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Claudia Erdheim: Eindrücke.

Russischer Alltag in Bildern.
Wien: Löcker, 1999.
158 S., brosch.; öS 348.-.
ISBN 3-85409-304-7.

Das Vorwort von Claudia Erdheim zu ihrem Rußland-Fotoband läßt man am besten links liegen, will man sich nicht unnötig ärgern. Zwar erfährt man darin, daß die folgenden Fotos vom Frühling 1996 bis zum Herbst 1998 entstanden sind, als Erdheim mit Unterbrechungen in Moskau und St. Petersburg gelebt hat; zu lesen gibt es aber auch, daß die als Erzählerin bekannte Hobby-Fotografin, "allerlei Kurioses" fotografiert habe, daß Leute, bei "30 Grad unter null Eis essen" und, daß sie bei ihrer Fotosafari "immer schlauer und hinterhältiger geworden" ist, weil nämlich der Kaukasier dem Fotografieren nicht so "feindlich" gegenübersteht wie der Russe an sich.

Naiv durch Rußland: Erdheims unreflektierter Blick, der moralische Kategorien gänzlich ausklammert (etwa: Läßt man sich in seiner Armut gerne von West-Touristen fotografieren?), irritiert vor allem, weil es ein Buch der Bilder, nicht der Worte ist. In ihren beiden Erzählungen "Vivre" hat Erdheim Geschichten aus Rußland und Estland erzählt, dort stören selbst die ärgsten Klischees nicht, weil sie den eigenen subjektiven Blick zumindest literarisch durch die Erzählperspektive relativieren. Ein Vorwort aber kann sich nicht hinter einer Fiktion verstecken, da hätte man gerne mehr an Reflektiertheit übers eigene Tun.

Zu dem, was man auf den zahlreichen Fotos sieht, gibt es wenig Informationen. Man merkt, die Fotos sind privat, sie sind beim Flanieren durch "fremde Welten" entstanden, sie zeigen Märkte, Straßenszenen, aber auch jene Freunde und Familien, bei und mit denen Erdheim leben durfte. Sie sind eine Art privates Fototagebuch. Obwohl Erdheim keine Fotografin ist, erzählen die Fotos viel vom Alltag, freilich so, wie Erdheim ihn wahrgenommen hat. Sie tragen eine eigene Handschrift, obwohl Erdheim beim Fotografieren sichtlich kein ästhetisches Konzept hatte. Schade ist, daß Erdheim gerade ihre Stärke, ihren subjektiven Zugang, stark an den Rand drängt, man hätte das Tagebuchartige gerne mehr betont, wüßte gerne Genaueres (Schriftliches) über ihr Leben dort, über ihre Wahrnehmung. Ihre Auswahl der gezeigten Motive ist nämlich durchaus ein- bzw. ausgrenzend, so ist etwas das neo-reiche Rußland kaum präsent. Warum so und nicht andersrum?

Die Fotos fangen Stimmungen ein, sie sind unprätentiös in verschiedenen Größen nebeneinander gestellt und ästhetisch nicht geschönt, verraten einen Sinn für Details, für kleine, aber interessante Nebensächlichkeiten: ein Papierkorb aus dem es dampft unter einem Plakat von Nick Cave, ein tropfender Wasserhahn, volle Einkaufstüten auf einem Markt. So kann man in dem Fotoband blättern und wird jedes Mal neue Details entdecken. Eine Art Foto-Patchwork, das optisch viel hergibt, viele Gesichter Rußlands zeigt. Deshalb: Einfach nur Schauen, nachlesen kann und muß man anderswo.

Karin Cerny
23. März 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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