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Elisabeth Schmidauer: Sommer in Ephesos.

St. Pölten: Residenz Verlag, 2012.
350 Seiten; geb.;  EUR 21,90.
ISBN: 9783701715862.

Link zur Leseprobe

Die erste Leidenschaft einer Siebzehnjährigen. Verbotene Liebe. Geheime Leidenschaften. Ein unvergesslicher Sommer, der alles verändert. Zerstörte Hoffnungen. Lebenslange Trennungen. Familienskandal. Verbrechen, kleine und große. Und zuletzt: Dramatische Enthüllungen.

Den Rahmen für einen zumindest an der Oberfläche trivialen Sommerroman bildet der Tod eines international angesehenen Archäologen, Vater der weiblichen Hauptfigur und Ich-Erzählerin Anastasia, und Ex-Mann der sexuell überaktiven Mutter ebendieser, einer Tänzerin, die gerne mit wechselnden Liebhabern durch Amerika tourt. Das Begräbnis des für die Tochter ein Leben lang unnahbaren, nach außen hin gefühllosen Vaters wird zum Auslöser für Erinnerungen an dramatische Ereignisse in Anastasias Jugend. Erst mit dem Tod des Vaters erfährt die Protagonistin alle Zusammenhänge und gut gehüteten Geheimnisse, die so dunkle Schatten auf ihre Jugend warfen und den endgültigen Abbruch der Beziehungen zu Hubert, ihrer ersten Liebe, wie auch zum Vater nach sich zogen.

Die Leidenschaft für die Archäologie, jene Obsession, die sozusagen zur Geliebten des Vaters wurde, der sich jahrzehntelang „in den Dienst der Göttin“ stellte, die es auszugraben galt, teilt die Protagonistin einen heißen Sommer lang mit ihm im heute türkischen Ephesos - „weiße Stadt, brennende Stadt, die Sehnsuchtsstadt meiner Kindheit“ (11). Dort trifft sie Hubert wieder, Lieblingsschüler ihres Vaters, der einst im Haus der Eltern gerngesehener Gast war, nun aber zum Erzfeind seines Mentors mutiert ist. Aus der kindlichen Schwärmerei entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre, mit der sie die Wut ihres Vaters auf sich zieht, die über die Besorgnis eines liebenden Elternteils deutlich hinausgeht.

Der Roman über eine Beziehung zwischen Vater und Tochter, die in Rückblenden inszenierte „Coming-of-Age“-Geschichte der jungen Anastasia, bietet neben mehreren miteinander verwobenen dramatischen Liebesgeschichten auch einen Archäologiekrimi, dessen Eckpfeiler wilde Verwicklungen, Jugendsünden, Raubgrabungen, Brandlegung und Jahrhundertfunde sind. Die heiße, weiße, brennende Stadt wird zum Symbol für in mehrfacher Hinsicht verlorene Unschuld. All dies schrammt immer knapp am Kitsch vorbei, dank der keineswegs romantisierend-rührseligen Sprache, der rasch und überraschend wechselnden Mono- und Dialoge, der montierten Traumsequenzen und der ineinandergeschobenen zeitlichen Ebenen kann die Geschichte jedoch formal einiges bieten. Die stereotype Figurenpsychologie wird durch den gelungenen Spannungsaufbau großteils kaschiert: Da gibt es auf der einen Seite die sexbesessene Figur der Mutter, die ihrer für eine unglückliche Ehe geopferten Karriere nachtrauert („Paris, London, New York – ich hätte es mir aussuchen können“, 33) und die von ihr gleichermaßen angeekelte wie auch ihr intuitiv nachlebende Tochter, zwei durch Frustration hart gewordene Frauen. Und auf der anderen Seite die zwei zentralen Männer, die beide karrierefixiert, gefühlsreduziert und andererseits nicht nur von der Archäologie, sondern auch von sonstiger „klassischer Schönheit“ leidenschaftlich besessen scheinen.

Die leichte, süß-melancholische Sommerlektüre wird neben dem klischeehaften Verrats- und Liebestopos angereichert durch poetisierte Auskünfte über Archäologie, lyrische Landschaftsbeschreibungen, Fieberträume und Visionen: „Die Welt hatte nach dem Fieber wieder ihre alten Farben, nur manchmal, schien mir, war da ein Schleier, und dahinter leuchteten die Farben kräftiger“ (95). Das sind zugleich die interessantesten Passagen des Romans, da werden Farben eingefangen, intensive Geruchsempfindungen nacherzählt, Geräusche und mythische Tier- und Steinwelten, Funde und Schmuckstücke in knappen Bildern nachgezeichnet: „Wie das sonnengoldene Gras zitterte, Mädchenhaar, wie es flirrte über den Hügeln und wie zwischen den Säulen, die die Straße säumten, in violetten Schatten etwas stand, wenn ich die Augen schmal machte“ (141), oder: „Das Helle und das Rosafarbene dann, von dunklen Zypressen gesäumt, duftendes Kieferngrün. Safrangelb im frühen Licht schimmert, dunkel geädert und rot und blau, der Marmor der Bibliothek. Wie wenn in Ebbe und Flut das Licht über den Marmor ginge, kommen die Farben und gehen und glühen, wenn es Abend wird, von innen aus dem Stein“ (167), [siehe auch Leseprobe].
So bleibt nach beendeter Lektüre ein Debütroman im Gedächtnis, der bietet, was so häufig in Österreich auch wieder nicht produziert wird: qualitätsvolle literarische Unterhaltung, eine Erzählung in leuchtenden Farben mit überkonstruiertem Plot. Keine typische Sommerlektüre für den Griechenland- oder Türkeiurlaub.

Elena Messner
22. August 2012

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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