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Leseprobe: Helmut Eisendle - "Abendsport. Zweimal."

ARBEIT

Die Arbeit als spezifische menschliche Tätigkeit war, sagt man, die entscheidende Bedingung für die Emigration des Menschen aus dem Tierreich. Im Arbeitsprozeß tritt der Mensch, sagt man, dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen. Sagt man. Die Arbeit ist die Emanzipation des Menschen von der Natur, sagt Feuerbach. Zurück zur Natur, sagt Rousseau. Natur, wenn ich das schon höre. Sagt man. Arbeit, wenn ich das schon höre. Auch das sagt man. Arbeit ist Kraft mal Weg, sagt man. Wenn eine Kraft einen Körper auf einen bestimmten Weg vorwärtsbringt, so verrichtet sie Arbeit. Sagt man. [...] (S. 15)

NACHBARN

Nachbarn sind für mich bar jeden Interesses. Weder interessiert mich ihr Geist, noch ihr Körper, nicht einmal ihr Hirn. Ihre Organe interessieren mich nicht, nicht ihr Leben, auch nicht ihr dummer Ausdruck, nicht ihr verschlafener Blick, auch nicht ihr Desinteresse, und schon gar nicht ihre Gedanken, auch nicht ihr Beruf, nicht ihre dummen Frauen, und nicht ihre lästigen Kinder, nicht ihr Alter oder ihre Jugend, auch nicht ihre politische Anschauung, nicht ihre Bedeutungslosigkeit, nein, auch nicht ihr Anzug, ihre Kleider oder ihr protziges Auto, nein, auch nicht ihr Sein, nein, nicht einmal ihre Vorteile, nicht ihre Eigenschaften, nicht einmal ihre Adresse, auch nicht ihr Bankkonto, auch nicht ihre Krangenweite und nicht ihr Gebiß.
Es interessiert mich nicht - und das schon gar nicht - ihre Existenz.
Das, was mich wirklich interessiert, ist, welche Mechanik in einem Dummkopf abläuft.
Denn die Dummheit ist ein Rudiment, es besitzt allzu einfache Kombinationsmöglichkeiten. Auch bei einem Nachbarn. (S. 71f.)

(c) 1998, Haymon, Innsbruck.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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