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Alexander Peer: Land unter ihnen.

Novelle.
Innsbruck: Limbus Verlag, 2011.
126 Seiten; geb.; Euro 15,90.
ISBN: 978-3-902534-45-3.

Link zur Leseprobe

Über die blutige Eroberung des Aztekenreichs erzählt vordergründig die Novelle „Land unter ihnen“ von Alexander Peer. Das Buch ist im Innsbrucker Limbus Verlag erschienen.
Im Jahr 1519 sticht Hernando Cortés mit seinen Mannen von Cuba aus westwärts in See, um einen Weg nach Indien zu finden. Er fährt entlang der Küste Mexikos, bis er im heutigen Veracruz an Land geht. Denn die Indio-Übersetzerin von Cortés, Malintzin, hat von einem riesigen, wohlhabenden und mächtigen Reich im Landesinneren erzählt. Und so begleiten wir Cortés auf dem Weg nach Tenochtitlán, der Hauptstadt des Aztekenreichs. In seinem Trupp gibt es einen Tolpatsch und Soldaten namens Vasquez. In seinem Ungeschick hat er Cortés zwei Mal geholfen: Einmal hat er Land in Sicht gerufen und zum anderen hat er Tenochtitlán als erster gesehen.

Daraufhin beschreibt Peer die Begegnung Cortés mit dem Azteken-König Moctezuma. Zunächst werden die Spanier friedlich empfangen, Feste werden gemeinsam gefeiert und die Spanier sehen die gehorteten Edelsteine der Azteken. Doch bald, nach dem mysteriösen Tod Moctezumas, brechen zwischen Spaniern und Azteken blutige Schlachten aus. Am Ende siegen die Spanier. Mit den erworbenen Schätzen segelt Cortés nach Spanien zurück – doch der König dankt es ihm nicht gebührend. Cortés erhält für das eroberte Neuspanien lediglich eingeschränkte Machtbefugnisse.

Alexander Peer ist es gelungen, die Geschichte der mittelamerikanischen Eroberung durch die Spanier spannend zu erzählen bzw. nachzuerzählen. Dabei verzichtet Peer auf heroische Darstellungen. Über Cortés' Heldentaten berichtet bereits der Chronist Francisco López de Gómara in seinen Büchern – erschienen 1551 – zur Genüge. Die tolpatschige fiktive Soldatenfigur Vasquez entlehnt Peer bei Bernal Diaz del Castillo. Dieser hat auf die Veröffentlichung von López de Gómara reagiert und seine „wahre“ Eroberungsgeschichte aufgeschrieben – Cortés erscheint hier in einem weniger guten Licht. Beide Versionen der Eroberungsgeschichte Mexikos spiegeln sich in Peers Novelle wieder. Dabei verlagert Peer im Laufe der Erzählung den Fokus geschickt vom Anführer Cortés auf den einfachen Soldaten Vasquez.

Plastisch und nachvollziehbar beschreibt Peer, wie Cortés durch seine Gier nach Reichtum getrieben wird – auch wenn er nicht hinlänglich belohnt wird. Der Soldat Vasquez hingegen stellt die Gegenfigur zu Cortés dar: einfach, untergeben, und er will vom Reichtum nichts wissen. Am Ende entzieht sich Vasquez dem Kolonialismus in den eroberten Gebieten und flüchtet in den Dschungel.

Im Nachwort stellt der Historiker und Professor an der Universität Wien Karl Vocelka die Frage, ob Fiktion und historische Ereignisse zusammengebracht werden können. Eine etwas befremdliche Fragestellung aus der Sicht der Literatur. Selbstverständlich darf man das! Dies beweisen nicht nur die historischen Romane seit spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts. Doch Vocelka geht weiter und fragt sich, weswegen fiktive Erzählungen für die Historiker von Interesse sein könnten. Und gibt die Antwort selbst: Der Schriftsteller könne besser als die Quellenzitate den „Geist der Zeit“ vermitteln. Genau dies mache Peer, konstatiert der Professor.

Der in Wien lebende Alexander Peer (geboren 1971 in Salzburg) hat eine geglückte Hommage an die spanische Novelle geschrieben. Er verweist im distanzierten Stil und in der Sprache auf Miguel de Cervantes' „Novelas ejemplares“, die knapp ein Jahrhundert nach Cortés' Eroberung erschienen sind. Allerdings hat sich Peer teilweise zu sehr ins Historien-Korsett zwängen lassen – eine Loslösung hätte hier gut getan. Verpasst hat er noch etwas: Die Sichtweise der Azteken und ihre Geschichte stärker in den Vordergrund zu setzen, beispielsweise durch die Einführung einer weiteren Hauptfigur. Denn das hätte neue, ergänzende Einblicke in die europäische Geschichtsschreibung eingebracht!

Angelo Algieri
20. Juni 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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