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Leseprobe: Philip Hautmann - Yorick. Ein Mensch in Schwierigkeiten.

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Yorick war ein witziger Kerl. Dick, gutmütig und leutselig, wie er war,war er überzeugt von der Originalität seines Wesens sowie davon, dassauch die anderen Leute um ihn herum derselben Meinung, ihn betreffend,anhängen und diese tief in ihren Herzen mit sich herumtragen würden.Ja, nicht allein in ihren Herzen mit sich herumtragen, dachte er, sondernvielmehr tief aus ihren Herzen heraus und von sich aus, unaufgefordert, indie Gesellschaft, als deren imaginärer Mittelpunkt er sich sogar in Abwe-senheit stets wähnte, hineintragen, kommunizieren und eifrig besprechenwürden. Er war schließlich Yorick! Und mit dieser Überzeugung gerüstetmischte er sich unter die Leute, dick, gutmütig und leutselig, wie er war,mit dem Ziel, durch seinen Witz und seine Originalität die von ihm als un-nötig und unnatürlich empfundene Zwanghaftigkeit und Formalität ihrerGesellschaften aufzulockern, sowie mit der größten Selbstverständlichkeitin der Annahme, dass ihm dieses auch immer unweigerlich gelang. VieleTüren in der Gesellschaft stünden ihm offen, dachte er sich, ein großesHaus mit offenen Türen und vielen Stockwerken sei die Gesellschaft, undwenn er sich schon nicht dazu aufgefordert sah, so trat er eben unaufgefor-dert in sie ein, was könne schließlich schon passieren, war seine Meinung,und durch seine offene Art aufzutreten standen ihm auch tatsächlich vieleTüren in der Gesellschaft offen, nicht aber von sich aus freiwillig. Er kamuneingeladen zum Frühstück, und wenn man ausging, um ihn loszuwer-den, so ging er mit aus, in eine andere Gesellschaft, da er glaubte nirgendsunangenehm sein zu können. Ging man wieder nach Hause, so ging erebenfalls wieder mit, setzte sich endlich zu Tisch, wo er gerne allein undvon sich selbst sprach, und verblieb dort bis spät in die Nacht, oftmals, umam nächsten Morgen wieder zu kommen.
Machen Sie ihre Rechnung nicht ohneYorick! Denken Sie in ihrer allzu gewöhnlichen, alltäglichen Existenz an die Mög-lichkeit eines Yorick! Unterschätzen Sie nicht die Möglichkeit des Auftretens einesYorick!, dachte er bei sich, es waren seine ihm liebsten Gedanken, wobei er freilich gar keine rechte Vorstellung hatte was das eigentlich bedeuten undworauf dieses Anwendung hätte finden sollen; wäre unerklärlicherweiseder große Weise Sokrates plötzlich im Zimmer gestanden, er hätte es nichterklären können. Die Leute um ihn herum wussten es freilich umso besser.

© 2010 Trauma Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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