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Manfred Engel, Bernd Auerochs (Hrsg.): Kafka-Handbuch

Leben – Werk – Wirkung.
Stuttgart-Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2010.
Gebunden; 561 Seiten; 49,95 Euro.
ISBN 978-3-476-02167-0.

Franz Kafka ist ohne Zweifel der wirkungsmächtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Es vergeht kein Tag, an dem in der Welt nicht ein Artikel, Essay oder Buch über ihn erscheint, was heute mit den verschiedenen Suchmaschinen leicht überprüfbar ist. Allein eine aufmerksame Lektüre der österreichischen Printmedien ergibt, dass man täglich auf die Wörter Kafka, kafkaesk, Josef K. oder ähnliche Kombinationen stößt. Kafka – semper et ubique! In den USA wird sogar ein eigenes Magazin über den Schriftsteller und sein Werk herausgegeben, nämlich das „Journal of The Kafka Society of America“ der verdienstvollen austro-amerikanischen Germanistik-Professorin Maria Luise Caputo-Mayr. Mit ein bisschen Glück werden Sie einmal eine Stadt besuchen, in der sie durch eine Kafka-Gasse oder -Straße gehen oder auf einem Kafka-Platz stehen können.

„Bestandsaufnahmen“ im prädigitalen Zeitalter haben ergeben, dass in der „akademischen Kafka-Industrie“ (© Friedrich Beißner) schon bis zum Jahr 1977, wie Theo Elm damals in einem Vortrag in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar resümierte, 11.000 (!) „Experten-Meinungen“ erschienen waren, unter anderem von Albert Camus, Elias Canetti, Klaus Hermsdorf, Heinz Politzer, Walter H. Sokel, Klaus Wagenbach und einer Reihe anderer Größen, wobei hier noch auf die französische Kafka-Rezeption mit Gilles Deleuze und Félix Guattari („Kafka. Pour une littérature mineure“, 1974) verwiesen sei, nach der Quantensprünge nicht wirklich erreicht wurden.
Bannend ist Franz Kafka bis heute, und zwar wohl mit seiner in eine eigene Welt transportierten Alltagswahrnehmung, die – von mir aus – zwischen der Schuld des Einzelnen und der – nach Kafka – nicht zu erreichenden Gerechtigkeit angesiedelt ist. Dieser Zielkonflikt trägt offensichtlich zum nicht versiegenden Interesse an diesem genialen Juden aus Prag bei, dessen Werk als Inbegriff des Mehrdeutigen und schlechthin als Musterfall der ästhetischen Moderne gilt.

Über Franz Kafka sind naturgemäß bereits Handbücher erschienen, erwähnt sei beispielsweise Hartmut Binder. Manfred Engel und Bernd Auerochs haben also das Kafka-Nachschlagewerk nicht erfunden, sie führen jedoch eine Tradition weiter, und zwar auf sehr hohem Niveau.
Dieses Handbuch verortet Kafkas Schriften in diversen Kontexten, wie dem „Prager Kreis“, dem Judentum und Zionismus, der Philosophie, Psychoanalyse sowie der Fotografie und dem Film, dem sein großes Interesse galt. Dabei werden Werkstrukturen, Schreibweisen und Themen aufschlussreich und nachvollziehbar analysiert, obwohl die Interpretationsmöglichkeiten, wie allenthalben betont wird, schier unerschöpflich sind. Die komprehensiven Analysen der Autorinnen und Autoren, zu denen die Herausgeber selbst und neben anderen auch die österreichischen Kafka-Forscher Hans Helmut Hiebel und Vivian Liska zählen, sind schlüssig.
Im Hauptteil des 560-Seiten-Handbuchs werden alle großen Werke und Fragmente sowie Tagebücher und Briefe mit genauen Textbeschreibungen und Interpretationen auf dem Stand der heutigen Forschung vorgestellt. Berücksichtigt wurden auch wissenschaftliche Arbeiten neueren Datums, was für andere Herausgeber nicht immer selbstverständlich zu sein scheint.

Der Aufbau dieses Werks folgt dem bewährten und in der Wissenschaft bekannten Muster der Personen-Handbücher aus dem Metzler Verlag. Der gemeinte Aufbau steht im Untertitel, „Leben – Werk – Wirkung“, wobei hier auf die „Wirkung“ größtenteils bewusst verzichtet wird, weil sie „einfach zu umfassend“ ist, wie die Herausgeber konstatieren. Dieser Ansicht ist auch nicht zu widersprechen.
Das Handbuch ist in vier Abteilungen gegliedert und befasst sich mit „Leben und Persönlichkeit“, es werden „Einflüsse und Kontakte“ untersucht, die „Dichtungen und Schriften“ sind sozusagen das Eingemachte und der Abschnitt „Themen, Strukturen, Schreibweisen“ gibt formale Aspekte wieder.
Im Anhang werden die wichtigsten Ausgaben und Hilfsmittel der Kafka-Forschung vorgestellt. Es folgt ein umfassendes Literaturverzeichnis mit wissenschaftlicher Vollständigkeit in Bezug auf die Relevanz der erwähnten Werke. Die Beiträge des Handbuchs werden durch ein Personen- und Werkregister erschlossen, das das Navigieren beim Studium wesentlich erleichtert.
Nicht unerwähnt sei, dass der Verlag ein vorbildhaft ediertes und gedrucktes Werk vorgelegt hat, wobei schon das äußere Erscheinungsbild zum Lesen und Studieren anregt beziehungsweise einlädt.

