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Josef Winkler: Die Wetterhähne des Glücks und Die Totenkulterer von Kärnten.

Zwei Litaneien.
Klagenfurt/Celovec: Wieser Verlag, 2011.
46 Seiten; brosch.; Euro 7,50.
ISBN 978-3-85129-930-4.

Link zur Leseprobe

Der Suhrkampautor und Büchnerpreisträger Josef Winkler hat seinerzeit als Bachmannpreis-Eröffnungsredner mit dem Sager, der vormalige Kärntner Landeshauptmann habe sich mit seiner Asche aus dem Staub gemacht, viel von letzterer Materie aufgewirbelt. Winkler hat in klassischer Manier die Dinge mutig beim Namen genannt. Von einem Schriftsteller seines Rangs erwarte ich mir nichts anderes.
Die Aufregung war und ist groß. Die LeserbriefschreiberInnen der größten Kärntner Tageszeitung, der „Kleinen Zeitung“, konnten seinerzeit nicht an sich halten und überschlugen sich in ihrer Schreibfreudigkeit. Ich lobe noch heute sowohl die Schreiber als auch die Redaktion, zumal bei einer Abwägung das Pendel kräftig zugunsten Josef Winklers ausschlug, dem zu seiner Beherztheit gratuliert und der in den Aussagen unterstützt wurde. Jeder weiß, dass es auch anders hätte ausfallen können, zwar nicht in der „Kleinen“, aber woanders, nämlich mit Angriffen auf den Redner.
Doch zurück zur eigentlichen Frage. Eine Gesellschaft, noch dazu eine aufgeklärte, kann nicht und darf vor allem nicht darauf warten, dass immer und immer wieder nur die Schriftsteller den Kopf für sie hinhalten. In einem unabhängigen Kollektiv muss jede und jeder bedingungslos die Freiheit haben, den Mund aufzumachen. Und zwar mit der Sicherheit, dies ohne Nachteile tun zu können. Guten Abend, Österreich, falls es (einmal) anders sein sollte!

Der Zugang des Schriftstellers zur Öffentlichkeit, zumal jener Josef Winklers, ist naturgemäß ein anderer als jener von „Otto Normalverbraucher“. Der Schriftsteller, insbesondere Josef Winkler, hat zur Öffentlichkeit zweifellos einen privilegierten Zugang und kann mit Interesse rechnen. Dieses Interesse beruht gemeinhin auf der Vorstellung, er sei als Intellektueller ein Fachmann für das Allgemeine, der sich konkret und kompetent äußert. Der sich Gehör verschafft. Der Dinge für sich und andere beim Namen nennt. Und sich nicht aus dem Staub macht, wenn Verantwortung gefragt ist.
Josef Winkler hat diese Verantwortung wahrgenommen und zum Ausdruck gebracht, was er in Kärnten an zusammengebrauter Meinung gehört hat. Das „Patriotenhonorar“ von sechs Millionen Euro, das ein Kärntner Steuerberater für zweimonatige mündliche (!) Beratung von der öffentlichen in seine private Hand umgeleitet hat,
hat in Kärnten, vor allem nach Winklers unermüdlichen Hinweisen, niemanden mehr kalt gelassen.

Eine Schriftstellerin und ein Schriftsteller, die zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehen, haben das Zeug zum „Gewissen der Nation“. Der letzte Autor, den man mit diesem Ehrentitel vorbehaltlos adeln konnte, war Heinrich Böll. Günter Grass war offensichtlich zu wenig sachlich beziehungsweise unparteiisch, und Peter Handke, der ahnen ließ, was eine Ikone der Schriftstellerverantwortung sein kann, schied schon Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit seinen Meldungen zur APO und den damaligen Studentendemonstrationen als potentieller Kandidat aus.
Nun hat dieses Land neuerlich einen Mann, der allenfalls Anspruch auf Gehör hat. Am Winklerschen Beispiel kann man in Erinnerung rufen, dass den Eisernen Vorhang vor allem auch mutige Schriftstellerinnen und Schriftsteller zerteilt haben. Alexander Solschenizyn, Vaclav Havel, Niko Grafenauer und viele andere, teilweise mehr oder weniger unbekannte Autoren, haben den Kopf hingehalten, damit der Begriff Freiheit zu leben begonnen hat.

Josef Winkler hat seine Reden und Offenen Briefe, die er in den letzten zwei, drei Jahren gehalten und geschrieben hat, jetzt zu „Zwei Litaneien“ komprimiert. „Die Totenkulterer von Kärnten oder Ich hab noch einen Tilo in Berlin“ und „Der Genusslandesrat, sein Ghostwriter und die Lourdes-Mitzi“ sind mit zwei sehr farbigen Höllen-Bildern aus Winklers Volksschul-Katechismus illustriert. Seine Redeprosa ist aufdeckerisch, insistierend, interessant, ja, geradezu spannungsreich.
„Die Wetterhähne“ sind ein mutiges Neben-Werk eines mutigen Haupt-Schriftstellers.

Janko Ferk
17. Mai 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

















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