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Leseprobe: Harald Schwinger - Zuggeflüster.

„Was soll ich tun?“, fragt Salm.
„Du musst die Schienen zerstören“, antwortet Daviid.
„Du musst die Züge zum Entgleisen bringen. Sie sind schuld an allem Unglück.“
Es ist verrückt, denkt Salm. All die Jahre war er wie gelähmt, unfähig eine Arbeit anzunehmen, unfähig, eine Familie zu gründen, unfähig, einmal, nur ein einziges Mal glücklich zu sein. Und die Schuldigen daran, waren da draußen, direkt vor seiner Nase. Donnerten Tag für Tag und Nacht für Nacht an ihm vorbei, erschütterten sein Haus, weckten Tag für Tag und Nacht für Nacht die schrecklichen Bilder in ihm, und er? Er hat es nicht erkannt, hat den Schuldigen freie Hand gelassen, damit sie ihr Spiel fortführen konnten. Und plötzlich ist alles so klar, so einfach.
Salm ist so erregt, dass er nicht mehr ruhig sitzen kann. Er springt auf und läuft in der Küche auf und ab. Wie hat er nur all die Jahre so blind sein können? Wie oft ist er wie versteinert auf seiner Terrasse gesessen und hat die Züge, diese Mörder, beobachtet, wie sie an ihm vorbeigeflitzt sind. Ihn ausgelacht haben wahrscheinlich, weil er so dumm war, so einfältig.
Salm bleibt abrupt stehen und lauscht.
„Da kommt er, der Vieruhrfünfundvierzig!“
Noch nie in seinem Leben hat Salm solch eine Verachtung für etwas in sich gespürt. Und jetzt kann er es genau hören. Es ist kein Grollen und Donnern, wie er immer geglaubt hat. Es ist ein Lachen! Ein tiefes, dunkles, höhnisches Lachen. Da fahren die Mörder an ihm vorbei und lachen ihn aus, ihn, Salm, der blind und taub ist.

(S. 112)

© 2011 edition meerauge, Klagenfurt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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