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Leseprobe: Anna Weidenholzer - Der Winter tut den Fischen gut.

Er wird sagen, Frau Beerenberger, erzählen Sie. Gern, werde ich sagen, gern. Ich kenne mich mit der Materie aus. Zumindest habe ich das erreicht, was ich erreichen wollte. Jetzt müssen wir warten. Wovon sprechen Sie, wird er fragen, Frau Beerenberger, was erzählen Sie da. Nun, werde ich sagen, ich sitze Ihnen gegenüber, weil ich die Sätze der Menschen kenne, die im Leben stehen, weil ich eine von ihnen sein werde. Ich habe zu wenig an mich geglaubt, wissen Sie, ich habe zu wenig an meine Zukunft geglaubt. Warum, wird er fragen, bitte, erzählen Sie. Dann wird er schweigen, sich in den Sessel zurückfallen lassen. Gut, werde ich sagen, wenn sie möchten. Der Tag vergeht, das Licht verbrennt, sagt meine Nachbarin. Fangen wir von hinten an.
(S. 5)


53  Der Markt

… Am liebsten unterhält sich Maria mit dem Fischverkäufer, er ist ein junger Mann, dessen Hände im Winter gerötet sind. Du wirst dir noch etwas abfrieren, sagt Maria zu ihm an besonders kalten Tagen. Ich friere mich wach, sagt der Fischverkäufer dann, und du, was machst du hier immer. Schauen, sagt Maria, ich schaue nur, der Winter tut den Fischen gut, sie bleiben frisch, nicht wahr. Unsere Fische sind immer frisch, sagt der Fischverkäufer, wir achten auf unsere Ware. An diesem Novemberdonnerstag ist der Platz vor der Kirche leer, die Tauben sitzen auf dem Boden vor dem Vogelhaus, sie picken auf, was die Meisen fallen gelassen haben. Würde Maria mit dem Fuß auf das Pflaster stampfen, würden die Tauben davonfliegen, aber Maria bewegt ihre Füße nicht. Sie sitzt und wartet, bis sie nach Hause gehen kann.
(S. 16)

 
43  Das Schöne

Das Schöne am Verkleiden ist, dass es manchmal niemandem auffällt, denkt Maria, als sie auf der Straße einem schwarzen Hund begegnet, der weiße Flügel trägt.
(S. 52)

 
22  Ein Mittwoch

Maria drückt drei Mal Elvis, sie bleibt mit ihrem Glas vor der Bar stehen, dort wo der Boden an besonderen Abenden zur Tanzfläche wird, und wartet, dass Elvis zu singen beginnt. Maria wiegt sich und dreht sich, und fordert sie einer der männlichen Gäste zum Tanzen auf, dreht sie sich weiter, ohne ihn anzusehen. Sie dreht sich auf der Tanzfläche, bis Martha aufsteht und mit ihr das Lied zu Ende tanzt. Weißt du, sagt Maria dann zu Martha. Ja, ich weiß, antwortet Martha, Walter war der beste Elvis-Imitator. Ja, das war er, und weißt du, sagt Maria dann, es war schon ein wenig so. Ja, ihr beide wart ein wenig wie Elvis und Priscilla, sagte Martha. Ja, sagte Maria, woher weißt du das. Du erzählst es mir bei jeder Feier, Maria, das ist deine Feiergeschichte. Martha hebt den Arm, und Maria dreht sich darunter im Kreis.
(S. 150)


© 2012 Residenz Verlag, St. Pölten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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