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„Immer lebst du am Rand der Welt“. Österreichisches Exil in Island
Zur Erinnerung an Melitta Urbancic (1902 – 1984)

6. Oktober bis 7. Dezember 2011
Literaturhaus, Bibliothek
Seidengasse 13
1070 Wien

Dass Island, Europas zweitgrößter Inselstaat, auch ein Fluchtort vor den Nationalsozialisten war, ist wenig bekannt. Das Wiener Künstlerpaar Melitta Urbancic (1902–1984) – Dichterin, Bildhauerin, Schauspielerin – und Victor Urbancic (1903–1958) – Musikwissenschaftler, Komponist, Dirigent – fand 1938 mit seinen Kindern Zuflucht in Reykjavík und hat das Kulturleben Islands nachhaltig geprägt.

Melitta Urbancic, deren künstlerische Laufbahn unter den Bedingungen von nationalsozialistischer Verfolgung und Vertreibung gewaltsam unterbrochen wurde, kehrte 1945 nicht mehr nach Österreich zurück. Als Autorin ist sie, außer im Kontext der Exilforschung, unbekannt. Gleichwohl verkörpert sie als Lyrikerin, Korrespondentin und Übersetzerin, als Bildhauerin im öffentlichen Raum und nicht zuletzt als Bienenzüchterin in Island beispielhaft einen dem Exil geschuldeten kulturellen Transfer zwischen beiden Ländern.

Die Ausstellung der österreichischen Exilbibliothek im Literaturhaus präsentiert erstmals Dokumente zur Biografie und zum künstlerischen Werk dieser österreichischen Dichterin. Die literarische Beziehung zum George-Kreis und ihre Rezeption der Philosophie von Karl Jaspers werden ebenso beleuchtet wie ihre Freundschaft mit Erika Mitterer und Paula von Preradović. Die unbekannten Gedichte ihrer Sammlung „Vom Rand der Welt“ reflektieren den Verlust von Heimat und Sprache und die pragmatische Anpassung an das fremdartige, karge Exilland. Das bildhauerische Werk ist von Motiven aus der nordischen Mythologie und aus der christlichen Glaubenswelt bestimmt und reflektiert zugleich ihre tiefe Bindung an das Judentum.

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