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Ingeborg Horn: Zwei Stimmen.

Liebesgeschichte.
Graz: Literaturverlag Droschl, 2011.
160 Seiten; geb.; Euro 19,-.
ISBN: 9783854207863.

Link zur Leseprobe

Wer eine seichte, schnell zu lesende Romanze erwartet, eine Lektüre für eine langweilige Zugfahrt etwa, mag von „Zwei Stimmen“ enttäuscht werden. Denn im vollen Zugabteil wird sich der Leser nur schwer in die ersten Seiten von Ingeborg Horns einfühlsamen Werk einfinden. Dazu braucht man Ruhe – um die Bilder auf sich wirken zu lassen, um das Setting zu verstehen, um die Poesie der Sprache aufzusaugen.

Es geht um Liebe und Verlust. Auch das Thema Tod verarbeitet Horn. Sie schreibt nicht nur von der Liebe zu einem Geliebten – sondern auch von der Liebe zu den Künsten. Zu den Büchern etwa, in die sich die Protagonistin als Kind flüchtete.
Während der Zeit der Vereinsamung blieb mir oft nichts als der Zuspruch der Bücher. Als ich ein Kind war, waren sie Fluchtburgen, in die ich mich vor der Welt zurückzog. […] Glaubte ich den Kinderbüchern, schenkte das Leben, auch wenn es schwer war, wenigstens Kindern im Allgemeinen doch ein wenig Geborgenheit. Manchmal schrecklich wenig, aber es genügte.“ (S. 12/13)
Es sind Passagen/Lesediskurse die an Corinna Sorias „Leben zwischen den Seiten“ erinnern mögen, zumal auch hier Winnetou als Beispiel der Kinderlektüre herangezogen wird.
Nicht nur die Literatur spendet Trost. Auch die Musik erfüllt die sich sehnende Protagonistin: Sie will die Kunst des Musizierens beherrschen, doch gibt es kein Regelwerk, um Musik zu lernen. Hier zieht sie die Parallele zur Liebe – denn auch für diese gibt es freilich keine Anleitung. Zu Beginn, noch vor Textbeginn, findet sich eine wichtige Anmerkung, die nicht überlesen werden sollte: Es ist ein Zitat aus dem Drama Peer Gynt:
PEER GYNT. Und weißt du’s gewiß? Für allzeit und immer?
SOLVEIG: Der Weg, den ich nahm, zurück führt er nimmer.

Diese Notiz ist essenziell, um den Text einordnen zu können. Die Protagonistin, die in Horns Werk durch die Wälder streift, ist an die Figur der Solveig angelehnt: Eine Frau, die lange und sehnsüchtig die Rückkehr des Geliebten erwartet. (Ein erklärender Vermerk wurde vom Lektorat auch auf dem Schutzumschlag angeführt.)

In Horns Liebesgeschichte geht es nicht um Adrenalinschübe und Herzrasen, nicht um feuchte Hände und Schmetterlinge im Bauch. Prägend ist das tiefe Verlangen nach dem Geliebten. Ingeborg Horn schafft es, diese Stimmung einzufangen. Die Dichte ihrer Sprache entsteht vor allem durch die Langsamkeit. Behutsam tastet sich die Heldin in der Natur voran, beobachtet Farben, Pflanzen, Geräusche. Immer wieder gibt es jähe Unterbrechungen, Gedankensprünge, die dem Text seine Besonderheit geben.
Die knapp 160 Seiten sind von Melancholie durchzogen, sie bewegen, bestürzen, geben aber dann doch Hoffnung. Denn das Ich strahlt eine ungeheure Stärke aus und nährt sich an dem Du – dem Geliebten, der fern aber im Herzen nah ist.

Horns Stil zeichnet sich durch einen stimmigen Rhythmus aus, häufig arbeitet sie mit Wiederholungen. Es ist eine poetische Sprache, sodass manche der Zeilen für sich wie ein Gedicht zu lesen sind.

Emily Walton
31. Oktober 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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