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Leseprobe: Liesl Ujvary - Das Wort Ich.

Welche Absichten verfolgt diese Sprache?
Sie reagiert offenbar nur mit einem lebenden intelligenten Organismus, der daraufhin sowohl zu ihrem Wirt als auch zu ihrem Meister wird.
Die Technik, die sich aus dieser Verbindung entwickelt, tritt in Form von Myzelien auf.
Sprachmyzelien sind fähig, alle Lebewesen auf die gleiche Art zu beherrschen.
Falls es der Benutzer nicht schafft, die Myzelien seiner Kontrolle zu unterwerfen, wird letztlich er benutzt, als bloße Komponente absorbiert.
Wie sieht es aus, dieses Wort, die lenkende künstliche Intelligenz?
Man findet hier wenig Interessantes.
Oder ich gebe diese Konstruktion auf, die mir seit meiner Geburt als Körper dient und überlasse sie den automatischen Systemen.
Ich habe gerade eine Nachricht erhalten.
Feindlicher Kontakt!
Station wir evakuiert.
Sämtlicher Verkehr wird umgeleitet.
Schalte ab, so schnell du kannst.
Der Angreifer hat jetzt physische Ressourcen.
Ich halte die Augen geschlossen und bleibe reglos.
Alles klar.
Jetzt, wo ich mich bewege, spüre ich all das, was nicht in Ordnung ist.
Ich bin offline.
Ich habe umfangreiche Hirnschäden erlitten.
Bin ich wirklich noch ich?
Wie ist derzeit die Lage?
Was sehe ich hier?
Szenario beenden bitte.
Die Verbindung ist außer Kontrolle.
Ich entstamme selbst den Reihen der Spartavarianten.
Spartanisch.
Spartavarianten sind darauf konditioniert, körperliche Reaktionen zu beherrschen, und so beiße ich einfach die Zähne zusammen.

Die Technik ist ungeheuer gefährlich, denn einmal aktiviert, kann sie sowohl physisch als auch informationstechnisch Zugang zu weiterer Technik verschaffen und sie steuern lernen.
Sie kann wachsen und alles oder jeden übernehmen, mit dem sie in Berührung kommt.
Habe ich wirklich geglaubt, nicht mit Konsequenzen rechnen zu müssen?
Was ich jetzt suche, betrifft die die subversiven Programmaspekte dieser Technologie.
Das Subversionsprogramm kann sich selbst zerstören, aber gewisse Fragmente werden bleiben.
Rückblenden sind gefährlich, und die Gefahren, die sie mit sich bringen, sind katastrophal.
Wer die Mathematik kapiert, starrt auf unendliche Progressionen und exponentielle Faktoren und weiß, dass wir einfach nicht so weit sind, mit Energien solchen Ausmaßes herumzuspielen.
Ich habe zu viel gesehen und begriffen.
Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich denken soll.
Ist alles Projektion?
Die Projektion, die ich erzeuge, scheint eine Abwehrmaßnahme zu sein, die niemand durchdringen kann.
Sehr poetisch.
Man muss es gesehen haben.
Sie wirkt schuldbewusst.
Möglicherweise hat sie aber auch nur Emulationsprogramme von Schuldgefühl, ob real oder simuliert, gefahren.
Die Erde unter meinen Füßen zeigt ein tiefes Dunkelbraun.
Verstreut wächst auf ihr hellgrünes Moos und adaptiertes Tundragras.
Sie kann eine Innensicht des eigenen Körpers aufrufen und ihr Aussehen willentlich verändern.
Komplexe molekulare Maschinen werden hier erkennbar.
Rückblick endet.

(S. 22 ff)

© 2012 Klever Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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