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Dossier: Werner Kofler 1947-2011.

Kolik.
Zeitschrift für Literatur. Nr. 55/2012, S. 4-64.
ISSN 1560-6775.

Viele Texte Werner Koflers sind im Lauf der Jahre in der Literaturzeitschrift Kolik von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl erschienen, es ist also ein würdiger Ort, dem am 8. Dezember 2011 verstorbenen Autor ein publizistisches Denkmal zu setzen. Die sechs Beiträge tun das auf unterschiedliche, aber gleich überzeugende Art und Weise.

Als Koflers publizisitisches Leben begleitender Literaturwissenschaftler eröffnet Klaus Amann mit einem seiner bekannt dichten und in ihrer Nähe und Verbundenheit mit dem Autor beinahe schmerzhaften Texte. Er setzt ein mit der letzten gemeinsamen Lesung der beiden krebskranken Autoren-Freunde Gert Jonke und Werner Kofler am 4. Dezember 2008 im Kunstverein Kärnten. Beide, Jonke wie Kofler, haben nicht jene Anerkennung und jene Position in der Hackordnung des Literaturbetriebs bekommen, die ihnen zugestanden wäre. Das hat mit Generationsablösen bei AutorInnen wie KritikerInnen zu tun, mit Fragen der Selbstpräsentation und mit zeitgeistigen Geschmacksentwicklungen. Dass der Rückblick der Literarhistorie diese und andere Irrtümer zurecht rücken wird, sollte man sich als perspektivische Denkoption nicht rauben lassen.
Amann arbeitet in seinem Beitrag Lebensthemen und Werkkonstanten Werner Koflers heraus, eine davon greift der letzte Beitrag von Thomas Ballhausen auf mit einer feinen und sorgfältigen Analyse von Koflers einziger Film-Arbeit, dem Kurzfilm „Im Museum“ aus dem Jahr 1993, der 2001 als Nr. 193 der Edition „Der österreichische Film/Edition Der Standard“ wieder zugänglich gemacht wurde. Ballhausen liest den Film, „in dem die Wirklichkeit vorauseilend zur Kenntlichkeit entstellt“ (S. 46) wird, parallel mit Aain Resnais' „Nuit et brouillard“ aus dem Jahr 1955 und daraus, verbunden mit der Rezeptions und Editionsgeschichte, ergeben sich ganz eigene Koordinaten zum Thema Umgang mit der NS-Vergangenheit.

Antonio Fian widmet seinem Autorenkollegen ebenso einen Beitrag wie Elfriede Jelinek, die von einem „Verbrechen der Nichtbeachtung durch den Literaturbetrieb“ (S. 15) spricht, der an Werner Kofler verübt worden ist, einem Autor, der braune wie blaue Untiefen seiner Kärntner Heimat „in einem Wutmarsch aufzurühren“ verstand wie keiner, „und er hat es immer getroffen“ (S. 15).

Etwas nüchtern aber überaus informativ berichtet sein französischer Übersetzer Bernard Banoun von seinen Erinnerungen und zeichnet damit auch ein Bild von der Außenwahrnehmung Werner Koflers, die immer auch Momente des Korrektivs enthält. Die lapidare Feststellung, dass der Rowohlt Verlag nach der Trennung von seinem Autor nicht einmal mehr dessen Adresse wußte, oder die Tatsache, dass Koflers ehemaliger Lektor bei Rowohlt im Frühling 2006 vom Tod Koflers erzählte, damit aber jenen von Gerhard Kofler meinte, ergeben kleine Bausteine zu Koflers spezifischem Rezeptionsmissgeschick.

Im ebenfalls abgedruckten Nachruf von Christine Lecerf in „Le Monde", übersetzt von Karin Fleischanderl, ist zu lesen: „Werner Kofler ist gestorben, bevor er den Gipfel erreichen konnte, von einer heimtückischen Krankheit hinweggerafft.“ (S. 43) Auch Außenperspektiven müssen nicht immer richtig sein.

Beigegeben sind dem Dossier vier Faksimiles aus Koflers Werknachlass, und der Rest des Heftes – im übrigen wie immer auch druckästhetisch eine Augenweide – zeigt das Leben: es geht weiter. „Die Literatur aus der Schweiz“, die den Hauptteil des Heftes füllt, geht ebenso weiter wie jene in Österreich; vielleicht am besten zu Kofler passt Peter Bichsels Bild vom Schiff im Hafen von Bern, oder Robert Schindels Gedicht „Beim Besilben“. Aber lesenswert ist natürlich auch alles drumherum.

(red)
19. April 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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