Janko Ferk
8. Dezember 2011

Manfred Engel, Bernd Auerochs (Hrsg.): Kafka-Handbuch

Leben – Werk – Wirkung.
Stuttgart-Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2010.
Gebunden; 561 Seiten; 49,95 Euro.
ISBN 978-3-476-02167-0.

Franz Kafka ist ohne Zweifel der wirkungsmächtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Es vergeht kein Tag, an dem in der Welt nicht ein Artikel, Essay oder Buch über ihn erscheint, was heute mit den verschiedenen Suchmaschinen leicht überprüfbar ist. Allein eine aufmerksame Lektüre der österreichischen Printmedien ergibt, dass man täglich auf die Wörter Kafka, kafkaesk, Josef K. oder ähnliche Kombinationen stößt. Kafka – semper et ubique! In den USA wird sogar ein eigenes Magazin über den Schriftsteller und sein Werk herausgegeben, nämlich das „Journal of The Kafka Society of America“ der verdienstvollen austro-amerikanischen Germanistik-Professorin Maria Luise Caputo-Mayr. Mit ein bisschen Glück werden Sie einmal eine Stadt besuchen, in der sie durch eine Kafka-Gasse oder -Straße gehen oder auf einem Kafka-Platz stehen können.

„Bestandsaufnahmen“ im prädigitalen Zeitalter haben ergeben, dass in der „akademischen Kafka-Industrie“ (© Friedrich Beißner) schon bis zum Jahr 1977, wie Theo Elm damals in einem Vortrag in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar resümierte, 11.000 (!) „Experten-Meinungen“ erschienen waren, unter anderem von Albert Camus, Elias Canetti, Klaus Hermsdorf, Heinz Politzer, Walter H. Sokel, Klaus Wagenbach und einer Reihe anderer Größen, wobei hier noch auf die französische Kafka-Rezeption mit Gilles Deleuze und Félix Guattari („Kafka. Pour une littérature mineure“, 1974) verwiesen sei, nach der Quantensprünge nicht wirklich erreicht wurden.
Bannend ist Franz Kafka bis heute, und zwar wohl mit seiner in eine eigene Welt transportierten Alltagswahrnehmung, die – von mir aus – zwischen der Schuld des Einzelnen und der – nach Kafka – nicht zu erreichenden Gerechtigkeit angesiedelt ist. Dieser Zielkonflikt trägt offensichtlich zum nicht versiegenden Interesse an diesem genialen Juden aus Prag bei, dessen Werk als Inbegriff des Mehrdeutigen und schlechthin als Musterfall der ästhetischen Moderne gilt.

Über Franz Kafka sind naturgemäß bereits Handbücher erschienen, erwähnt sei beispielsweise Hartmut Binder. Manfred Engel und Bernd Auerochs haben also das Kafka-Nachschlagewerk nicht erfunden, sie führen jedoch eine Tradition weiter, und zwar auf sehr hohem Niveau.
Dieses Handbuch verortet Kafkas Schriften in diversen Kontexten, wie dem „Prager Kreis“, dem Judentum und Zionismus, der Philosophie, Psychoanalyse sowie der Fotografie und dem Film, dem sein großes Interesse galt. Dabei werden Werkstrukturen, Schreibweisen und Themen aufschlussreich und nachvollziehbar analysiert, obwohl die Interpretationsmöglichkeiten, wie allenthalben betont wird, schier unerschöpflich sind. Die komprehensiven Analysen der Autorinnen und Autoren, zu denen die Herausgeber selbst und neben anderen auch die österreichischen Kafka-Forscher Hans Helmut Hiebel und Vivian Liska zählen, sind schlüssig.
Im Hauptteil des 560-Seiten-Handbuchs werden alle großen Werke und Fragmente sowie Tagebücher und Briefe mit genauen Textbeschreibungen und Interpretationen auf dem Stand der heutigen Forschung vorgestellt. Berücksichtigt wurden auch wissenschaftliche Arbeiten neueren Datums, was für andere Herausgeber nicht immer selbstverständlich zu sein scheint.

Der Aufbau dieses Werks folgt dem bewährten und in der Wissenschaft bekannten Muster der Personen-Handbücher aus dem Metzler Verlag. Der gemeinte Aufbau steht im Untertitel, „Leben – Werk – Wirkung“, wobei hier auf die „Wirkung“ größtenteils bewusst verzichtet wird, weil sie „einfach zu umfassend“ ist, wie die Herausgeber konstatieren. Dieser Ansicht ist auch nicht zu widersprechen.
Das Handbuch ist in vier Abteilungen gegliedert und befasst sich mit „Leben und Persönlichkeit“, es werden „Einflüsse und Kontakte“ untersucht, die „Dichtungen und Schriften“ sind sozusagen das Eingemachte und der Abschnitt „Themen, Strukturen, Schreibweisen“ gibt formale Aspekte wieder.
Im Anhang werden die wichtigsten Ausgaben und Hilfsmittel der Kafka-Forschung vorgestellt. Es folgt ein umfassendes Literaturverzeichnis mit wissenschaftlicher Vollständigkeit in Bezug auf die Relevanz der erwähnten Werke. Die Beiträge des Handbuchs werden durch ein Personen- und Werkregister erschlossen, das das Navigieren beim Studium wesentlich erleichtert.
Nicht unerwähnt sei, dass der Verlag ein vorbildhaft ediertes und gedrucktes Werk vorgelegt hat, wobei schon das äußere Erscheinungsbild zum Lesen und Studieren anregt beziehungsweise einlädt.

Janko Ferk
8. Dezember 2011

 



 

 


 

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