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Leseprobe: Hans Eichhorn - "Petruskomplex."

Schwillt an das Kirchglockenläuten, hell und
tief und röhrender Hund im Nebenzimmer; fest-
gekrallt am Tisch, unter der Lampe, am hellsten
Tag und der Corso flutet am Samstagnachmittag,
die ragazzi versammelt auf den Motorrollersitzen,
palavernd in turbulenter Gestik, das zitiert herbei
und schafft weg; wuchernde Kleinbalkone in engen
Seitengassen, rot, gelb abgegeriffen mit großen
Muttermalflecken die Hausfassaden; da kauert ein
schwarzes, zuckendes Bündel vor vatikanischem
Großplatz, alles eingepackt und ins Zimmer
getragen, zusammengeschmissen zum Eintopf.
Fasching auf der Piazza Navona, Haustür, die
schwer ins Schloß fällt, Katzen auf sonnengewärmtem
Auto und immerzu etwas, vermutet am Hügelgrund;
ein Tintenfisch, eine Scheibe Mortadella, tanzende
Mickymausattrappen. Am Hügelgrund und in den
Horizont verlaufend die langweiligste Straße,
die ausgebleichteste Farbe. Immerzu wird
vermutet, in Zusammenhang gebracht mit der
Lampe am hellsten Tag, dem losgelassenen Gefühls-
postversprechen: Das Meer, die Lichtmasken,
das Barkenbild und der vatikanische Spenden-
sammler, den Pilzkorb gefüllt mit Lirascheinen;
Sprechplatz des Papstes, der mit einem ciao
die Mensch applaudieren läßt;
bist eingestiegen
in den Stadtbus, und die Bilder wechseln im
Stakkato, vom Papstciao zum schwarzgeformten
Hintern. Auch hier die Idee vom Hintergrundwissen,
dem Aufklärungskörper, der das Richtige nach
Bedarf zusammenfügt: die Schriftlauge gesättigt,
die Zeremonienmeister streng gegenüber Fußbreit-
verletzungen entlang des Korridors, den die
Prozession durchschreitet. Welche Prozession? Welche
Zeremonienmeister? Welche Schriftlauge?
Braucht kein
Sprachbrot mehr, keine Piazzaabfälle, keine Spazier-
gangshappen. Selbst die Tischlampe ein Relikt, weg-
verfrachtet in die Geschichtsmistkübelabfuhr.
Ausbruchsversuch schreit es: Wie bricht man aus einem
Ton aus? Du brauchst dich überhaupt nicht anzu-
strengen, ist die Antwort. Es gibt keinen Ton oder
Klangraum, es ist ja nichts als ein Versprechen,
es möge dir Mimosen zutragen oder Piniennadeln.
du verstaubst am Tisch, du brichst dir die Zehen-
nägel mit deiner Beharrungspotenz. Du machst aus den
Palästen Zwerghäuser, du reduzierst die Gebirge,
die Hügel auf einen einzigen Strich. Du sammelst das
Nachmittagslicht direkt auf der Pupille weg und packst
deine Reisetasche damit voll. Das alles nur, um den
kleinsten Katzenfloh freudig zu zerdrücken. Und die
ledernen Blätter liegen auf der Straße, hängen noch
an den Bäumen. In Bausch und Bogen werden die Groß-
plätze berannt, blitzen, klicken die Kameras, es
wird weggeholt, eingesackt. Stein und Wasser, Stein-
pferde, trinken in den Wasserschalen, Steinschalen,
in die die Pferde das Wasser hineinfließen lassen,
und die Katzenflöhe und die Wasserflöhe, die am
Pferdestein nagen, an den Steinschalen sich festfressen.
(S. 74f.)

(c) 1998, Residenz, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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