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Leseprobe: Margit Kuchler-D'Aiello - Ein Mundwerk für Nellja.

Ich zähle drei Gasthäuser, fünfzehn verlassene Wohnhäuser, eines, das sich in die Renaissance rückdatiert, ich zähle drei Gärten, der größte davon liegt hart verkrustet unter dem liegengebliebenen Schnee. Hier ist alles rückdatiert. Hier ist die Arbeitswelt von früher konserviert und gleichzeitig aufgelassen. Hier liegen meine Kindheit und die von Nellja wie ein erloschener Fixstern. Hier mischt die Vergangenheit die Gegenwart auf und löscht sie. Für einen Augenblick empfinde ich eine Art von Triumph. Das, was früher nicht gut war, ist heute nicht besser geworden, höre ich Nellja sagen. Wieder kommt sie mit ihrer Diktatur, die sich als Freiheit maskiert und die uns nostalgisch stimmt, weswegen wir lächerlich gemacht werden. Von diesem System. In diesem System ist die Wahrnehmung verboten. Sagt ihr erhobener Zeigefinger und erklärt, dass wir nicht unserer Kindheit nachtrauern, sondern einer Vorvergangenheit, einer Urwelt, einer Spielwiese mit pelzigen Rindern und Schafsnasen und sich an Blüten labenden Insekten.
Total frei, so frei, dass es hinter unserem Rücken totalitär geworden ist und wir vorne zu betäubt werden, um das in der Mitte bemerken zu dürfen. Ach, hätte sie nur weiter geredet vor mir, für mich allein, und ihre Klugheit ausgebreitet wie einen handgewebten Teppich. Ich bin in die Knie gegangen vor ihr. Aber das war ihr zu wenig. Oder zu viel. Und wieder zu wenig. Ein sprachgewaltiges Mitziehen oder eine dergestaltige Entgegnung hätte sie gebraucht in ihren Moralapostelphasen, in denen sie mein Gewissen wurde, mein schlechtes, mein gutes.
(S. 39f.)

©2012 Leykam Verlag, Graz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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