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Marlen Schachinger (Hrsg.): Identitäten.

Spuren schreiben – Spuren lesen.
Wien: Edition Atelier, 2011.
151 Seiten; gebunden; Euro 17,90.
978-3-90-2498-49-6.

Link zurLeseprobe

Unter dem Titel „Identitäten“ versammelt die Herausgeberin und Autorin Marlen Schachinger die Texte junger Autorinnen und Autoren, die an der Werkstätte Kunstberufe der Volkshochschule Wien das Handwerk des „Literarischen Schreibens“ erlernen. Der Band ist die Jahresanthologie mit Arbeiten der Kursteilnehmer, ergänzt durch Primärtexte etablierter KollegInnen wie Vladimir Vertlib oder Doron Rabinovici. Zusätzlich beinhaltet der Band Texte des Projekts „Tandem“, bei dem bekannte Autorinnen quasi als Mentoren jüngere Kolleginnen begleiten und zum gleichen Thema schreiben.

Es ist naheliegend, dass sich die Texte vorwiegend um die Literatur selbst drehen beziehungsweise um das Selbstverständnis der Autorinnen und Autoren. Marlen Schachinger reflektiert bereits im Vorwort die vieldiskutierte Frage, ob denn das Schreiben überhaupt erlernt werden kann, weist etwa auf die von verschiedenen Seiten erhobene Kritik an Schreibschulen wie dem Deutschen Literaturinstitut in Leipzig hin und versucht zu erklären, was die Werkstätte Kunstberufe mit ihren Literaturkursen zu erreichen versucht. Vor allem eines, jungen SchriftstellerInnen die Möglichkeit zu geben, das eigene Schreiben zu hinterfragen und an ihren Texten zu arbeiten, dabei aber auch erste Schritte in die Öffentlichkeit zu ermöglichen. Das Buch ist schlicht auch eine Publikation, die einen Einstieg in den Literaturbetrieb ermöglicht. Trotz oder gerade wegen des geschützten Raums der Werkstätte.

Spannend sind auch die von JungautorInnen aufgezeichneten Gespräche mit ihren etablierten KollegInnen, die sich vornehmlich um das Schreiben selbst (bei Andrea Winkler und Lydia Mischkulnig) oder Lektüreerfahrungen und den Literaturbetrieb im Allgemeinen (wie bei Josef Haslinger) drehen. Gerade Josef Haslinger, der seit Jahren literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig unterrichtet, ist ein idealer Wegbegleiter für JungautorInnen, die das Handwerk des Schreibens quasi nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern unter Anleitung erlernen wollen.

Die Texte selbst sind von den Themen her und in ihrer literarischen Ausgestaltung abwechslungsreich und dicht, ein Querschnitt verschiedener Stile und Herangehensweisen und in ihrer Unterschiedlichkeit sehr unterhaltsam und vielfältig. Es handelt sich bei der überwiegenden Mehrheit um kurze Prosastücke, die einzelne Erinnerungsfragmente oder kurze Begebenheiten beschreiben, klassische Kurzgeschichten also, die keineswegs so homogen in ihrem Ton sind, wie man das von Teilnehmern eines Schreibkurses erwarten dürfte. Vielmehr finden die AutorInnen durchaus ihren eigenen Stil, ihren Rhythmus, ihre Sprache.

Aus den Texten sticht vielleicht jener der sehr jungen Autorin Lisa Lackner hervor, ihr Text Anna über einen Pantoffelhelden, der sein Leben dem seiner Ehefrau unterwirft, ist klug und mit Witz geschrieben, in einer schönen und schnörkellosen Sprache und ausgesprochen stilsicher. Spannend auch der Vergleich zum Anna-Text von Renate Welsh.

Marlen Schachinger als Herausgeberin ist mit Identitäten ein ausgewogener Band über das Schreiben, das Lesen und den Literaturbetrieb gelungen, gerade der Rat von Andrea Winkler am Ende des Buches ist vielleicht auch eine Handlungsanleitung zur Lektüre des Buches, denkt man sich einen Lesenden als Adressaten: „Allen Schreibenden rät sie [Andrea Winkler, Anm.], die Frage »Was will ich mit meinem Schreiben?« für sich selbst zu beantworten: »Nicht was die eigene Absicht für den Text betrifft, sondern für das eigene Leben. Wohin soll es gehen?« (S. 143)

Bernd Schuchter
Oktober 2011

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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