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Peter Clar: Alles was der Fall ist.

Wien: Sonderzahl Verlag, 2011.
144 Seiten; gebunden; 16 Euro.
ISBN: 978 3 85449 349 5.

Link zur Leseprobe

X, Y und F – das klingt nach Mathematik, besser gesagt nach Algebra oder Logik in der Philosophie. Doch in Peter Clars Zweitling „Alles was der Fall ist“ stellen diese „Unbekannten“ die Hauptfiguren dar. Mit diesen Elementen knüpft Clar an seine Debütprosa Nehmen Sie mich beim Wort an. Beide Bände sind im Wiener Sonderzahl Verlag erschienen.

Ein Mann X stürzt von einem Kirchturm der Stadt V(illach) in Kärnten auf den Kirchvorplatz. Y, ein ehemaliger Schulfreund, erfährt davon und geht zu seiner Beerdigung. Eine Frau hinter ihm murmelt, dass X ermordet worden sei. Diese Aussage geht Y nach der Beerdigung nicht aus dem Kopf und er fängt mit der Eigenrecherche an. Y glaubt zunächst, die Frau oder den unbekannten Mörder auf dem Kirchvorplatz anzutreffen. Darum setzt er sich jeden Tag für ca. drei Monate in ein Café mit Blick auf den Platz – doch es geschieht nichts: weder die Frau von der Beerdigung noch der Mörder sind aufgetaucht. Doch dabei möchte er es nicht bewenden lassen: Er flaniert durch die Stadt, entlang von Flüssen und Bächen. Ob Y den Mörder beim Flanieren erkennt? Doch dann fällt ihm etwas anderes ein: Er kennt die Eltern des verstorbenen X und fährt dahin. In der Hoffnung im Zimmer von X irgendetwas zu finden, was ihn der Lösung des Falls näher bringen würde. Y stöbert herum und findet Xs Tagebücher. Er nimmt das chronologisch letzte Tagebuch mit – in der Hoffnung ein Indiz auf den Mörder zu finden. Doch: Fehlanzeige. Er wiederholt den Gang zu den Eltern von X und nimmt das nächste Tagebuch mit. Auch hier wird er nicht fündig. Das Spiel wiederholt er in immer kürzeren Abständen; er wird immer besessener: Wer ist der Mörder? Und: Wann kommt X in Ys Tagebuch vor und was schreibt er über ihn? Währenddessen trifft sich Y mit F, der Freundin von X. Sie beginnen eine Sexbeziehung. Zum Ende des Buches gerät das unbedingte Lösen des Falls zu einer Manie, die absurd endet.

Neben der „Krimi-Geschichte“ schaltet sich der Erzähler ein und berichtet über sich oder über verschiedene Möglichkeiten wie etwas geworden sein könnte. Er schweift ständig von der Geschichte ab. Er merkt es sogar selbst. Fährt fort, mäandert wieder. Zudem spricht er den Leser direkt an, antizipiert seine Reaktionen, geht seinen Gedankengängen nach, er mahnt und teilweise beschimpft er ihn sogar. Der Erzähler, der sich als Schriftsteller ausgibt, wirkt eher wie ein zerstreuter Professor, der durch ein Wort seinen Assoziationen freien Lauf lässt. Dabei verzichtet der Erzähler nicht auf Kalauer und Wortspielereien. Anfangs sind sie ganz erfrischend, lustig, ironisch. Doch nach dem zehnten Mal verpufft die Wirkung, es wird lächerlich und anstrengend.

Dem 31-jährigen Autor Peter Clar ist dennoch ein interessantes Experiment gelungen, nämlich das Spiel mit den Erzählebenen. Hier knüpft er an bedeutende Schriftsteller an. Etwa an Denis Diderot mit seinem Roman „Jacques der Fatalist und sein Herr“, in der der Erzähler sich auch ständig unterbrechen lässt und seine Geschichte erzählen möchte. Oder es erinnert an Italo Calvinos „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“, in der der Erzähler den Leser direkt anspricht und die Reaktionen des Lesers antizipiert. Ohne Kalauer, doch mit viel Witz und Ironie.

Zudem besticht diese Prosa mit ironischen Zitaten aus der Krimi-Literatur. Raymond Chandler und Dashiell Hammett lassen grüßen. Aber auch Andeutungen zu Wolf Haas mit seinem Privatdetektiv Simon Brenner sind zu erkennen. Auch wenn der Schluss der Story vorhersehbar ist, solch ironisch-verspielte Experimente – unabhängig davon ob sie gelingen oder nicht – sollte es mehr geben!

Angelo Algieri
1. September 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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