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Leseprobe: Ulrike Kotzina - Staudamm.

Ich irrte am See umher, bis die Dämmerung einbrach. Lief die drei Kilometer zum Stieger nach hinten, ging zum Ostufer, machte kehrt, lief zum Stieger zurück.
Die Gegend sah fremd aus, das Gelände feindlich; widerborstig Stauden und Bäume am Weg. Sie standen nicht wie sonst, um mich an ihnen vorbeizulassen, zurückweichend, schmiegsam, mit weichen Rinden und Blättern, waren nicht die alten Verbündeten, sondern streitbare Gegner mit Lanzen und Dolchen, die sie schärften und hoben, sobald ich vorbeiwollte. Brombeerhecken trugen keine Früchte, nur Dornen, Berberitzen und Wildrosen verbargen ihr Antlitz und streckten mir stattdessen Stacheln entgegen, die spitz aus dem üppigen Blattwerk ragten. Die Finger der Lärchen streiften nicht meine Haut, sondern stachen mit rauen Astspitzen zu, genau wie die Tannen, Zirben und Fichten, die einst meine Freunde gewesen waren und jetzt taten, als würden sie mich nicht mehr kennen.
Feig waren die Bäume vom Zauner gestanden, hatten mich in faulige Kirschen treten lassen, deren Blut ich, am See sitzend, von Sohlen und Knöcheln nicht abbekam, Brennnesseln tarnten sich und spotteten leise, als ich in zahllose Widerhäkchen griff. Felsbrocken waren da, um mich stolpern zu lassen, nicht als Liegen oder Sitze, die sich anpassten und glätteten, sobald ich mich setzte und die Beine ausstreckte. Ich sah Dohlen und Krähen auf den Zweigen der Weiden, die mich musterten, als hätten sie mich nie gesehen, obwohl ich doch immer mit ihnen sprach, ihnen Brotrinden brachte oder Nüsse aus dem Garten, die sie nahmen und aus großer Höhe fallen ließen, um zuzusehen, wie sie unten an den Steinen zersprangen.

(S. 148 f)

 

©20112 Picus Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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