, die Kommissarin Frau Doktor Kohlross bei ihren Ermittlungen zu begleiten und zu unterstützen. Der im Umgang mit Frauen so unsichere Mann gerät dadurch in arge Bedrängnis und nicht nur einmal werden seine Ohren vor Scham rot, weil er sich wieder danebenbenimmt. Moderne, selbstbewußte Frauen sind für den Dorfpolizisten noch immer ein bisschen fremd.

Es ist ein Ermittlerduo voller Gegensätze. Die weltläufige Vorgesetzte und ihr etwas trotteliger, provinzieller Begleiter. Und doch, beide sind nicht nur einander, sondern auch dem Leser sofort sympathisch, weil sie ihre Schwächen offen zeigen. Hier verrichten Menschen, keine Maschinen oder besserwisserische Profis ihre Arbeit.
Beide sind von der Situation im idyllischen Urlaubsort überfordert. In den nächsten Stunden werden noch die Gattin und der Sohn des Toten erschlagen aufgefunden. Eine Familie ist fast gänzlich ausgerottet worden und es gibt keine heiße Spur. Dafür behindert die Presse nicht nur die Arbeit, sondern macht sich auch noch mit Schlagzeilen und Fernsehberichten über die Altausseer Polizei lustig und stellt den Gasperlmaier bloß.
Dabei hat der doch schon genug damit zu tun, das weibliche Geschlecht und die pubertäre Jugend zu verstehen. Gasperlmaier sieht beides eher als Bedrohung. Denn für ihn, aber nicht nur für ihn, scheint jeder neumodische Einfluss von außerhalb Altaussees die Heile Welt in Gefahr zu bringen.

So beschäftigt sich Gasperlmaier auch immer wieder mit den Besonderheiten der Altausseer Lederhosen, die ihm auf den ersten Blick viel über die Leiche sagen. Denn die Lederhosen darf man eigentlich nur gebraucht tragen, wenn man sich nicht als Ausländer, oder noch schlimmer, als Wiener outen will. Denn der Wiener gilt als das Feindbild schlechthin im Ausseer Land.
So viel der Autor über diesen Lederhosenkult zu berichten weiß, bei der Beschreibung des Ortes bleibt er recht allgemein. Das Ortsbild, die Architektur, die Landschaft, alles belässt er eher in Allgemeinplätzen. Die Nennung einiger Bergnamen ändert daran nichts. Das hat den Vorteil, dass der Leser, der Altaussee nicht kennt, das Dorf einfach für irgendein Bergdorf in Österreich nehmen kann. Diejenigen, die Altaussee kennen, werden nicht mit Details gelangweilt.

Das ganze Buch zeigt feinsinnigen Humor in einer wunderschön gefärbten österreichischen Tonlage. Es wird nie langweilig, was sicher an der charmanten Hauptfigur, die bewußt an andere bekannte Ermittlerfiguren aus Österreich wie etwa den „Brenner“ angelehnt ist, und an den starken Frauen im Buch liegt. Die Frauen, die dem Gasperlmaier den Weg durch das Leben weisen, sorgen letztendlich auch für die Aufklärung der Morde.
Das Ende ist zwar etwas enttäuschend, da die Lösung allzu simpel erscheint, aber immerhin hat es der Autor geschafft, den Leser möglichst lange im Unklaren zu belassen, wer wen und warum erschlagen hat. Herbert Dutzler ist es gelungen, einen humorvollen Krimi zu schreiben, der ideal als Urlaubslektüre ist, nicht nur für Gäste des Ausseer Landes.

Spunk Seipel
9. Mai 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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