logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   
Facebook Literaturhaus Wien Instagram Literaturhaus Wien

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

traduki

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Antonio Fian - Man kann nicht alles wissen.

Ökonomische Theorie (S. 14f)

(Billa am Praterstern, Sonntag. Menschenschlangen vor den Kassen. In einer von ihnen, der Kassa schon nahe, ein Ökonomieprofessor Mitte fünfzig, begleitet von einer um vieles jüngeren attraktiven Frau. Ihre Einkäufe lassen darauf schließen, dass sie etwas zu feiern haben.)

SIE: Erklär’s mir, bitte.

ER: Das geht nicht so einfach. Meine Theorie ist extrem komplex. Zugleich extrem radikal. Sie wird Aufsehen erregen, glaub’ mir.

SIE: Drum will ich ja, dass du’s mir erklärst. Wenigstens ungefähr.

ER: Also schau, im Grunde läuft es darauf hinaus –

(Ein junger Mann, eine Flasche Wodka in Händen, versucht, sich vorzudrängen.)

DER JUNGE MANN (höflich, jedoch mit Zungenschlag): Tschulligen, darf ich? Ich hab’ nur das eine.

ER: Wir haben auch nicht viel. Sie werden es erwarten.

DER JUNGE MANN (mit Blick in den Einkaufswagen): Mehr als ich haben Sie schon, außerdem müssert ich –

ER: Wenn wir jeden vorlassen, stehen wir morgen noch da.

DER JUNGE MANN: Aber –

ER: Nix aber. Es stehen alle an.

DER JUNGE MANN (gibt auf. Zu sich): Es stehen alle an, ja … (Kurze Pause, dann laut, zu allen): Alle stehen an, habt’s es g’hört? Ja, du genauso! Und du! Alle stehen wir an! Beim Billa stehen wir an! Auf der Post stehen wir an! Beim Doktor! Auf’m Sozialamt stehen wir an! Aber vorlassen, vorlassen tut uns keiner. Weil wir sollen nämlich anstehen, verstehst, wir sollen anstehen, so is’ das! Anstehen oder verschwinden! Verschwinden wär’ noch besser! Derschießen täten s’ uns alle, wenn s’ könnten! Aber geht ja nicht! Brauchen uns ja! Sind ja abhängig von uns, verstehst? Na, schau doch, schau dir an das! Wer soll denn das kaufen, den ganzen Scheißdreck, wenn wir nimmer da sind, wer is’ denn so teppert? Anstehen täten s’ ohne uns, z’grund gehen täten s’! Und genau deswegen stehen wir an, verstehst, genau deswegen!

ER (schiebt den jungen Mann in Richtung Kassa): Also, jetzt gehen Sie schon.

DER JUNGE MANN: Danke höflichst. (Zur Kundin davor): Tschulligen, darf ich? Ich hab’ nur das eine.

(Er wird vorgelassen. Pause.)

SIE (zärtlich): Erklärst du’s mir jetzt?

(Schweigen)

SIE: Bitte! Erklär’s mir!

(Schweigen.

Vorhang)

© 2011 Literaturverlag Droschl, Graz-Wien.






Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Literaturhaus Textwerkstatt

Di, 19.10.2021, 18.00–21.00 Uhr Schreibwerkstatt für 18- bis 26-Jährige In der Literaturhaus...

Junge LiteraturhausWerkstatt

Mi, 20.10.2021, 18.00–20.00 Uhr Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du möchtest dich mit...

Ausstellung
"Organisieren Sie sich!" – der Erste Österreichische Schriftstellerkongress 1981 und seine Nachwirkungen

Ausstellung anlässlich 30 Jahre Literaturhaus Wien 27.09.2021 bis 27.01.2022 Es war ein...

Tipp
OUT NOW: flugschrift Nr. 35 von Bettina Landl

Die aktuelle flugschrift Nr. 35 konstruiert : beschreibt : reflektiert : entdeckt den Raum [der...

INCENTIVES - AUSTRIAN LITERATURE IN TRANSLATION

Neue Buchtipps zu Ljuba Arnautovic, Eva Schörkhuber und Daniel Wisser auf Deutsch, Englisch,...