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Ilona Mayer-Zach: Schlangenwald.

Kriminalroman.
Wien: Echomedia Verlag, 2010.
240 S.; broschiert; Eur. 9,90.
ISBN 978-3902672230.

Link zur Leseprobe

Zwischen Kriminalliteratur und „Literatur an sich“ zu unterscheiden, hat ja nie besonders viel Sinn gemacht; Kriminalliteratur kann natürlich dieselbe wie jede andere. Zusätzlich scheint sich so ein kriminalliterarisches Handlungsmuster noch dafür zu eignen, Muster als solche zu hinterfragen, gesellschaftliche wie literarische. Aus einem Toten kann da recht schnell ein komplexes Seelenpanorama werden, ein tiefer Blick in die Vergangenheit, eine abgründige Parabel oder dergleichen. Eine andere Unterscheidung hingegen drängt sich eher auf: die zwischen Kriminalliteratur und, sagen wir, dem „Krimi“, dem Genre, wo einer wen umbringt, und jemand anderer findet es raus. Allerdings – wer weiß, vielleicht geht auch diese Unterscheidung am Kern der Sache vorbei?
Wenn es nämlich überhaupt angebracht ist, zwischen „Kriminalliteratur“ und „Krimi“ zu unterscheiden, dann darf man die Tragweite dieser Trennung nicht überschätzen. Denn wie viele Zwecke hat ein Buch – abgesehen von literarischen – sonst noch! Man kann da Interessantes über die Welt lernen und sich das Selber-Googeln ersparen, man kann sich anhand der dargestellten Meinungen in der eigenen bestätigt fühlen (immer ein sehr gutes Gefühl), man kann sich von gängiger Genrearchitektur angenehm treiben lassen, sich ein bisschen klüger fühlen als die Detektive (und natürlich als die Opfer), und man kann auch einfach die Zeit am Strand totschlagen. Das alles kann auch der Wald-und-Wiesen-Krimi; es ist nicht notwendig, in jedem Buch ein richtiges Buch zu suchen.

Angenommen, man hätte so einen Krimi vor sich – einen, in dem beispielsweise der Informationsgehalt eines kleinen Reiseführers zu Costa Rica aufbereitet würde, in dem die Heldin als einwandfreie Identifikationsfigur durch den Urwald hirschen würde - eine „grüne Intellektuelle aus Österreich!“, wie der Böse verächtlich sagen könnte. Einen Krimi, in dem vom ersten Kapitel an alles läuft wie erwartet, in dem die Guten gut sind und die Bösen gleich durch körperliche Merkmale (ein Klassiker!) ausreichend gekennzeichnet werden – so einen Krimi könnte man sich mit der richtigen Einstellung ohne Weiteres zu Gemüte führen.

Und dann hätte so ein Buch vielleicht noch mehr zu bieten; vielleicht wäre die Protagonistin so nett, jeden ihrer Gedankengänge, jede Erinnerung und jeden Zusammenhang bis zum letzten i-Punkt gedanklich auszuformulieren – das Publikum würde sanft immer in der richtigen Spur gehalten. Solcherart Schonung könnte man dann mit erbaulichen Merksätzen aufwiegen wie: „Wer ständig über andere Leute herzog und sie mit Worten verletzte, durfte sich nicht wundern, wenn ihm nach und nach die Sympathien abhandenkamen“; oder auch: „Das waren die Dinge im Leben, die wirklich zählten: Vertrauen, Verlässlichkeit, Freundschaft und natürlich Liebe.“

Erbauliches einer ganz anderen Sorte kann man erfahren, wenn man sich der Nachvollziehbarkeit einer der Figuren widmet, beispielsweise des Bösewichtes. Nachdem das Böse in realiter ohnehin ständig zu siegen scheint, wäre es doch nett, wenn dies wenigstens im Roman ausgeglichen würde – wenn also der Verbrecher als gleichsam formbewusster Gentleman all die kleinen Fehler und Unterlassungen beginge, die man von ihm erwarten darf. Nicht von schablonenhafter Genreliteratur wäre dann die Rede, sondern von Fair Play: Um sich seiner Geheimnisse von Anfang an nicht sicher sein zu können – einer Ferienanlage zum Beispiel, hinter der sich Teuflisches verbirgt – könnte der Böse ein paar neugierige Fremde um sich scharen oder Enthüllungsreporter zum Essen einladen, oder gleich beides.
Und wenn er schon eingangs mit solchen Schachzügen Sportsgeist bewiesen hat – die richtig guten Gelegenheiten bieten sich erst gegen Ende des Buches: Bevor er unliebsame Zeugen umbringt, darf er durchaus den gesamten Plan verraten; nur böse Zungen behaupten, dies sei nicht mehr en vogue, seit Bösewichte keine großen Schnurrbärte und Monokel mehr trügen!

So viel Gewinn – nützliche Reisetipps, moralische Festigung und sportliche Denkanstöße – kann man also aus solch einem Krimi ziehen. Ist es nun richtig oder gar notwendig, das alles gegen ästhetische Ansprüche aufzurechnen? Es ist wohl, wie die Protagonistin eines solchen Buches einmal in einem Moment profundester Einsicht feststellt: „Manchmal war es schwierig zu unterscheiden, was richtig oder falsch war, wenn man alle Seiten in Betracht zog.“

Bernhard Oberreither
September 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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