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Klaus Ebner: Dort und Anderswo.

Essays.
Wels: Mitterer Verlag, 2011.
185 Seiten; gebunden; Euro 19,80.
ISBN 987-3-9502828-9-4.

Link zur Leseprobe

In seinem Essayband Dort und Anderswo entführt uns Klaus Ebner auf erfrischende Weise an die Orte seiner zahlreichen Reisen. Dabei besuchen wir unter anderem Tschechien, Italien und die USA. Den Großteil des Bandes nehmen allerdings diverse Schauplätze in seinem merklich geliebten Katalonien ein.
Auf
Orte fällt mir stets Worte ein. Weil ich den Besuch eines anderen Ortes oft in Worte kleide, denn ohne Worte wüsste ich das Gefühl, das ich dort, wo ich bin, empfinde, nicht zu beschreiben.

Das in 20 Essays aufgeteilte Werk liest sich wie ein Reisetagebuch, in dem der Schriftsteller auch persönliche Gedanken und Geschehnisse eingefangen hat. Gleich im ersten Kapitel beschreibt er die Besonderheiten dieser höchst fruchtbaren Verbindung von Autor und Reisendem. Er verknüpft seine Reiseerzählungen mit persönlichen Anekdoten, wodurch es nicht einfach bei objektiven und sachlichen Berichten bleibt. Vielmehr bieten die Essays eine heitere und informative Art, sich nicht nur den besten Sehenswürdigkeiten einer Region zu widmen, sondern auch in die Literatur, Sprache, Kultur, Geschichte und Politik eines Volkes einzutauchen. Eingebettet sind die Berichte in eine pointierte Sprache, die in jeder Zeile die Leidenschaft des Autors für das Erlebte spürbar macht.

Auf diese Weise bekommt man bei der Lektüre des Buches nicht nur Lust, in die beschriebenen Regionen zu reisen, sondern auch ihre (bisher eher unbekannte) Literatur zu entdecken. Seine Lektüre des katalanischen Ritterepos Tirant lo Blanch von Joanot Martorell schildert Klaus Ebner mit solchem Enthusiasmus, dass man sich des Gedankens kaum erwehren kann, besagtes Werk auch einmal lesen zu müssen. Das Buch, das aus dem späten Mittelalter stammt und vielen Experten als Vorlage für Cervantes' Don Quichote gilt, wird vom Autor für seine lebendige Sprache und herausragende Komik gelobt, die es auch nach mehr als 500 Jahren immer noch zu einem Lesespaß erster Güte machen. Es erzählt die Geschichte des Ritters Tirant, der quasi im Alleingang das gesamte Abendland rettet und gegen Ende auch noch die schöne Tochter des Kaisers von Byzanz ehelichen soll, wozu es jedoch nicht mehr kommt, da der Protagonist nur wenige Stunden vor der Hochzeit an einer Beinverletzung stirbt, die er sich beim Sturz von einer Wäschetruhe zugezogen hat. Die Handlung selbst klingt parodistisch und banal. Der eigentlichen Charme des Werks liege jedoch nicht unbedingt in der Story selbst, sondern in der Sprache, den historischen Bezügen sowie in den psychologischen Feinheiten verborgen. Schließlich war Byzanz zu jener Zeit für die christliche Welt bereits verloren und das Rittertum im Niedergang begriffen. Martorell versuchte sich in systematischer Aufmunterung, indem er in seinem Werk den Spieß einfach umdrehte. Wer sich nicht auf das Lesen in katalanischer Sprache versteht, dem legt Ebner ohne zu zögern die großartig gelungene Übersetzung ins Deutsche nahe.
Wer also glaubt, sich mit der europäischen Literatur bestens auszukennen, wird staunen angesichts der zahlreichen empfohlenen katalanischen Schriftsteller. In ihrer Heimat genießen Autoren wie Josep Pla i Casadevall, Mercè Rodoreda und Montserrat Roig große Bekanntheit und Aufmerksamkeit, doch hierzulande müsste man, um sie zu kennen, schon Romanistik mit Schwerpunkt Katalanisch studiert haben.

Der Autor will mit seinem Buch nicht nur neugierig machen, sondern sein Lesepublikum auch mit ganz persönlichen Gedanken zu Europa und aktuellen politischen Ereignissen konfrontieren. Wenn er beispielsweise mit aller Ernsthaftigkeit die zwar nicht mehr gesetzlich festgelegte, aber sozial immer noch vorhandene Rassenbenachteiligung zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung in North Carolina anspricht. Ebenso äußert er seinen Wunsch nach mehr Fatwas (islamischen Rechtsgutachten) aus den Reihen der muslimischen Religionsführer, die den Hass und den Dschihadismus gegen die so genannte westliche Welt verurteilen.

Dort und Anderswo ist ein Reisebericht, eine scharfsinnige Beobachtungsstudie von Menschen und Regionen, ein Kultur-, Literatur- und Sprachführer sowie eine Liebeserklärung an Katalonien, die aufrichtiger und eindringender kaum sein könnte.

Evelyn Kraut
8. März 2012

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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