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Robert Prosser: Feuerwerk.

Prosa.
Wien: Klever Verlag, 2011.
170 S.; brosch.; Euro 17,90.
ISBN 978-3-902665-29-4.

Link zur Leseprobe

Nach dem Element Wasser in seinem Debüt Strom widmet sich der 28-jährige Autor Robert Prosser in seinem zweiten Prosaband „Feuerwerk“ dem Element Feuer.

Doch: Wer nun denkt, dass es in diesem Buch um Silvester oder Pyrotechnik geht, liegt falsch. Metaphorisch jedoch sind wir an Silvester mit seinen Feuerwerkskörpern nahe dran. Denn Prosser strukturiert seinen Text teilweise mit Überschriften, die an den Countdown einer Silversternacht erinnern. Von zehn wird rückwärts gezählt. Allein mit diesen Überschriften wird Spannung aufgebaut: etwas geht zu Ende und wird abgezählt. Was auch bedeutet, dass man einem neuen Abschnitt entgegenfiebert. Man fühlt sich zwangsläufig an das Lied „The Final Countdown“ der schwedischen Rockgruppe Europe erinnert.

Wie in einer Silvesternacht blickt man zurück – das eine Gesicht des Januskopfes lässt grüßen. Und so lesen wir in Prossers Assoziationstechnik vergangene Geschichten aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt: Etwa aus Caracas und Chivacoa in Venezuela, aus der Provinz Xinjiang in China oder aus einem Eisenbahntunnel in Tirol.

Die Assoziation mit Feuer ist allgegenwärtig: Der namenlose Globetrotter und Ich-Erzähler nimmt Quartier in einer Pension in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. – Es ist ein Stundenhotel. In einem nächsten Abschnitt finden wir ihn wieder mit einer Prostituierten im Zimmer. Es wird heiß. Nicht nur körperlich ist er erregt, sondern auch geistig: Assoziationsketten sprühen wie Funken.

Nehmen wir eine andere „Feuer“-Episode, diesmal China: Der Ich-Erzähler bekommt kurz vor der Zugabreise nach Shanghai hohes Fieber. Er liegt im Bett. Diesmal in einer „normalen“ Pension. Er ist in der nordwestlichen Provinz Xinjiang – dort, wo die meist muslimischen Uiguren beheimatet sind und es mit Han-Chinesen immer wieder zu Spannungen kommt: zuletzt im Juli 2009. Eindrücklich berichtet der Ich-Erzähler, wie das Fieber ihn ans Bett fesselt und wie er häufig erbrechen muss. Appetitlich ist das nicht, doch Prosser versteht es, die Auswirkungen von Fieber nicht im physischen Bereich zu belassen. Im Fieberwahn werden trotz trügerischer Wahrnehmung neue Assoziationen und Gedanken miteinander verkettet. Darüber hinaus gelingt es Prosser, die Verhaltensweisen von Uiguren treffend zu beschreiben. – Die Lektüre bekommt so eine brisante soziopolitische Dimension.

Robert Prosser hat mit dieser Prosa eine neue Stufe seines Schaffens erreicht. Zwar ist er seiner Assoziationstechnik treu geblieben, doch der Text scheint im Vergleich zu „Strom“ strukturierter und leichter zugänglich zu sein. Dennoch braucht man auch hier einige Seiten, um sich an Rhythmus und Erzähltechnik zu gewöhnen. Aber dann ist es ein außerordentlicher Genuss. Denn Prosser ist ein Sprachakrobat! Er jongliert nicht nur zwischen Innen- und Außenwelt, sondern er verdreht Wörter und setzt neue Wörter zusammen. Einige Beispiele: Dialektmassiv, Daumen mal Pi, Betonscharade. Prosser verweist hier auf Rap, teils auf experimentelle Poesie. Kostproben seines experimentellen Schreibens hat Prosser seit Jahren bei der Innsbrucker Lesebühne Text ohne Reiter  gegeben. Hier ein aufgezeichnetes Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=sk5DEJdZYAU

Mit „Feuerwerk“ ist Robert Prosser eine rhythmische, weitsichtige und vielschichtige Prosa gelungen. Der gebürtige Tiroler kristallisiert sich immer mehr zu einem unentbehrlichen Autor am experimentellen Firmament!

Angelo Algieri, 25. Mai 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redation wieder.

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