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Hugo Schanovsky: Mahlers Weg.

Prosagedichte.
Linz, 2010.
103 Seiten; brosch.; 15 Euro.

Link zur Leseprobe

Gustav Mahler war als Dirigent international geschätzt und für jüngere Dirigenten ein Vorbild. Im immer aufrichtigen und wohlwollenden Wien (mit seinem goldenen Herzen) war er nicht nur wegen seines hohen musikalischen Anspruchs verschiedenen Intrigen der Minderkönner ausgesetzt, sondern auch mit dem wachsenden Antisemitismus konfrontiert.
Nach seinem Tod ist er der öffentlichen Wahrnehmung fast abhanden gekommen, weil auch Zeitgenossen und Spätergeborene, die es hätten beeinflussen können, nichts unternommen haben‚ um die Erinnerung an seine Person und die Präsenz seiner Werke zu erhalten. Erst in den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelang es niemand Geringerem, wie man so schön sagt, als Leonard Bernstein, den Komponisten Gustav Mahler der musikinteressierten Öffentlichkeit wieder näher zu bringen.
Leonard Bernstein ist es wohl zu verdanken, dass Gustav Mahlers kompositorisches Werk wieder lebendig ist und dass es biografische sowie bedeutsame kulturhistorische Publikationen in verschiedenen Medien und Textsorten gibt.

Hugo Schanovsky, einer der produktivsten österreichischen Autoren, über den man ebenso behaupten könnte, dass er meist der Unaufmerksamkeit einer breiteren literarischen Öffentlichkeit anheimfällt, und der seit vielen Jahren die lyrische Biographie zum Kernpunkt seines Schaffens macht, hat zum 150. Geburtstag des Komponisten einen Prosagedichteband über ihn veröffentlicht.
Vor dem Mahler-Band hat Schanovsky schon Lyrikbiographien über Bach, Bruckner, Mozart und Schubert, aber auch, beispielsweise, Franz Kafka herausgegeben. Den Bänden ist eines gemeinsam: Mit der Lektüre, die oft lesbarer ist als ein Sachbuch, das vor Fakten strotzt, taucht man in die Welt des Beschriebenen in Versen, die unterhaltend und bisweilen spannend sind, ein. Schanovskys Motto im O-Ton über seine Arbeit ist einfach und einleuchtend: „Die Kleinen wissen, was sie wahrhaft Großen schuldig sind.“ Hier sei noch erwähnt, dass er den Band seiner Ehefrau Dorothea gewidmet hat.

Hugo Schanovsky zeigt „Mahlers Weg“ im Detail „Vom Komponierhäuschen am Attersee an die Carnegie Hall in New York“, wie es im Untertitel heißt, auf, und beginnt die Aufzeichnungen beim „kleinen Gustav“, dem „Sechsjährigen“ (S. 7), der „Stehend./ Dunkler Anzug./ Dunkle Haare“ vor einer Kamera postiert wurde. „Die Schule seines Lebens“ (S. 10) ist eine längere Station, die er als zweites von zwölf Kindern erlebt hat. Bald lesen wir über sein „Erstes Engagement“ im „Augengesundbad Hall“, wo er als Dirigent die Kurkapelle befehligt (S. 15), was nicht lang währt, zumal Gustav Mahler seinen Weg über Ljubljana, Olmütz und Kassel nach Leipzig, Prag und Budapest fortsetzt. Natürlich erkennt die so genannte Welt binnen kurzem, dass er „Ein Mann von Genie“ (S. 23) ist.

Dem lyrischen Biografen bleibt nichts verborgen, auch nicht „Mahlers Muse“ (S. 34) Natalie Bauer-Lechner, die ungeküsst blieb. Andere Träume des Mannes, der immer wusste, was er wollte, gingen in Erfüllung. Vielleicht mit Alma, die später auftaucht. (S. 44.)
Kaum jemand wird sich Mahler vor der Lektüre der Prosagedichte „radelnd“ (S. 40) vorstellen, nach dem Band schon eher, oder als „drolligen Bräutigam“ (S. 46), der Alma Schindler, „das schönste Mädchen Wiens“ (S. 46), erobert.
Wir erfahren, dass Gustav Mahler in einem Kantischen Sinn genau und pünktlich war. Nach dem Philosophen, heißt es gemeiniglich, habe man seine Uhr richten können, über Mahler sagt Schanovsky, er habe wie eine solche funktioniert. Im Band kommen – Strophe für Strophe - noch viele andere Funktionen zutage, Schanovsky hat seinen Mahler gut studiert, ob es nun um körperliche, musikalische oder psychologische Tatsachen geht.

Mit „Mahlers Totenhemd“ (S. 98), „Almas Briefe(n)“ (S. 99) und dem „Nachsterben“ (S. 100) schließt der Band ein bedeutendes Leben ab. Sowohl in Mahlers Dasein als auch in Schanovskys Versen nimmt Alma, die in Wirklichkeit wohl imposant, imponierend und noch vieles andere, was mit dieser Präposition beginnt, gewesen sein muss, großen Raum ein. Und so könnte man berechtigterweise sagen, dass der Autor nicht nur über den Komponisten, sondern auch Alma Mahler-Werfel eine Biographie in Versen verfasst hat.

Janko Ferk
24. Oktober 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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