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Robert Schindel: Man ist viel zu früh jung.

Essays, Reden und Bekenntnisse.
Berlin: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2011.
232 Seiten; Euro 22,90
ISBN: 978-3-633-54254-3

Link zur Leseprobe

Robert Schindel hat mit dem Band „Man ist viel zu früh jung“, dessen Titel ein Zitat von Arthur Schnitzler ist, eine Sammlung von Essays, Reden und Bekenntnissen erstellt, die zwar in ihrer inhaltlichen Uneinheitlichkeit weit auseinander driften, aber eben gerade aus diesem Grund gewissermaßen jenseits von Schindels Primärliteratur die Fülle des gebürtigen Bad Hallers vorstellen und bewahren. Das gemeine Schicksal einer Dankes- oder Gedächtnisrede, deren sich hier etliche finden, ist das schnelle Vergessensein. Der Anlass des Gedächtnisses ist gewürdigt, der Text selbst jedoch, der dieses Gedächtnis stimuliert und umkreist, weist eine kurze Lebensdauer auf.

Die Laudatio auf Edgar Hilsenrath etwa oder die Stellungnahme zur Bücherverbrennung in Salzburg am 30. April 1938 oder auch die Kommentierung von Linz als Kulturhauptstadt 2009 zeigen das Engagement des Autors und rechtfertigen ob ihrer stilistischen Eindringlichkeit und inhaltlichen Zeitlosigkeit den Abdruck in Buchform.
Diese Texte sind manchmal ruhige Mitteilungen von Befindlichkeiten, dann wieder expressionistisch verdichtete Überhöhungen, um der Wahrhaftigkeit willen, und schließlich auch Pamphlete, die sich eines aufklärerischen Auftrags sicher sind. Selbstverständlich spielen bei Schindel in dieser Zusammenstellung die jüdische Kultur bzw. die europäische Geschichte im allgemeinen und die Österreichs insbesondere eine maßgebliche Rolle. Der träge Begriff der Identität wird durch das Prisma der jüdischen Herkunft gebrochen und sichtbar. Im Einzelnen zeigt sich gewissermaßen die Autobiografie einer Epoche. Dies gelingt bei vielen Passagen außerordentlich gut, diese Verknüpfung eines Einzelschicksals mit den gesellschaftlichen Rahmengebungen und mal latent, mal weniger latent präsenten Themen, die eine Generation prägen. Nicht nur Antisemitismus in verschiedenen Erscheinungsformen gehört dazu. Der politisch aktive Autor tritt uns entgegen und mit ihm auch eine kurze Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Hoffnungen (Sozialismus) und Enttäuschungen (Sozialismus), ja fast schon resignativen oder zumindest abgeklärten Sichtweisen.

In dem essayistischen Text „Über die Figur“ begegnet dem Lesenden auch der Lehrer Schindel, der seit 2009 eine Professur an der Wiener Universität für angewandte Kunst inne hat und literarisches Schreiben oder vielmehr die dafür nötigen Ingredienzien vermittelt. Hier zeigt sich anschaulich, wie es in der Werkstatt des Schreibenden zugehen mag, in welchen Nahkampf der Autor und seine Protagonisten treten, welche Zugeständnisse manchmal notwendig sind, damit die Fiktion nicht rebelliert und dem Autor seine Identität raubt.

Bücher wie dieses zeigen das Alter eines Schreibenden an. Sie haben – ob sie das beabsichtigen oder nicht – einen retrospektiven Charakter. Sie ergänzen oder vielmehr runden das Schreiben Schindels ab, wahren das Flüchtige. Es ist jedoch zu hoffen, dass eine Werkschau noch warten lässt – denn eine solche wird fast immer posthum erstellt.

Alexander Peer
9. November 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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