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Monika Helfer: Die Bar im Freien.

Aus der Unwahrscheinlichkeit der Welt.
Wien: Deuticke Verlag, 2012.
288 Seiten; geb.; Euro 20,50 (A).
ISBN 978-3-552-06190-3.

Link zur Leseprobe

Wenn ein Buch über 100 Kurz- und Kürzestgeschichten enthält, bräuchte es mehr als eine einzige Rezension. Denn schon nach wenigen Seiten wird klar: Über einen Kamm scheren lassen sich die Kurzgeschichten in „Bar im Freien“ nicht.
Nach ihrem Roman Bevor ich schlafen kann (2010) legt Monika Helfer nun eine umfassende Sammlung an Texten vor – auf knapp 280 Seiten. Viel Platz verschwendet wird dabei nicht. Anders als manch andere Story-Sammlungen, die großzügig gesetzt sind, wird hier nicht jedes Mal ein Seitenumbruch verwendet, um die nächste Geschichte anzufügen. Gleich noch auf der selben Seite soll es weitergehen. Als Leser kippt man sofort in die nächste Geschichte. Das ist gut so. Denn Monika Helfer hat viel zu erzählen: Die Geschichten – sie heißen etwa Rede an die Deckenlampe, Blaue Pflaumen oder Ich habe doch nur Halsweh – werden zu Kapiteln/Blöcken gebündelt. Keineswegs sollen die Texte damit thematisch schubladisiert werden – dazu sind die Gruppierungen zu weit gefasst (Verbrecherkartei oder Böse Zeichen etwa).

Aber auf die Titel achtet der Leser ohnehin bald nicht mehr. Zu stark sind die Geschichten. Da der Großteil der Texte nur zwei, maximal drei Seiten umfasst (Ausnahme: der namengebende Abschnitt „Die Bar im Freien“), ist der Leser schnell am Ende einer Geschichte angelangt. Und er will mehr. An einem gemütlichen Leseabend oder auf einer längeren Zugfahrt werden bald an die 30 Geschichten verschlungen. Die Frage poppt auf: Was hat man denn nun genau gelesen? Die „Gefahr“ eines solch dichten Kurzgeschichtenbands liegt darin, dass nicht jeder Text hängenbleibt. Das wäre auch schier unmöglich. So erinnert man sich an gewisse Lieblingsgeschichten: Etwa an zwei Getrennte, die sich nach elf Jahren wieder treffen. An eine alleinstehende Frau, die im Internet auf einen Mann hineinfällt, der sich als gut situiert ausgibt. An einen Erfinder, der von seiner Leidenschaft besessen ist, aber nur schaffen kann, wenn seine Frau in seiner Nähe ist.
Natürlich, jedem wird eine andere Geschichte in Erinnerung bleiben. Die Vielfalt ist groß, wenngleich die Protagonisten immer wieder gemeinsame Merkmale und Charakterzüge aufweisen: Häufig sind es Menschen, die sich nach etwas oder jemandem sehnen. Es sind mitunter auch Einsame und Verwirrte dabei. Auch solche, die verloren erscheinen, verlassen worden sind. Besonders stark etwa sind die Passagen über eine Mutter, deren Tochter viel zu früh gestorben ist.

Einer bestimmten Generation lassen sich die Figuren nicht zuordnen: Es gibt Junge und Alte, Großmütter und Enkelinnen, Arme und Reiche, extrovertierte Figuren und solche, die nur in virtuellen Welten – also vor dem Computer – leben. In einigen Passagen lässt die Autorin unterschiedlichste Welten aufeinander prallen.
Monika Helfer schreibt schnörkellos, präzise und immer auf ein Ziel hin. Genau damit fesselt sie den Leser. In ihren Texten bleibt sie freilich nicht an der Oberfläche – sie bewegt sich auch in Themengebieten, die allzu oft tabuisiert werden: In einer Geschichte geht ein Mädchen zum Hausarzt. Was so harmlos beginnt, endet mit sexuellem Missbrauch.

Das reale Leben mag für viele Geschichten als Vorlage gedient haben. Es gibt Texte, die eine Schriftstellerin zur Heldin haben, also im Autorenmilieu spielen. Und auch Texte, die in Helfers Heimat Vorarlberg angesiedelt sind. Aber die Autorin beweist auch, dass sie sich in einer Fantasiewelt zurechtfinden kann: So gibt es etwa ein kleines, surreales Männlein, das wie aus dem Nichts auftaucht und seinen Schirm nicht aufspannen will. Dieses Abdriften ins Fantastische – in eine Art Märchenwelt – verleiht der Sammlung einen besonderen Zauber. Dem Alltag wird das Schwere genommen. Wie schön wäre es, wenn man im echten Leben den Diebstahl des eigenen Autos und der Kreditkarte leichtfertig hinnehmen könnte. Schlicht und einfach mit einem Besuch im Heimwerkermarkt und mit einem „So endet diese Geschichte.“

Emily Walton
26. März 2012

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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