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Paulus Hochgatterer: Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe.

Vorlesungen, Reden und Aufsätze.
Wien: Deuticke, 2012.
208 Seiten; Euro 18,90.
ISBN: 978-3-552-06182-8.

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Seine Erfahrungen als Kinderpsychiater hat Paulus Hochgatterer nicht nur als Autor von Erzählungen und Romanen genutzt, sondern sie auch generell in Bezug zur Literatur gesetzt. Davon zeugen die im Herbst 2010 gehaltenen Zürcher Poetikvorlesungen des gebürtigen Amstettners, die den Kern dieser Publikation ausmachen und Argumente liefern für eine Notwendigkeit über Kinder zu schreiben. Hochgatterer formuliert darin neun poetologische Grundfiguren, die Kind und Sprache in Verbindung setzen. Die Klammer, die Hochgatterer setzt, ist insofern kindheitsspezifisch, als sie das Bedürfnis zum Erzählen zu kommen anschaulich macht.
Der Autor schildert etwa die Ambivalenz der Geburt, die von allen zu Zeugen gewordenen Erwachsenen als Ereignis in Erinnerung bewahrt bleibt, während der/die neu Geborene ein Leben lang vergeblich eine bewusste Brücke zu seinem/ihrem Eintritt ins Leben sucht. Die Notwendigkeit über Kinder zu schreiben steckt nicht nur, aber eben auch in diesem Mangel an Bewusstsein über die ersten Lebensjahre. Ein Kind ist da, ein Kind spricht, ein Kind erzählt, lauten die ersten drei Stufen von Hochgatterers Poetologie des Kindseins.
Man könnte behaupten, dass die Literatur erst mit seiner vierten poetologischen Grundfigur beginnt: Ein Kind schreit. Im Schrei selbst wird etwas Körperliches deutlich, auch ein Zuhörender nimmt den Schrei eines anderen meist körperlich intensiv wahr. Das Pendant zum Schreien ist das Verstummen, Verstummen als Haltung zur Welt, die letztlich doch keine Spielfläche bietet. Der letzte Akt des Verstummens ist schließlich der Tod. Weiter beschreibt Hochgatterer das Lesen, Zuhören und Spielen als Varianten der aktiven Weltbegegnung. Der Gestus dieser Vorlesungen ist durch Anekdoten und Exkurse aufgelockert und liefert ein stimmiges und anregendes Bild über den „Krieg der Knöpfe“. Das ist im übrigen der Titel eines französischen Films von Yves Robert aus dem Jahr 1962, auf den Hochgatterer wiederholt Bezug nimmt.

Zusätzlich zu den Poetikvorlesungen sind in dem Band Reden und Aufsätze versammelt. Solche Sammlungen sind gerade deshalb wertvoll, weil sie der Flüchtigkeit von Reden oder Vorlesungen das letztlich bescheidene, aber unvermindert wirksame Ewigkeitsgelübde entgegen setzen, das mit der Publikation eines Buches verbunden ist. Einer Kritik muss sich dieser Band jedoch stellen, denn gerade die Wiederholung von Inhalten tut der Sache nichts Gutes. Die zweifelsfrei interessante Interpretation der Metaphorik, die Hochgatterer leistet, findet sich in diesem Buch dreimal in abgewandelter Form. Hier etwas wegzulassen hätte mehr Stringenz und Zugkraft erzeugt. Die Erstfassung beispielsweise von „ursprünglicher Versuch über den Krieg der Knöpfe“ wäre in einer textkritischen Reihe viel besser aufgehoben als in einem Buch, das sich primär an nichtwissenschaftliche Leserinnen und Leser richtet.

Alexander Peer
5. März 2012

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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