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Gregor Lepka: An der Zeit vorbei.

Gedichte.
Wels: Mitter Verlag, 2011.
124 S., geb., Eur 18,70.
ISBN 978-3-9502828-7-0.

Link zur Leseprobe

Gregor M. Lepka zählt zu den wichtigsten Vertretern der heimischen Lyrik und ist nun mit einer neuen, umfangreichen Sammlung seines dichterischen Schaffens an die Öffentlichkeit getreten. Die vom Welser Mitter Verlag besorgte gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ist ebenso gefällig wie handlich und eignet sich daher bestens als Vademekum für unruhige Zeitgenossen, als stets griffbereiter Reisebegleiter und Weggefährte in der Tiefe der Rocktasche.
An der Zeit vorbei
gliedert sich in drei Kapitel, die Gedichte von 2009/10 sowie Hommagen und Repliken auf Gedanken des israelischen Aphoristikers und Poeten Elazar Benyoëtz versammeln. Ein fein gesponnenes Nachwort von Christian Teissl rundet das Bändchen ab und erweist sich seinerseits als kollegiale Reverenz, die manchen Hinweis für jene Leser birgt, die nach Sinn oder gar Verbindlichkeit heischen.

Lepkas Lyrik atmet diese Sehnsucht nach Klarheit, vielleicht auch festem metaphysischem Boden, denn immer wieder taucht der „Nebel“ als poetisches Bild auf, verstummt das Gespräch, bannt Dunkel die forschenden Gefühle. „Abseits der gangbaren Wege/liegt wo ein Nest“, heißt es daher getreu dieser Poetik, die nie mit bedeutungsschwangerer Verskunst liebäugelt und sparsam Wort an Wort knüpft.
Auch sieht der Dichter weitgehend von seiner Person ab, nimmt zwar Krankheit und die Erfahrung des Alterns zur Kenntnis, lässt es aber bei diskreten Seitenblicken bewenden. Lepka braucht weder sich noch seine Sujets auszuschlachten, weil er um die Grenzen des Sagbaren weiß, ohne jedoch daran zu verzweifeln. Selbst wenn „ein Griff ins Leere alles ist“, gilt es, das beharrliche Werk der Dichtung im Angesicht der Vergänglichkeit fortzuführen. So ist es, so soll es sein, und bisweilen taucht aus einer melancholischen Stimmung ein tiefes Einverständnis mit der conditio humana auf, das sich wohltuend über die Textoberfläche ausbreitet. Die Natur mit ihren vielfältigen Erscheinungen kommt dem Auge des lyrischen Beobachters dabei immer wieder tröstend zu Hilfe. So lösen sich Vögel mit gleichsam didaktischem Eifer aus dem Wortgeflecht, schwingen sich kühn empor, steigen auf und sind allzeit „bereit/zum Absturz/wo so ein Sterben doch einfach ist“.

Beim Betrachten der entfernten gefiederten Verwandten flammt Sehnsucht nach fremden Orten auf, die vor allem im zweiten Abschnitt dominieren, wo Lepka Dichtern, Schriftstellern und Freunden lyrische Grüße entbietet, welche auf unsichtbare Weise eine Brücke zu den Angesprochenen schlagen. Der poetische Zuruf gilt dabei auch dem Rezipienten, ja er richtet sich an jeden, wenn es lakonisch heißt: „Aufgebrochen/und nie mehr/eine Heimat/gefunden.“
Lepkas Hommagen-Serie steigert sich im letzten Kapitel zu einem wahrhaften Wechselgesang, bei dem Elazar Beyoëtz ein aphoristisches Thema vorgibt, das der Autor aufgreift und auf seine ihm gemäße Art variiert und verdichtet, wodurch die sowohl geistige als auch stilistische Verwandtschaft in einem anhaltenden Kreisen um die zentrale Frage nach dem Wesen der Sprache offenbar wird.

Es wäre voreilig, von dieser Lyrik, die, wie in einer Hommage angedeutet wird, immer wieder über „ihre Materialität“ staunt und über diesem Geschäft fast auf das politische oder soziale Tagesgeschehen vergisst, auf eine basale Introvertiert zu schließen. Der Dichter ist jedenfalls klüger, denn er weiß, „die Ironie der Ereigniswelt/mündet in die Hoffnung“ und zielt „auf das Vergnügen, nie wirklich zu sein,/auf das dezente Verschwinden.“
Solcherart betrachtet käme Lepkas Dichtung einer Einübung in die hohe Kunst gleich, sich an die Peripherie zu begeben, „auf dem kaum noch begehbaren Weg“ kleiner und kleiner zu werden, um endlich unsichtbar zu sein.

Walter Wagner
20. November 2011

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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