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Leseprobe: Friedrich Hahn - Mitten am Rand

Heike hantiert bereits in der Küche. Alles an ihr wirkt ein wenig ferngesteuert. Auch ihr „Guten Morgen, na, gut geschlafen?“ klingt mechanisch. Gregor verschwindet gleich mal am Örtchen. Als er zurückkommt sitzt Heike bereits am Frühstückstisch.
Komm, nimm!
Danke. Das sieht ja alles lecker aus.
Ich hab dir auch Tee gemacht, der sollte schon sein, nimm einfach das Sieb raus. Gregor muss blinzeln. Die Morgensonne fängt sich in Heikes Küchenuhr. Die Welt der UNs tut sich auf. Das Undenkbare. Das Unaussprechbare. Das Unaussprechliche. Das Unfassbare.
Sag, … und es klingt ernst, als Heike Gregor erstmals an diesem Morgen ins Gesicht schaut.
Ja?
Sag, spielst du eigentlich mit mir, oder …?!
Klar spiel ich mit dir.
Heikes Augen sehen aus, als gehörten sie einer, die im nächsten Moment in Zorn ausbricht:
Wie …?!
Jetzt mach kein Gesicht. Bei den Haitianern sagen sie statt Liebe machen spielen. Ich find das doch schön, irgendwie ehrlicher auch.
War es das, was du mit mir heute bereden wolltest?! Jetzt erst machte sich ein Grinsen um Heikes Mund breit. Und auch ein glucksendes Lachen war kurz zu hören.
Nein, du ich dachte, wenn du möchtest, also …
Ja, versucht Gregor Heike auf die Sprünge zu helfen.
Was ich sagen will, du kannst dein Wohnmobil am Nachbargrundstück parken. Auch für länger. Das gehört uns. Also meinen Eltern. Sie sparens auf, als meine Aussteuer, falls ich doch noch mal einen Mann abkriege.
Gregor hat den Eindruck, dass es nicht das war, was Heike eigentlich sagen wollte. Aber gut. Auch gut.
Fein. Ich werd ja noch zum Dauercamper. Aber jedenfalls danke. Großes Dankeschön. Das hilft mir fürs Erste schon mal weiter, wenn ich da bleiben kann.
Na ja. Und den Schlüssel hast ja jetzt auch. Wäsche und so kannst du gern bei mir waschen. Und was halt so anfällt, was man besser in einem Wohnmobil nicht erledigen kann oder will.
(S. 79)

© 2011 edition laurin, Innsbruck.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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